Kehler Tulla-Realschule tritt Netzwerk bei
Mehr Mut gegen Fremdenhass

Die Tulla-Realschule verpflichtet sich, täglich daran zu arbeiten, gegen Rassismus im Schulalltag zu handeln.
  • Die Tulla-Realschule verpflichtet sich, täglich daran zu arbeiten, gegen Rassismus im Schulalltag zu handeln.
  • Foto: Stadt Kehl
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (st). „Eine Schule wird nicht von heute auf morgen frei von Rassismus.“ Zu dieser Einschätzung gelangen mehrere Redner bei der Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an die Tulla-Realschule. Daher ist das schwarz-weiße Schild, das künftig in der Aula für alle Schüler, Lehrer sowie für das Schulpersonal mehr Aufforderung als Auszeichnung. Die Tulla-Realschule verpflichtet sich, Vorurteile und Ressentiments, die im Schulalltag aufkommen können, in die Schranken zu weisen und Courage zu zeigen, wie es auf dem Schild auch heißt.

Auseinandersetzung mit dem Thema nicht "nebenbei"

Erste Gedankenspiele, sich dem bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ anzuschließen, gab es bereits vor rund drei Jahren, berichtet Jugendsozialarbeiterin Nadine King, als sie stellvertretend für die Tulla-Realschule die Aufnahmeurkunde von Landeskoordinator Andreas Haiß entgegennimmt. Allerdings war es auch ein wichtiges Anliegen des Schulleiters Joachim Seidelmann, dass die Aufnahme in das Netzwerk und die damit einhergehende Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Vorurteile in der Schule „nicht nebenbei“ geschehen.

Als im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie ausbrach und Lockdowns das öffentliche, aber auch das Schulleben ausbremsten, nahm das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wieder Fahrt auf. Nachdem die Klassen wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren konnten, stellte das Organisationsteam um Nadine King, Isabella Leser vom Ganztagsbereich und Lehrerin Vanessa Brunold der Schulgemeinschaft das Projekt im vergangenen Schuljahr (aber noch in diesem Kalenderjahr) vor.

Üblicherweise übernehmen Prominente aus Politik und Kultur im Zusammenhang mit der Titelvergabe eine Schulpatenschaft. Allerdings falle es Schulen laut dem Landeskoordinator des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, Andreas Haiß, zunehmend schwerer, Paten zu gewinnen, im Falle der Tulla-Realschule ging es jedoch schnell und unkompliziert. Das Organisationsteam lotete gemeinsam mit den Vielfaltcoaches - das sind vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg ausgebildete Schüler - mögliche Patenschaften aus und fragte schließlich bei der World-Hip-Hop-Band "Zweierpasch" an.

„Für uns war relativ schnell klar, dass wir die Patenschaft übernehmen wollen“, berichtet Bandmitglied Felix Neumann. Auch steuerten die Musiker einen Beitrag zu einem Erklärvideo bei, das den Schülern gezeigt wurde, und beteiligten sich an Diskussionsrunden im Unterricht. „Im Juni haben wir dann eine Abstimmung unter allen am Schulleben beteiligten vorgenommen, ob die Tulla-Realschule dem Netzwerk beitreten soll“, sagt Isabella Leser aus dem Organisationsteam. Das Resultat: 80,8 Prozent derer, die an der Schule lernen, lehren und arbeiten, sprachen sich für eine Mitgliedschaft aus.

Nun ist das Schild mit der Aufschrift „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in der Tulla-Realschule angekommen. Dort soll es im Schulalltag für alle sichtbar an einem Whiteboard in der Aula aufgestellt werden. „Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, das Schild an die Außenfassade zu hängen, da es hier um einen Prozess innerhalb der Schule geht“, berichtet Nadine King.

Stattdessen wird eine Idee der ehemaligen Zehntklässler aufgegriffen: Das Whiteboard wird mit einer Folie beklebt, die an eine klassisch-grüne Kreidetafel erinnert und mit einigen Textergänzungen versehen, sodass am Ende auf der Tafel zu lesen sein wird: „Unser Ziel: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Wir arbeiten jeden Tag daran!“

Beispiele, wie Vorurteilen und Ausländerfeindlichkeiten im Schulalltag begegnet werden kann, zeigen die Schüler der Klasse 7d bei der Titelverleihung anhand kleiner Aufführungen. In den Szenarien werden Mitschüler aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder aufgrund ihres Akzents herabgesetzt – bis ein Schüler oder eine Schülerin den Mut fasst, sich dazwischen zu stellen und „Stopp“ zu sagen. „Das Schild ist eine große Verantwortung“, betont Realschulrektor Joachim Seidelmann. Es sei eine implizite Aufforderung zur Selbstreflexion.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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