Natur
Korker Wald entwickelt sich wieder gut

Die Förster Simeon Springmann (l.) und Markus Gutmann
  • Die Förster Simeon Springmann (l.) und Markus Gutmann
  • Foto: Stadtverwaltung Kehl
  • hochgeladen von Sebastian Thomas

Kehl (st). Dem Korker Wald, der mehr als die Hälfte des Kehler Stadtwaldes ausmacht, geht es (wieder) recht gut: Sogar Eichen wachsen über die Naturverjüngung in großer Zahl nach, die Nachpflanzungen, die vorgenommen werden müssen, beschränken sich auf 20 bis 25 Prozent der vom Eschentriebsterben betroffenen Fläche.

Helles frisches Grün

Auf weiteren zehn bis 15 Prozent sind in den kommenden Jahren lediglich Ergänzungspflanzungen zur Erhöhung der Baumartenvielfalt vorgesehen. Dass der Korker Wald den Totalausfall der Eschen verkraftet hat, ist auch ein Verdienst der Jagdpächter: Sie haben durch die Erhöhung der Abschusszahlen beim Rehwild dafür gesorgt, dass die Naturverjüngung eine Chance bekommen hat.

Helles frisches Grün empfängt Oberbürgermeister Toni Vetrano und einige Mitglieder des Gemeinderats bei ihrer Waldbegehung. Als sie mit den Förstern Simeon Springmann und Markus Gutmann im Zierolshofener Wald etwas abseits eines Waldweges ein Waldbild betrachten, müssen sie bei jedem Schritt aufpassen, dass sie keinen Eichensämling unter dem Schuh haben.

schönster Waldteil

„Wenn wir hier keine groben Fehler machen, ist diese Fläche für die nächsten hundert Jahre eichenreich“, kommt Markus Gutmann geradezu ins Schwärmen. Der Bereich hat sich aus Sicht der Förster optimal entwickelt: genetische Vielfalt, Artenreichtum, starke Eichen für die Holzgewinnung.

„Es ist mit der schönste Waldteil in Kehl, der auch viele Waldbesucher positiv anspricht.“ Interessenkonflikte zwischen Naturschutz, Erholungssuchenden und Waldnutzern entstehen hier so gut wie keine. Auch für das Rehwild bietet sich ein optimales Biotop aus dichtem Gehölz als Unterschlupf und lichteren Partien als Äsungsmöglichkeit.

wertvoller Eichenwald

Gerade weil es „nicht mehr viele wertvolle Eichenwälder gibt“, wie Simeon Springmann erklärt, plädieren er und Markus Gutmann dafür, im Korker Wald ein besonderes Augenmerk auf die Eichen zu legen. Eichen, besonders, wenn sie schon älter sind, bieten Hunderten von Vogel-, Schmetterlings-, Käfer- und Insektenarten sowie Kleintieren wie Baummarder, Waldkauz oder Fledermaus Unterschlupf und Lebensraum.

Zudem haben die Forstexperten mittlerweile erkannt, dass Eichen mit Trockenstress besser klarkommen als Buchen und daher ihr Anteil in einem klimaangepassten Wald erhöht werden sollte. Allerdings: Eichenwälder müssen gepflegt werden, erklären die Fachleute, regelmäßige Durchforstungseingriffe dienen dazu, Halblichtsituationen zu schaffen, damit die Sämlinge aufgehen und wachsen können.

700 kleine Eichen

Je mehr kleine Eichen pro Hektar sprießen, desto besser: Wie im Zierolshofener Wald schafft es das Rehwild dann nicht mehr, entscheidenden Einfluss auf das Höhenwachstum zu nehmen und es kommen so viele junge Bäumchen durch, dass Nachpflanzungen kein Thema sind.

Wenn jedoch nichts nachwächst, wenn Flächen bereits von dichtem Brombeerbewuchs überwuchert sind, dann werden auch im Korker Wald Bäume nachgepflanzt. Auf einem halben Hektar Fläche wurden in zweitägiger Handarbeit 700 kleine Eichen gepflanzt und mit den bekannten Plastikröhren vor Wildverbiss geschützt.

Plastik im Wald

Dass dies nur das Mittel zweiter Wahl ist, wird an kleinen Bäumen deutlich, die Markus Gutmann in die Runde zeigt: Die Wurzeln sind weniger intensiv ausgebildet und kurz – im Vergleich zu einer Eiche aus Naturverjüngung, die eine tiefe Pfahlwurzel ausbildet.

Bereits in jungen Jahren erreichen diese Wurzeln eine Länge von 50 Zentimetern und mehr, was nachwachsende Eichen deutlich witterungsstabiler macht als gepflanzte Bäume. „Wir bringen mit den Schutzröhren auch Plastik in den Wald“, nimmt Simeon Springmann auf die gegenwärtige Diskussion um Plastik in der Natur Bezug. Etwa sechs Jahre bleiben die Röhren stehen, dass Plastikteile im Laufe der Zeit auch in den Waldboden eindringen, kann nicht ausgeschlossen werden.

stabiler Eichenwald über Generationen

Bannwaldflächen, also Bereiche im Wald, die sich selber überlassen werden, würden die Bemühungen, einen über Generationen stabilen Eichenwald zu schaffen, konterkarieren, erklären die Forstleute den Gemeinderäten. Werden nachwachsende Eichen nicht immer wieder „freigepflegt“, wie Markus Gutmann sagt, dann werden sie von Hain- oder Rotbuchen verdrängt.

Ein Bannwald im Korker Wald, bestätigt Simeon Springmann, „ist keine Option, er wäre in 50 Jahren ein Buchenwald“. Brennholz dürfte aus einem Bannwald ebenso wenig entnommen werden wie hochwertiges Holz für den Möbel- oder den Hausbau.

Zielstellung

Im Gespräch werden die unterschiedlichen Erwartungen an den Wald thematisiert: Der Gemeinderat müsse sich überlegen, erklären die Forstleute, welche Ziele im Wald auf Kehler Gemarkung vordringlich verfolgt werden sollen.

Bislang decken die Erlöse aus dem Holzverkauf in etwa die Kosten für den Naturschutz, die Nachpflanzungen und die Unterhaltung der Waldwege. Ist das Holz aus den starken Escheneinschlägen der vergangenen Jahre jedoch verkauft, müssten große Eichen gefällt werden, um die Kosten für den Wald zu decken.

Zehn-Jahres-Plan für Kehler Wald

Zusammen mit dem kommissarischen Leiter des Bereichs Stadtplanung/Umwelt, Matthias Kaufhold, und Umweltreferentin Insa Espig wird diskutiert, ob durch die erbrachten Naturschutzleistungen im Wald Ökopunkte generiert und verkauft werden könnten, um auf diese Weise Einnahmen für Pflegemaßnahmen zu erzielen.

Die Forstleute wären froh, wenn ihre Arbeit bewertet werden könnte, wenn es im Wald andere Einnahmequellen gäbe, als nur den Holzverkauf: „Wir könnten entspannter Erholungsmaßnahmen umsetzen und Naturschutz betreiben, ohne an die Eichen rangehen zu müssen“, bringt es Markus Gutmann auf den Punkt.

2020 muss ein neuer Zehn-Jahres-Plan für den Kehler Wald aufgestellt werden, der Gemeinderat könnte dann, ergänzt Simeon Springmann, Leitlinien festlegen und solche Ökopunktemaßnahmen in das Regelwerk mitaufnehmen.

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