Klimaschutzmanagerin der Stadt besucht Meiko
Ein Energiemix macht's

Kamen bei Meiko im neuen Besucherzentrum zusammen: Bernadette Kurte, Stadt Offenburg, (v. l.) und Dr. Thomas Peukert, Peter Bühler und Christoph Homburger
  • Kamen bei Meiko im neuen Besucherzentrum zusammen: Bernadette Kurte, Stadt Offenburg, (v. l.) und Dr. Thomas Peukert, Peter Bühler und Christoph Homburger
  • Foto: Meiko
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Offenburg (st). Im März nahm Hygienespezialist Meiko mit Sitz in Offenburg auf einer 8.000 Quadratmeter großen Dachfläche eine größere Photovoltaikanlage in Betrieb. Das war Anlass, sich nach einigen Monaten, mit der Klimaschutzmanagerin der Stadt Offenburg, Bernadette Kurte, über das Projekt und dessen Leistung vor Ort auszutauschen. Von Meiko waren Dr.-Ing. Thomas Peukert - alleiniger Geschäftsführer seit 1. Juli -, Christoph Homburger, Mitglied der Geschäftsführung und Leitung Produktion und Technik, und Peter Bühler, Leitung Facility Management, zugegen. Alle waren sich einig: Die Stadt kann Klimaneutralität nur erreichen, wenn Industrie, Gewerbe und viele andere mitziehen.

Heizung mittels Wärmepumpen

Schon der Ort der Begegnung war ein besonders nachhaltiger: Das neue Meiko-Gebäude in der Englerstraße in Offenburg wird mit Wärmepumpen beheizt, die mit Wasser aus einem Wasserschöpfbrunnen gespeist werden. Im Sommer wird das Gebäude mittels passiver Kühlung durch das kühle Brunnenwasser gekühlt. „Es ist aufwendig, die Technologien der verschiedenen Systeme zu betreuen“, sagte Facility-Manager Peter Bühler. Beim Neubau einer Produktionshalle im Jahr 2012 installierte man eine Solarthermie für das Brauchwasser und es war dort schon klar, dass Meiko auf dem Dach Photovoltaikmodule installieren wollte. Somit wurde die Statik des Gebäudes entsprechend eingeplant. „Wann ist der richtige Moment, um in neue maximal effiziente und betriebssichere Technologien zu investieren?“, fragte sich der damalige Geschäftsführer gemeinsam mit Christoph Homburger. Er und die Geschäftsführung wollten sichergehen und in zukunftsfähige Technik investieren, damit die knapp 1.400 Module nicht so schnell wieder getauscht werden müssen. Die Investition lag im mehrfach sechsstelligen Bereich und so wartete die Unternehmensführung bis 2019 ab.

Geschäftsführer Dr.-Ing. Thomas Peukert legte Wert darauf, den Blick auf das Ganze und die gesamte Ökobilanz nicht zu verlieren: „Wir wollen bis 2025 nach Möglichkeit CO2-neutral produzieren. Die Installation der PV-Anlage ist nur ein Teil der verschiedenen Maßnahmen, die wir getroffen haben. Darüber hinaus bietet Meiko Produkte mit niederen Verbräuchen, hoher Langlebigkeit und 90-prozentiger Recyclingfähigkeit an und setzt auf werterhaltenden Service.“ Der Blick auf das Ganze heißt für Peukert aber auch, dass sehr alte Hallen nicht mehr mit Photovoltaik bestückt würden. Dies geschehe erst dann, wenn energetisch sinnvolle Komplett-Sanierungen oder Neubauten anstünden.

Weitere Potentiale

Bernadette Kurte erwähnte weitere Möglichkeiten: „Zwischenzeitlich sind die Photovoltaik-Module nicht nur effizienter, sondern auch wesentlich leichter geworden und sie lassen sich sogar an Fassaden installieren“. Und sie sah verbesserte Chancen für ganz Deutschland und Europa, eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einzunehmen.
Die Initiative des Global Foodprint Network rief den „Weltüberlastungstag“ in diesem Jahr schon am 29. Juli aus. Alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen waren zu diesem Stichtag verbraucht, unsere Reserven in Deutschland bereits am 5. Mai 2021. Die Menschheit lebt „auf Pump“.

