Taubergießen gehört zu größten Naturschutzgebieten im Land
Zuhause für seltene Tiere und Pflanzen

Das Taubergießen hat viele idyllische Plätze zu bieten.
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Kappel-Grafenhausen/Rust (krö). Es gibt sie noch, Wildkatze, Eisvogel, Pirol, Graureiher und Kormoran, Grasfrosch und Gelbbauchunke, Ringelnatter und Prachtlibelle; Altrheinarme mit kristallklaren, von Quellen gespeisten Gießen; mächtige Bäume mit Lianengirlanden, alte, hölzerne Fischerkähne, unter Weidengalerien; wunderschöne Auewälder mit großen Orchideenwiesen. Einen richtigen Dschungel, nicht im weit entfernten Amazonas, sondern am Oberrhein, im Naturschutzgebiet Taubergießen. Dieses einzigartige Kleinod ist ein Teil der winzigen, nach dem Rheinausbau verbliebenen, naturnahen Restaue. Er ist so wertvoll, weil er das letzte Teilstück am Rhein war, in dem nahezu der gesamte Auewald noch oberirdisch von Hochwasser erreicht, überflutet und verändert werden konnte. 1955 wurde es unter Landschaftsschutz und 1979 unter Naturschutz gestellt. Mit 1.697 Hektar ist es eines der größten Schutzgebiete in Baden-Württemberg. Es hat eine Nord-Südausdehnung von mehr als zwölf Kilometer. Die größte Breite beträgt etwa 2,5 Kilometer.

Wald und Grünland

Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei unterschiedlichen Landschaftstypen: Etwa 60 Prozent des Areals sind mit Wald bestückt, der Rest wird landwirtschaftlich als Grünland genutzt. Die weitläufige Landschaft ist von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Auf der Rheinseite hinter dem Hochwasserdamm liegt der Überflutungsbereich des Rheins mit seinen Altwassern und den urwaldähnlichen Auenwäldern aus Eichen, Ulmen, Silberweiden und Silberpappeln und östlich davon eine liebliche Wiesen-, Hecken- und Wasserlandschaft, deren Flussläufe jedoch keine Verbindung mehr zum Rhein haben, was diesem gesamten Gebiet auch den Namen gegeben hat: "Tauber Gießen". "Gießen" sind von Grundwasser gespeiste Fließgewässer, die für das Schutzgebiet charakteristisch sind. Mit den Altarmen des Rheins und der überfluteten Innenrheinmündung bilden sie einen vielfältigen, vom Wasser geprägten Lebensraum, der zahlreiche gefährdete Arten beheimatet.

Tiere und Pflanzen

Die Verlandungszonen und schwer zugänglichen Auwälder sind von überregionaler Bedeutung, vor allem für rastende und überwinternde Wasser- und Watvögel. Auf den eher trockenen Bereichen der Hochwasserdämme finden sich Magerrasen mit den dafür charakteristischen Tier- und Pflanzengesellschaften. So bieten die Auen gerade für zahlreiche Amphibien hervorragende Lebensbedingungen. Von den 20 in Deutschland vorkommenden Arten konnten in besagtem Gebiet zehn nachgewiesen werden. Unter anderem die Gelbbauchunke, die Knoblauchkröte und zahlreiche Froscharten wie der Gras- Laub- oder Springfrosch. Von den in Deutschland mit etwa 3.700 Arten vertretenen Schmetterlinge sind allein über 400 im Taubergießen anzutreffen. Neben vielen anderen Admiral, Aurorafalter, Bläuling, Schillerfalter und Kleiner Fuchs. Auch Vertreter der Vogelwelt sind nachweisbar überaus zahlreich vertreten. Man geht davon aus, dass im Schutzgebiet weit über 200 Arten vorkommen; davon zählen über 50 zu den gefährdeten Arten. Nach der Rheinregulierung, der damit verbundenen Schlingenlösung und durch die errichtete Staustufe Gerstheim kam es zu einem Rückstau von Wasser flussaufwärts ab Kappel. Dabei entstand südlich eine seenartige Landschaft, die für viele Vögel als Überwinterungsgebiet genutzt wird. Auch manche Reptilien wie die Ringelnatter oder verschiedene Eidechsenarten haben im Taubergießen eine Heimat gefunden. Noch wesentlich zahlreicher vertreten sind Käferarten, von denen etwa 1.000 gezählt wurden, unter anderem auch Arten, die sonst nur in Südeuropa vorkommen. Einige besonders markante und bekannte Käfer sind: Hirschkäfer, Rosenkäfer, Nashornkäfer, Ölkäfer und Erdbock.

Wanderwege

Das Taubergießen kann auf zahlreichen markierten Wanderwegen besichtigt werden, an den Wanderparkplätzen sind diese auf Informationstafeln ausführlich beschrieben. Besonders beliebt sind auch Bootsfahrten. Diese sind allerdings nur auf einer von 8 bis 20 Uhr freigegebenen Strecke von etwa 15 Kilometern Länge möglich. Der Großteil der Gewässer ist jedoch ganzjährig für Wasserfahrzeuge jeder Art gesperrt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, das Gebiet in traditionellen Fischerbooten unter fachkundiger Führung zu entdecken.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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