SWEG-Chef Johannes Müller geht in Ruhestand
Vorteile für die Kunden immer im Fokus

Johannes Müller, Vorstandsvorsitzender der SWEG, geht in Ruhestand. Am kommenden Dienstag sitzt er zum letzten Mal an seinem Schreibtisch in der Hauptverwaltung in Lahr. | Foto: Michael Bode
  • Johannes Müller, Vorstandsvorsitzender der SWEG, geht in Ruhestand. Am kommenden Dienstag sitzt er zum letzten Mal an seinem Schreibtisch in der Hauptverwaltung in Lahr.
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Lahr. Johannes Müller ist es unangenehm, dass er seinen Besuch hat warten lassen müssen. Ein Telefonat hat den Vorstandsvorsitzenden und kaufmännischen Vorstand der Südwestdeutschen Landesverkehrs-AG (SWEG) in Lahr aufgehalten. Das ist in diesen Tagen der Corona-Krise nichts Außergewöhnliches, verlangt sie dem aus dem Berufsleben scheidenden 63-Jährigen auf der Zielgerade schließlich noch ganz Besonderes ab. Nichtsdestotrotz wird Johannes Müller zum 1. April seinen Posten an seinen Nachfolger Tobias Harms abgeben.

Sein Abschied wird nun aber ganz anders ausfallen müssen als geplant: "In einem kleinen und eingeschränkten Rahmen war eine Abschiedsfeier mit Wegbegleitern vorgesehen", berichtet Johannes Müller, der immer wieder bescheiden betont, dass er das Aufsehen um seine Person nicht ganz nachvollziehen kann. "Es gibt im Moment wirklich Wichtigeres", stellt er fest. Zeit für das Gespräch nimmt er sich trotzdem. "Von meinen Mitarbeitern habe ich mich bereits mit einer Rundmail verabschiedet", erzählt er weiter. 1.350 sind es derzeit.

Schon in recht jungen Jahren, Müller war gerade Anfang 20, hat er bei der SWEG in leitender Funktion gearbeitet. Nach seiner Fachhochschulreife, die der gebürtige Lahr-Reichenbacher in Lahr ablegte, ließ er sich zum Verkehrskaufmann ausbilden. Und da er schon immer großes Interesse an Wirtschaft hatte, setzte Johannes Müller ein BWL-Studium obendrauf. "Dass ich bei der SWEG gelandet bin, ist einer der vielen Zufälle im Leben", blickt er zurück. Vielleicht aber einfach nur konsequent, denn das Thema Öffentlicher Personennahverkehr hat ihn nicht erst seit seiner Ausbildung gereizt. "Ich wollte hier neue Wege gehen", betont er – und hat es auch geschafft.

Unternehmerische und politische Seite

Sein Ziel von Beginn an: Systeme zu entwickeln, die dem Bürger Vorteile bringen. Die Voraussetzungen Anfang der 80er-Jahre machten es ihm nicht gerade leicht: "Ich habe einen verkehrlichen Flickenteppich mit verschiedenen Buskonzessionen vorgefunden und nach und nach mit den anderen Partnern ein Liniensystem aufgebaut", erläutert Johannes Müller. Die neuen Tarifgemeinschaften in den Städten sind dann Anfang der 90er-Jahre über die Landkreise hinausgewachsen und später zu Verbünden geworden. "Ich war an allen Verbundgründungen in Baden beteiligt", resümiert Müller. Wie so ein Tarifverbund funktioniert, hat sich Johannes Müller in Trainee-Programmen bei der Hamburger Hochbahn vermitteln lassen. 1997 übernahm die SWEG schließlich auch Schienenleistungen außerhalb eigener Strecken. "In dieser Zeit bin ich in den Vorstand gekommen", so Müller.

Unter seiner Federführung war die SWEG beispielsweise die Erste, die flächendeckend behindertengerechte Buseinstiege einführte, die Fahrgäste mit WLAN versorgte sowie technische Innovationen zur Verfügung stellte. Ein weiterer großer Vorteil für die Kunden: mit einem Ticket in mehreren Bussen fahren. "Ich hatte wirklich Spaß daran, für solche Erleichterungen zu sorgen", betont Johannes Müller. Mit größtem Elan hat er in all den Jahren auch immer in den Kreis- und Gemeinderäten für seine Sache gekämpft. "Ich war in einem Unternehmen der Daseinsvorsorge auf der einen Seite unternehmerisch tätig, auf der anderen Seite leistete ich auf politischer Ebene Überzeugungsarbeit. Eine tolle Kombination, wie ich finde", sagt Johannes Müller. Er selbst war ebenfalls 13 Jahre lang in seiner Heimatgemeinde Schwanau kommunalpolitisch tätig. "Als ich damals aber Prokurist wurde, ließen sich Beruf und Ehrenamt nur noch sehr schwer unter einen Hut bringen. Ich hatte meine Pflicht gegenüber der Allgemeinheit erfüllt und habe Platz für andere gemacht", stellt er fest.

Am Dienstag wird Johannes Müller ein letztes Mal in sein Büro in der Rheinstraße gehen. "Da die persönliche Verabschiedung flach fällt, werde ich nur die Akten für meinen Nachfolger bereit legen", so der Vater von zwei Kindern. Um 12 Uhr wird er von seiner Frau abgeholt. "Ich habe dann ja auch keinen Dienstwagen mehr", stellt er schmunzelnd fest. Angst vor Langeweile im Ruhestand hat er nicht: Er liebt die Arbeit im Garten und auf den Streuobstwiesen, das Wandern und das Fahrradfahren. Daniela Santo

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