Erster Patient in Baden-Württemberg gemeldet
Affenpocken in der Ortenau

Eine Elektronenmikroskopaufnahme des Affenpockenvirus
  • Eine Elektronenmikroskopaufnahme des Affenpockenvirus
  • Foto: Andrea Männel, Andrea Schnartendorff RKI
  • hochgeladen von Christina Großheim

Ortenau/Stuttgart (st). Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg meldet den ersten offiziellen Fall einer Affenpockenvirus-Infektion. Der Patient kommt aus dem Ortenaukreis, er ist ein Reiserückkehrer aus Spanien und wird am Universitätskrankenhaus in Freiburg behandelt.

Laut Pressemitteilung wird der Patient seit Sonntag, 22. Mai, mit einer Infektion von Affenpocken im Universitätsklinikum Freiburg stationär versorgt. Er befinde sich in Isolation. Der Patient, ein Reiserückkehrer aus Spanien, habe Fieber, Husten und weise die typischen Hautveränderungen auf. Sein Zustand sei stabil. Die Diagnose sei aufgrund der Symptome des Patienten und einer PCR-Analyse gestellt worden. Formal müsse sie noch durch eine Genom-Sequenzierung bestätigt werden. Diese laufe derzeit im Institut für Virologie des Universitätsklinikum Freiburg. Das Ergebnis werde in den kommenden Tagen vorliegen. Erst dann könne festgestellt werden, ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Virusstamm handele. Das Gesundheitsamt Ortenaukreis untersuche in diesem Zusammenhang einen weiteren Verdachtsfall und führe derzeit die Kontaktpersonennachverfolgung im Umfeld der Betroffenen durch und werde gegebenenfalls Quarantäneanordnungen aussprechen. 

Allgemeines Infektionsrisiko

„Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Baden-Württemberg wird vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg derzeit als gering eingeschätzt“, sagte Sozial- und Gesundheitsminister Manne Lucha am Montag, 23. Mai, in Stuttgart. „Dennoch dürfen wir das Affenpockenvirus nicht unterschätzen. Wir verfolgen die Situation im Land deshalb weiter sehr aufmerksam. Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg wurden bereits informiert und sind entsprechend sensibilisiert.“

Das Landesgesundheitsamt, Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz, sei in engem Fachaustausch mit den anderen Behandlungs-und Kompetenzzentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) und dem Robert-Koch-Institut (RKI). Der Bund habe angekündigt, mit dem RKI aktuelle Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne zu erarbeiten.

Hintergrundinformationen

Anfang Mai 2022 sei in Großbritannien ein Fall von Affenpocken diagnostiziert worden, der nach einer Reise nach Nigeria aufgetreten war. Seither seien in Großbritannien weitere Fälle von Affenpocken bei Personen ohne vorherige Reisen und ohne Kontakt zu bekannten reiseassoziierten Fällen diagnostiziert worden. Inzwischen handele sich um ein Geschehen mit internationaler Verbreitung mit mehr als 130 bestätigten und Verdachtsfällen in mehreren Ländern. Aktuell scheinen die Risikoexpositionen vorwiegend sexuelle Kontakte unter Männern zu sein. Expositionsorte der in Deutschland bislang bekannt gewordenen Fälle seien Party-Veranstaltungen, unter anderem auf Gran Canaria (Spanien) und in Berlin gewesen, bei denen es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten sei in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen.

Affenpockenvirus

Affenpocken sind laut Gesundheitsministerium eine seltene, von Tieren, vermutlich vor allem Nagetieren, auf Menschen übertragbare Viruserkrankung. Übertragungen von Mensch zu Mensch seien selten, aber möglich, vor allem bei sehr engem Kontakt. Affenpockenviren seien in West- und Zentralafrika bei Nagetieren verbreitet.

Menschen könnten sich vor allem durch Kontakt mit den Hauteffloreszenzen, Blut, Gewebe oder Ausscheidungen infizierter Tiere - in erster Linie verschiedener Nagetiere - und beim Umgang mit dem Fleisch erkrankter Tiere infizieren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei selten und nur bei sehr engem Kontakt möglich, könne aber durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf der Affenpocken-Infizierten auftreten, auch im Rahmen von sexuellen Handlungen. Eine Übertragung bereits in der Prodromalphase sei bei Face-to-Face-Kontakt durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich.

Die Inkubationszeit für Affenpocken betrage zwischen sieben und 21 Tagen. Erste Symptome der Krankheit seien Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Es könne großflächiger Hautausschlag dazukommen. Symptomatisch ähnele eine Affenpocken-Infektion anderen weit verbreiteten Infektionen etwa mit dem Herpes-simplex-Virus oder dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger von Windpocken und Gürtelrose.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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