Agenda 2030: Neubauten ab 2024?
Ortenau Klinikum befindet sich mitten im Wandel

Die Stadt Offenburg informierte am Montag in einem Bürgerinformationsabend über die nächsten Schritte für den Neubau des Ortenau Klinikums von städtischer Seite.
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  • Die Stadt Offenburg informierte am Montag in einem Bürgerinformationsabend über die nächsten Schritte für den Neubau des Ortenau Klinikums von städtischer Seite.
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Offenburg (gro). "Es ist ein Prozess, der über ein Jahrzehnt läuft, mit dem wir verhindern wollen, dass wir keine Handlungsmöglichkeiten mehr haben und es zu unkontrollierten Klinikschließungen kommt", stellte Landrat Frank Scherer fest. Im Kreistag am Dienstag erhielten die Fraktionen einen Überblick über die Entwicklung des Ortenau Klinikums, sowohl für das Modell Landrat als auch die Agenda 2030. Ziel ist eine Verbesserung in der Qualität der Versorgung: "Und das geht nur durch das Personal, aber auch dadurch, dass wir konzentrieren", erläutert Scherer. Denn schließlich gebe es Vorgaben aus der Politik wie die Mindestfallzahlen, die nicht unterschritten werden dürften.

Bis 2030 dient das Modell Landrat als Vorgabe für die Patientenversorgung, ab 2030 wird es nach Umsetzung der Agenda 2030 noch vier Klinikstandorte – in Achern, Offenburg, Lahr und Wolfach – geben. Bis zu diesem Termin sollen Nachnutzungen für die anderen Klinikstandorte gefunden worden sein, die auch dazu dienen, die Notfallversorgung zu verbessern. "Darunter darf man sich aber keine stationäre Versorgung wie in einem Krankenhaus vorstellen", macht Scherer deutlich. "Es geht darum, schnelle ärztliche Hilfe zu bekommen. Die Rettungszeit ist entscheidend."

Was schon passiert ist

Der Standort Gengenbach wurde bereits aufgegeben, es wurde eine Behelfsrettungswache eingerichtet, die Suche nach Fachpraxen für ein medizinisches Versorgungszentrum läuft. Außerdem sollen Pflegeplätze eingerichtet sowie das Gesundheitsamt angesiedelt werden. In den Kliniken Kehl, Oberkirch und Ettenheim läuft die Neuordnung der Abteilungen nach dem Modell Landrat. So hat Kehl die Orthopädie aus Gengenbach übernommen, während die Frauenheilkunde nach Achern verlegt wurde. "Wir sind im Zeitplan", macht Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau Klinikums, deutlich.

Sowohl in Offenburg als auch Achern sollen neue Kliniken entstehen. Beide Neubauten sollen zeitgleich geplant und gebaut werden. Es gab eine Fördervoranfrage an das Land, der nächste Schritt ist die Einrichtung der Baukommissionen, der in dieser Kreistagssitzung erfolgte. Die Zeitschiene sieht so aus: Bis Ende des Jahres sollen die Grundlagen für den Planerwettbewerb erarbeitet werden. Die Stadt Offenburg startet zeitgleich mit dem Grunderwerb der Flächen im Holderstock sowie den Vorarbeiten für den noch zu schließenden städtebaulichen Vertrag.

Was die Stadt Offenburg tut

In einem Bürgerinformationsabend am Montag in der Reithalle wurde das weitere Vorgehen der Stadt erläutert. So konstituierte sich am Morgen ein Projektbegleitgremium mit jeweils zwei Vertretern der Ortsteile Bühl und Bohlsbach sowie dem Stadtteil Nordwest. Bürgermeister Oliver Martini stellte die nächsten Arbeitsschritte vor: Der Stadt gehören am ausgewählten Standort rund 15 Prozent der Grundstücke. Weitere Eigentümer sind die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), eine kirchliche Stiftung und rund 81 private Grundstückseigentümer.  Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats soll den Eigentümern nicht der Bodenrichtwert angeboten werden - dieser liegt bei 2,50 Euro pro Quadratmeter für Ackerland -, sondern die Flächen werden wie Bauerwartungsland behandelt. Dafür will die Stadt einen Quadratmeterpreis von 15 Euro aufrufen. Bis zum 31. März 2019 gibt es einen Zuschlag als Verkaufsanreiz. Für die benötigten Flächen werden dann 30 Euro pro Quadratmeter bezahlt. Gleichzeitig werden die städtebaulichen Grudlagen geschaffen, die der Stadt ein Vorkaufsrecht in diesem Gebiet garantieren.

Es soll ein detailliertes verkehrliches Konzept für das neue Klinikum geschaffen werden, wobei der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs eine große Rolle spielt. Wichtig sind der Stadt auch städtebauliche Vorgaben, die die Verteilung der Baukörper auf dem Grundstück betreffen, aber auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Ortschaften nicht einschränken sollen. Es wird nicht leicht werden, die Interessenten der drei beteiligten Akteure - der Stadt als Standortkommune, dem Ortenaukreis als Bauherr sowie dem Ortenau Klinikum als Betreiber - aufeinander abzustimmen und in Einklang zu bringen.

Was als nächstes kommt

Im zweiten Quartal 2020 soll der Wettbewerb ausgeschrieben werden, die Entscheidung soll im Kreis Ende 2020 fallen. 2021 beginnt die Planungsphase, die im vierten Quartal in das Stellen des Förderantrags sowie das Einreichen des Bauantrags münden soll. Ende 2022 wird die Förderentscheidung des Landes erwartet, dann beginnt die Werkplanungsphase. "Wir hoffen, dass wir Mitte 2024 mit dem Bau beginnen können", so Keller. Es wird mit einer Bauzeit von rund viereinhalb Jahren gerechnet. Ende 2030 sollen dann die beiden Neubauten voll in Betrieb sein.

Auch in Lahr wird es Sanierungsarbeiten geben. Ob allerdings eine große oder kleine Lösung dort umgesetzt wird, müssen erst noch die zuständigen Gremien entscheiden. Bisher wird nach ersten Berechnungen durch Fachplaner mit Gesamtkosten für den reinen Klinikum-Um- und Neubau von rund 720 Millionen Euro gerechnet. Wenn dann noch Parkhäuser und andere nicht klinische Nutzungen hinzukommen sowie ein Risikozuschlag für Unvorhergesehenes und die Fortführung des Baukostenindexes, könnten am Ende 1,3 Milliarden Euro stehen. Darüber, wer die Kosten trägt, muss noch entscheiden werden – das Ortenau Klinikum, der Kreis oder beide zusammen. Rund 50 Prozent der Gesamtkosten können in Form von Zuschüssen vom Land kommen.

Die Stadt Offenburg informierte am Montag in einem Bürgerinformationsabend über die nächsten Schritte für den Neubau des Ortenau Klinikums von städtischer Seite.
Die Kliniklandschaft in der Ortenau befindet sich im Wandel.
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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