Wirtschaft trifft Kommunalpolitik: Professor Alexander Doderer referierte
Zukunftsperspektiven der Handelsstadt Haslach

Professor Alexander Doderer referierte zum Thema „Parkhaus Haslach? - Zukunftsperspektiven der Handelsstadt Haslach im Kinzigtal“
  • Professor Alexander Doderer referierte zum Thema „Parkhaus Haslach? - Zukunftsperspektiven der Handelsstadt Haslach im Kinzigtal“
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Haslach (st). Bürgermeister Philipp Saar hat zusammen mit der Handels- und Gewerbevereinsvorsitzenden Mechthild Bender das Format „Wirtschaft trifft Kommunalpolitik“ in Haslach wieder aufgegriffen. Im Haus der Musik trafen sich zahlreiche Vertreter von Handel, Gewerbe und Freien Berufen mit dem Haslacher Gemeinderat zum ungezwungenen Gedankenaustausch. Geprägt wurde der Abend durch den Vortrag Professor Alexander Doderers „Parkhaus Haslach? - Zukunftsperspektiven der Handelsstadt Haslach im Kinzigtal“

Marketingexperte und Firmeninhaber

Doderer ist Inhaber der großen Agentur Gruppe 3 in Villingen und ein ausgesprochener Marketingexperte, seine Professur hat er an der Hochschule Furtwangen. Im Fokus seines Vortrages stand die Verkehrs- und Parksituation in Haslach und ebenso eloquent wie fundiert bot er Tatsachen und Entwicklungen dem interessierten Zuhörerkreis dar. 3.627 Einpendler pro Tag weist nach Doderer die Statistik aus. Haslach gilt als „Verkehrsgünstig gelegen“, das heißt, dass speziell der wichtige Rheinstrang noch in einer wirtschaftlich tragfähigen Entfernung zu Haslach liegt. Die großen Entwicklungsachsen links und rechts der Autobahn seien entscheidend für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg, so Doderer. Deutlich schwieriger werde es für tiefer im Schwarzwald gelegene Ortslagen. Haslach sei gekennzeichnet durch relativ viele Single Haushalte, hohe Kaufkraft, eine starke Jugend und relativ zum Gemeindetypus wenig Ältere und wenige Sozialschwache. Positiv wirken sich diese Daten vor allen Dingen auch durch eine starke „Babyboomergeneration“ vor Ort aus.

Viele Autos gemeldet

Allein 4.228 PKW seien in Haslach 2018 statistisch gemeldet, eine Zahl, die eine historisch gewachsene Stadt erst einmal verkraften müsse. Alle Prognosen weisen daraufhin, dass der PKW Verkehr steigen wird, eine noch größere Rolle spielen die Lieferfahrzeuge, hier wird bis 2035 ein Vorsprung bis mindestens 17 % erwartet. Anpassungen seien die wichtigsten Zukunftsherausforderungen: Man könne den Individualverkehr nicht abschaffen. Damit rücken die Pendlergruppen in den Fokus seiner Überlegungen: „Park and Ride“ und Parkraumbewirtschaftungen seien dringend notwendig in Haslach. Doderer plädierte dafür, dass Autos auch zukünftig zu Geschäftszeiten in die Innenstadt einfahren dürfen, „alles andere wäre Handel und der Wirtschaft extrem abträglich.“ Deutliche Worte fand er für Berufseinpendler, für die er zwar gute Parkplätze wünschte, doch „Angestellte im Öffentlichen Raum parken zu lassen grenzt an Aberwitz“, womit Dodere vor allen Dingen die Altstadt und deren kundennahe Parkplätze meint.

Als Einkaufsstadt noch nicht gut aufgestellt

Haslach als Einkaufsstadt sei noch recht gut aufgestellt, doch auch für Haslach gelte die Konkurrenz der „Mega-Supermarktes“, der da hieße „Google, Amazon oder Ebay“ und hätte 365 Tage im Jahr Tag und Nacht geöffnet. Doderer setzt dem eine hohe Besucherfrequenz in der Stadt entgegen und die sei nur zu erreichen, wenn die Stadt möglichst lebendig gehalten wird. Dazu gehöre das Einkaufen mit dem Auto. Er plädiert für eine möglichst differenzierte Betrachtung aller Parkplatznutzer vom Einwohner über „Pendler Parker“ und „Umsteige Pendler“ bis hin zu Touristen. Die hohen Pendlerzahlen würden mittelfristig noch steigen, der hohe Pendlerüberschuss Haslachs übe einen entsprechenden Druck auf die Parksituation aus. Neben solchen Fernpendlern gehe es vor allen Dingen um Kundenparkplätze, um Parkplätze für Mitarbeiter und schließlich auch für Touristen. Bewirtschaftung von Parkraum könne auch durch eine geringe Gebühr erfolgen. In Sachen Fußgängerzone warnt er vor überzogenen Erwartungen: rechnet man die Parameter auf Haslach um, bedeute dies gerade mal 70 Meter. Wichtiger als diese Debatte sei es, PKW Stellplätze in fußläufiger Entfernung zur Innerstadt zu schaffen, denn in historischen Städten sei Parkraum immer sehr knapp und wertvoll. Hier gelte es eine Parkraumstrategie mit Bewirtschaftung und konsequenter Überwachung zu entwickeln. Sowohl dem Parkplatz direkt an der Eisenbahn als auch dem ehemaligen Campareal am Gewerbekanal bescheinigte er ein gutes Potential für eben solche Pendlerparkplätze. Wohnmobillisten gelte es stärker an die Stadt zu binden, hier vermisst Doderer einen wirklich brauchbaren Wohnmobilparkplatz.

Wohlfühlklima für Familien

Städte wie Haslach würden in Zukunft punkten mit einer guten Versorgung, einem Wohlfühlklima für Familien, generationenübergreifenden Ansätzen, einer guten Pflegesituation: Empathie sei das Stichwort der kommenden Jahre. „Den Impetus des Boxenstopps an der B33 respektive Schwarzwaldbahn wird Haslach auf jeden Fall behalte“, so sein Fazit.

Der letzte Teil des Vortrags war den regionalen und globalen Rahmenbedingungen gewidmet. Auch hier könne Haslach durchaus punkten. „Coconing“ sei eine Reaktion der Menschen auf die immer stärker als hektisch und eventuell bedrohlich empfundene Umwelt. Solche Sehnsucht nach Harmonie und schöner Ruhe könne Haslach bieten, gleichzeitig sei der Aspekt, alles lebendig zu halten gut ausgeprägt. Doderer empfahl eine klare Positionierung für das Jahr 2030 als zukünftigen Arbeitsschritt mit ehrlichen Bestandsanalysen, einem Blick nach vorn und auf die potentiellen Wettbewerber.

Nach dem Vortrag wurde rege diskutiert. Auch nach dem sich Alexander Doderer verabschiedet hatte, führte man im Foyer des Hauses der Musik noch lange gute Gespräche über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Haslach.

Autor:

Marthe Roth aus Hausach

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