Hans Hönninger: Familienmensch und ein wenig Rampensau

Auf dem Boden geblieben trotz vieler Leidenschaften: Hans Hönninger.
  • Auf dem Boden geblieben trotz vieler Leidenschaften: Hans Hönninger.
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Hohberg-Niederschopfheim. Zu den lautstarken Zeitgenossen zählt Hans Hönninger nicht. Er ist keiner, der auf den Putz haut. Dennoch wäre es nicht ganz falsch, ihn als
Rampensau zu bezeichnen – vielleicht eine ruhige... Bekannt ist
Hönninger unter seinem Vornamen: „Hans und seine Oldies“ rocken durch
die Ortenau, bis Minirock und Stützstrümpfe glühen. So breitgefächert
wie dieser textile Vergleich ist nicht nur das Publikum bei den
Konzerten, auch die Interessen des 65-Jährigen sind nicht minder vielfältig.

„Das Singen habe ich von meiner Mutter in die Wiege gelegt bekommen“, erzählt er von seiner ersten Leidenschaft. Mit 14 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne. Mit 15 war er dann schon Sänger der „Arrows“, die man als badische Sixties-Boygroup bezeichnen
könnte. „Wir haben alles gespielt, was beim Publikum ankam.“ Im
Bierhäuslesaal in Oberschopfheim und im Schwanensaal in Ichenheim
standen die Bühnen, von denen die Combo, den lebens- und liebeshungrigen
Jugendlichen einheizten – und das Sonntagnachmittags um 14 Uhr, denn
das Jugendschutzgesetz kannte schon damals keine Gnade. 

Auch beruflich wollte der Niederschopfheimer mehr. Nach dem
Hauptschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann in
Offenburg. Man könnte ihn auch als einen Vorreiter in Sachen zweiter
Bildungsweg bezeichenen, denn im Anschluss besuchte er die
Berufsaufbauschule in Rastatt und das Offenburger Wirtschaftsgymnasium.
Berufs- und Bühnenerfahrung gaben ihm einen Vorsprung vor seinen
Mitschülern und so wurde er auch Klassensprecher. „Du kannst gut
schwätze“, attestierte man dem Abiturienten und so wagte er sich schon
damals an erste Führungsaufgaben heran.

Sportlich war Hönninger eher ein Spätzünder. Von der Figur her ein Typ à la „Buffy“ Ettmayer
reichte es nur zum Notnagel in der Zweiten und so hängte er die
Fußballschuhe früh ohne Not an selbigen, um sie dann ohne Fußball
während des Studiums wieder zu schnüren. Der Laufsport wurde seine Passion. 

Schon während der Zeit auf dem WG entwickelte sich der Sänger zum Gitarristen. Bei der Formation „Popcorn“ aus dem Oberkircher Raum absolvierte er als singender Rhythmusgitarrist an die 100 Gigs im Jahr. Ein guter Verdienst bei knapp 40 Mark pro Auftritt. Eine gute
finanzielle Basis für sein Betriebswirtschaftsstudium in Mannheim. Mit
der Musik wurde es weniger, das Laufen machte ihn fit und fitter. Bei
der Spedition Dietrich in Offenburg fand er nach dem Studium eine
Aufgabe als Diplom-Kaufmann und bald wurde das Personalwesen sein Steckenpferd.

Verlässlichkeit und Heimatverbundenheit spiegeln sich auch in seiner Familie wieder. 1980 heiratete Hans Hönninger seine Frau Petra und gemeinsam bezogen sie das Haus am Rittiberg, das ihn heute als Rentner und Heimwerker auf Trab hält. Die Töchter Isabel und
Denise komplettierten das Familienglück. Irgendwann flatterte ein
lukratives Jobangebot ins Haus, noch dazu in Schopfheim. Aber nicht in
Ober- oder Nieder- sondern an der Schweizer Grenze. „Das kam für mich
eigentlich nicht in Frage.“ Nur halbherzig besuchte er das dortige
Bewerbungsgespräch, aber die Chemie zwischen Chef und Führungskraft
passte und so pendelte Hönninger von Ende 1988 bis ins Jahr 2000 von
Niederschopfheim nach Schopfheim. Zum Millennium suchte die Schaeffler
KG für ihr INA-Werk in Lahr einen neuen Personalchef. 

Bewegte Zeiten erlebte er bis zu seinem Renteneintritt 2013. Schwierige
Entscheidungen zur Standortsicherung hatte er zu treffen. Die
Wochenstundenzahl wurde ohne Lohnausgleich angehoben, dafür investierte
die Herzogenauracher Zentrale in den Standort Lahr und gab eine
Jobgarantie bis 2010. „Das war keine leichte Zeit, aber die Entscheidung
war richtig.“ Auch die Musik rückte wieder vermehrt in den Mittelpunkt.
„Hans und seine Oldies“ und „Hönninger & Robol and Friends“
brachten mit einer Bandbreite von Schlager bis Rock Schwung in etliche
Ortenauer Veranstaltungen.

Wie gesagt, Lautstärke ist nicht das Markenzeichen Hönningers, eher Beständigkeit – auch als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht oder als Berater in  AOK-Bezirks- und
Landesgremien, um nur einige zu nennen. Ein wenig Rampensau steckt halt doch in ihm.

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