Bernadette Kurte hat den Auftrag, das Klimaschutzkonzept für die Stadt Offenburg zusammen mit Stadträten und Verwaltungsmitarbeitern weiterzuentwickeln und freut sich über jedwede Initiative von Unternehmen. So sagt Kurte: „Jede Photovoltaik-Anlage die aufgeschlagen wird, bringt uns weiter. Sonnenenergie ist die wichtigste Energie im Offenburger Gemeindegebiet. Die Wasserkraft ist nahezu ausgeschöpft, wenn man an die Standorte der Wasserkraftwerke großer Deich und Mühlbach denkt.“ Kurte sagte, dass Unternehmen wie Meiko echte Leuchttürme sind. „Die Größe der Anlage von Meiko ist entspricht in etwa dem Potenzial eines Stadtviertels. In Offenburg sind noch viele Gewerbedächer frei, die dazu beitragen könnten, sauberen Strom zu erzeugen.“ Peter Bühler freute sich über die Leistung der Anlage: „Die Anlage mit 465 Kilowatt Peak deckt zehn Prozent unseres Strombedarfes. Für die anderen 90 Prozent beziehen wir Ökostrom.“

Umdenken ist gefordert

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass wir uns in Bezug auf Energieversorgung weiter umorientieren müssen. Laut Kurte könne sich die Gesellschaft eine ablehnende Haltung zur Windkraft auf Dauer nicht leisten. „Windkraft heißt ja nicht, dass der ganze Schwarzwald zugepflastert werden soll, aber der eine oder andere Hügel wäre denkbar“, sagte Bernadette Kurte. Und auch das Thema Wasserstoff könne ihrer Ansicht nach, ein Schlüssel im künftigen Energiesystem sein.

Der Mix im energetischen Konzept ist für Meiko wichtig. Nicht nur die Photovoltaikanlage ist ein Beitrag für eine sauberere Energiebilanz, sondern auch das Thema Beleuchtung. Dr.-Ing. Thomas Peukert fand das ein gutes Beispiel für einen Technologiesprung: „Die ersten LED-Lampen hatten wesentlich früher an Leuchtkraft verloren, heute können sie bis zu 50.000 Stunden den Raum erhellen, sofern sie gemäß Herstellerangaben betrieben werden“. Christoph Homburger ergänzte: „Mittlerweile haben wir einen großen Anteil an Leuchtmittel auf LED umgerüstet. Die Mitarbeiter haben wir bei der Umstellung miteinbezogen. Gerade bei der Lichtfarbe und Lichtstärke war das wichtig.“

In den Produktionshallen mit den Sheddächern, hat Meiko generell einen hohen Anteil an natürlichem Licht. Dieses Tageslichtniveau soll mit den LED-Leuchten erhalten bleiben - gerade in Bereichen, in denen Sensibilität und Präzision gefordert sind, wie in der Oberflächenbewertung. Hier muss jeder Kratzer und jede Delle erkannt werden. Technisch ist das raffiniert gelöst, wusste Peter Bühler: „Damit die Lichtstärke konstant bleibt, haben wir eine tageslichtnachgeführte Steuerung im Einsatz, die den Ist-Sollwert turnusmäßig abprüft und dann entsprechend regelt. Für die Mitarbeiter ist diese automatische Regelung sehr angenehm und ganz im Sinne des Arbeitsschutzes. Dazu sparen wir enorme Energiekosten ein.“
Die Verantwortlichen bei Meiko wie bei der Stadt waren sich im Klaren, dass noch viel Arbeit und Investitionen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele notwendig seien, wollen aber ihren Beitrag dazu leisten, den Planeten Erde für kommende Generationen zu erhalten.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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