An(ge)dacht
Friedenstaube vom heiligen Berg Ararat

Andreas Moll

Waren Sie schon einmal in Armenien? Vor einigen Wochen durfte ich eine Reisegruppe durch dieses Land südlich des Kaukasus leiten. Es lohnt sich, eine Reise dorthin zu unternehmen. Man begegnet einer eindrücklichen Landschaft, freundlichen Menschen und vielen Zeugnissen einer lebendigen Geschichte.

Armenien gilt als das älteste christliche Land der Welt. Schon zu Beginn des vierten Jahrhunderts wurde das Christentum als Staatsreligion eingeführt und es bildete sich eine bis heute eigenständige Kirche, die armenisch-apostolische Kirche. Armenien ist auch ein Land der Bibel, ohne dass es namentlich erwähnt würde. Am Ende der Sintflut, als die Wassermassen wieder zurückgingen, setzte die Arche des Noah auf dem Gebirge Ararat auf. In relativer Höhe – gemessen vom Fuß des Berges bis zum Gipfel – gilt der Ararat tatsächlich als höchster Berg der Welt. Er befindet sich heute allerdings in der Türkei und ist seit dem Völkermord am armenischen Volk vor gut hundert Jahren nurmehr ein Sehnsuchtsort, den man an klaren Tagen zwar von der Hauptstadt Eriwan aus sehen kann, der aber unerreichbar bleibt.

Als quasi heiliger Berg Armeniens ist der Ararat im ganzen Land präsent. Hat doch Noah nach der Sintflut am Fuße des Berges nicht nur den ersten Weinberg gepflanzt und damit die Tradition des Weinbaus begründet, sondern er hat auch einen Altar für Gott errichtet. Und Gott beschließt, dem menschlichen Leben noch einen zweiten Versuch zu geben und damit in Armenien zu beginnen.

Sinnbild für das Ende der Sintflut wurde die Taube mit dem Ölzweig, Zeichen für den Frieden, den unsere Erde so bitter nötig hat. Es ist deshalb eine schöne Tradition, vor der Kulisse des Ararat eine Friedenstaube steigen zu lassen. Sinnbild für den neuen Bund, den Gott mit der Menschheit schloss, ist der Regenbogen. Er erinnert uns an Gottes Versprechen, die Erde nicht mehr zu verfluchen, obwohl das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse von Jugend auf ist. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Mit dieser wunderbaren Zusage wünsche ich Ihnen allen schöne und erholsame Sommerwochen.

Andreas Moll
evangelischer Pfarrer für das Achertal und Sasbachwalden

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