Correctiv Faktencheck
Nein, Jens Spahn hat nicht gesagt, Rente mit 70 Jahren sei „doch genug“

Eine angebliche Aussage von Jens Spahn verbreitet sich auf Facebook. Demnach habe er sinngemäß gesagt, ein Renteneintritt im Alter von 70 Jahren sei völlig ausreichend. Doch das Zitat ist erfunden.

Ein bearbeitetes Bild von Gesundheitsminister Jens Spahn verbreitet sich tausendfach auf Facebook. Darauf ist der Satz zu lesen: „Mit 70 Jahren haben die Leute noch gute Chancen, 10 Jahre Rente zu erhalten, das ist doch genug“. Das habe der Minister gesagt, wird behauptet. Doch das stimmt nach Recherchen von CORRECTIV nicht.

Wir haben bei der Pressestelle des Bundesgesundheitsministeriums nachgefragt, ob Jens Spahn diesen Satz je gesagt hat. Eine Sprecherin schrieb uns: „Minister Spahn hat sich in dieser Form nicht geäußert.“

Wir fanden das Zitat zudem weder durch eine Google-Recherche noch bei einer Suche in der Pressedatenbank Genios. Jens Spahn hat sich in der Vergangenheit zwar schon öfter zum Renteneintrittsalter geäußert, doch der Satz stammt nicht von ihm. Es existieren Medienberichte von 2018 oder 2019, laut denen der Minister ein höheres Renteneintrittsalter forderte – doch er sprach nicht von 70 Jahren.

In einem Interview mit der Bild-Zeitung sagte Spahn 2019 zum Beispiel: „Ich hab immer schon gesagt, dass wenn wir länger leben werden, wir auch länger arbeiten werden müssen.“ Zudem berichteten 2018 mehrere Medien, Spahn habe bei der Vorstellung der Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz gesagt: „Mit der steigenden Lebenserwartung muss auch das Renteneintrittsalter ab 2030 weiter steigen.“ Eine exakte Altersgrenze nannte er dabei offenbar nicht.

Der deutsche Bundestag hat am 2. Juli 2020 die Grundrente beschlossen. Die Koalitionspartner SPD und die CDU, in der Spahn Mitglied ist, stimmten für das Gesetz. Dagegen stimmten AfD und FDP; die Linken und Grünen enthielten sich.

Durch das neue Gesetz hat sich aber am Alter für den Renteneintritt nichts verändert. Derzeit ist geregelt, dass das Renteneintrittsalter (Regelaltersgrenze) schrittweise auf 67 Jahre ansteigen soll. Für alle, die vor 1947 geboren sind, bleibt es bei dem regulären Renteneintritt mit 65 Jahren. Für alle nach 1963 geborenen Menschen gilt die Grenze von 67 Jahren. Der Jahrgang 1964 wird also 2031 in Rente gehen.

Fakten für die Demokratie
Durch eine Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), dem rund 200 Verlage mit einer wöchentlichen Auflage von ca. 60 Mio. Zeitungen angehören, erscheint in den Anzeigenblättern regelmäßig ein Faktencheck des unabhängigen und gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV. Die vielfach ausgezeichnete Redaktion deckt systematische Missstände auf und überprüft irreführende Behauptungen. Wie Falschmeldungen unsere Wahrnehmung beeinflussen und wie Sie sich vor gezielten Falschnachrichten schützen können, erfahren Sie unter correctiv.org/faktencheck

Autor:

Isabel Obleser aus Gengenbach

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