Kehl bleibt in Sachen Straftaten an der Spitze

Patrick Schote und Revierleiter Ingolf Grunwald stellen die Kriminalstatistik für das Revier Kehl vor. | Foto: Foto: gro
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Kehl. Unterschiedlicher als im Bereich des Polizeireviers Kehl kann die Aufgabenstellung kaum sein:
Auf der einen Seite finden sich hier ländliche Gemeinden wie Rheinau,
Willstätt und Appenweier mit den dort üblichen Vergehen, auf der anderen
Seite steht die Stadt Kehl, die am Rande einer französischen Großstadt
liegt. „In Kehl haben wir eine importierte Kriminalität aus der
Großstadt“, stellt Ingolf Grunwald, Leiter des Polizeireviers Kehl, zum
Abschluss der Vorstellung der Kriminalstatistik des Jahres 2014 fest.
„Man merkt, dass die beiden Städte immer mehr zusammenwachsen.“

Rheinau, Appenweier und Willstätt zeigen die typischen Delikte des ländlichen
Raums auf. So ist die Zahl der Straftaten in Rheinau im Jahr 2014
insgesamt gesunken, ebenso wie die Aufklärungsquote. Auffällig ist die
mit 40,1 Prozent relativ hohe Zahl an Tatverdächtigen, die nicht aus
Deutschland stammen. „Da gibt es einen Zusammenhang mit dem unmittelbar
nach der Grenze liegenden Einkaufsquartier“, so Grunwald. Auffällig hier
wie auch in Willstätt und Appenweier: Die Zahl der
Tageswohnungseinbrüche hat zugenommen – wie überall im ländlichen Raum
in Baden-Württemberg. Dafür ist die Zahl der Körperverletzungen mit 27
Fällen deutlich gefallen (35 in 2013).

In Willstätt ist die Zahl der Straftaten gestiegen, ebenso wie die Aufklärungsquote. „Dort war
eine Gruppe tätig, die sowohl Rauschgift verkauft als auch
Beschaffungskriminalität verübt hat“, begründet Grunwald den Anstieg.
Die Personen wurden inzwischen festgenommen. In Appenweier macht sich,
ebenso wie in Kehl, der Einsatz der Bundespolizei bemerkbar. Die
Kontrollen in den Zügen der Bahnlinie zwischen Kehl und Offenburg seien
verstärkt worden, die Zahl der Flüchtlinge, die ohne gültige Papiere
eingereist seien, ebenfalls. „Das macht sich auch in der Zahl der
Straftaten bemerkbar“, erklärt Grunwald. In Appenweier liegt sie in 2014
bei 711 Fällen, ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„In Kehl haben wir eine Steigerung der Straftaten um rund 35 Prozent,
allerdings liegt die Aufklärungsquote hier mit rund 72 Prozent auf einem
Rekordhoch“, sagt Grunwald. Einen traurigen Rekord gibt es bei der
Häufigkeitszahl, der Kennziffer, die die Zahl der Straftaten in den
Kommunen vergleichbar macht. Mit 20.844 liegt sie im Präsidiumsbereich
einsam an der Spitze, selbst wenn die besondere Situation durch die
Flüchtlingsströme berücksichtigt wird. Die Zahl der nicht-deutschen
Täter ist mit 84,5 Prozent die höchste im Präsidiumsbereich. Diese
Tätergruppe verübt vor allen Dingen zwei Delikte: Ladendiebstahl und
Tankbetrug. „Vor allem seitdem die Benzinpreise in Frankreich gestiegen
sind“, betont Grunwald. Auch in Kehl machen sich die verstärkten
Kontrollen der Bundespolizei bemerkbar.

Auf der anderen Seite ist die Zahl der Gewaltkriminalität nach oben gegangen. Mit Sorge wird
die Zunahme der Körperverletzungen vor allem in der Nacht im Bereich der
beiden großen Diskotheken im Stadtbereich beobachtet. „Sie ist über
drei Jahre immer wieder angestiegen. Dabei wendet sich die Gewalt
zunehmend gegen die Polizisten. Auch im Bereich der Rauschgiftdelikte
gehen die Zahlen nach oben. Wir haben verstärkt kontrolliert“, erläutert
Grundwald. Gesunken sind die Delikte im Bereich des Fahrraddiebstahls,
des Ladendiebstahl und bei den Tageswohnungseinbrüchen: „Unsere
Präventionsmaßnahmen greifen.“ Im Jahr 2015 will man sich verstärkt dem
Phänomen Tankbetrug, aber auch den Auseinandersetzungen in der Nacht
widmen.

Autor: Christina Großheim

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