Christina Obergföll nach Babypause auf dem Weg zu Olympia

Ortenau. Derzeit befindet sich Christina Obergföll (LG Offenburg) im 17-tägigen Trainingslager in
Stellenbosch bei Kapstadt (Südafrika). Die 33-jährige sprüht vor Eifer
und Begeisterung. Das große Ziel ist Olympia 2016 in Rio de Janeiro. „Es
läuft super, ich bin sehr gut in Schuss, gesund und verletzungsfrei
durchgekommen“, sagt Christina Obergföll am Rande ihres Trainings in der
Rüdiger-Hurrle-Leichtathletikhalle in Offenburg.

Christina Obergföll scheint nahtlos an ihr zuletzt absolviertes Sportjahr 2013
anzuknüpfen. Die Speerwerferin feierte den Gesamtsieg in der Diamond
League, dann den Weltmeistertitel in Moskau, wurde Deutschlands
Sportlerin des Jahres – der zweite Platz bei der Deutschen Meisterschaft
wirkt dazu im Vergleich wie eine Formschwäche, trotz des Erfolges als
Vizemeisterin. Dabei war klar, dass Obergföll eine erfolgreiche Zukunft
hat. 2011 Gesamtsieg bei der Diamond League, 2012 Deutsche Meisterin,
Zweite bei der Europameisterschaft und Silbermedaillen-Gewinnerin bei
den Olympischen Spielen 2012 in London.

2013 war dennoch ein besonderes Jahr, auch privat: Sie heiratete den Speerwerfer und
Bundestrainer Boris Henry, jetzt Obergföll, wurde schwanger und beide
wurden am 22. Juni 2014 stolze Eltern von Marlon. „Die Schwangerschaft
hat keine Spuren hinterlassen was den Leistungssport angeht. Im
Gegenteil, ich fühle mich eher besser als vorher“, so Obergföll. Bereits
sechs Wochen nach der Geburt fing die Speerwerferin wieder mit
Gesundheitssport an. Keine vier Monate später stieg die Vorzeigeathletin
am 13. Oktober wieder voll ins Training ein. „Morgens hat es an der Tür
geklingelt: Dopingkontrolle. Sie hat nicht gewusst, dass es mein erster
Tag war“, erzählt Obergföll lachend.

„Der Anfang war schwer, wirklich heftig, ich war aber schnell wieder voll drin.“ „Diese drei
Stunden genieße ich. Es ist Zeit für mich, ohne Kind. Marlon dann wieder
abzuholen, darauf freue ich mich danach richtig“, sagt die 33-Jährige.
„Anfangs dachte ich noch, ich könnte ihn mit ins Training nehmen, das
geht aber keine 30 Minuten – seither haben wir eine Tagesmutter und
nicht zuletzt sind ja noch die Großeltern da.“ Das Jahr Babypause hat
sich nicht nachteilig ausgewirkt. „Die Werte sind zum jetzigen
Trainingszeitpunkt genau so wie in der Saison vor der Schwangerschaft.“
Darauf hatte Christina Obergföll etwas spekuliert und gehofft. Bei
Speerwurfkollegin Barbora Špotáková hatte sie sich erkundigt, wie es
sich mit der Wettkampf-Baby-Pause verhält und auch bei anderen
Athletinnen. „Die hatten mir alle signalisiert, dass das geht. Eine
Schwangerschaft ist keine Krankheit. Auch während der Schwangerschaft
bin ich noch lange in Bewegung geblieben.“

Fitness und Kraft sind die Schwerpunkte im Training. Dabei vertraut sie auf ihr
Trainergespann Werner Daniels (Athletik) und ihren Mann Boris (Technik).
„Bislang arbeite ich nur mit schweren Speeren für die Wurfkraft. Mit
dem Wurfspeer geht es Mitte März los, wenn es um die Schnelligkeit und
Technik geht.“ Das dürfte dann zum Ende des Aufenthalts in Stellenbosch
sein. „Südafrika hat viele Vorteile. Das Klima ist wichtig und dann gibt
es quasi keine Zeitumstellung. Die Trainingsmöglichkeiten sind dort
sehr gut.“ Der Plan steht nicht nur für diese Saison, sondern bis
Olympia 2016 in Rio de Janeiro.

Welchen Wettkampf sie als erstes bestreiten will, lässt sie offen: „Es könnten die Werfertage in Halle sein oder der Diamond-League-Wettkampf in Shanghai.“ Das macht Obergföll
von ihrem Leistungspotential abhängig. Der internationale Wettkampf ist
klar der interessantere, hinterherwerfen will sie aber nicht. Dort wo
sie antritt, will sie konkurrenzfähig sein. In diesem Jahr stehen auch
die Weltmeisterschaften an. Einen Startplatz hat sie als
Titelverteidigerin sicher. „Von Titelverteidigung zu reden ist zu früh.
Mir ist wichtig, insgesamt eine gute Saison zu haben.“ Titel und
Platzierungen sind da nicht nur der Gradmesser. Der Weg zum Ziel bei
Olympia in Brasilien ist im Moment wichtig.

Autor: Daniel Hengst

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