Medizinische Ersthelfer gesucht
Ortenau wird „Region der Lebensretter“

Freuen sich über den Start der Lebensretter-App "FirstAED" im Ortenaukreis (v. l.): Jürgen Mohrbacher, Mitinitiator der App vom Gesundheitsamt im Landratsamt, Joachim Hurst, DRK-Geschäftsführer Kreisverband Lahr, Manfred Lenz, DRK-Geschäftsführer Kreisverband Kehl, Urs Kramer, Amtsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, Landrat Frank Scherer, Chefarzt Professor Dr. Philipp Diehl, Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller und Dr. Peter Kraemer, Medizinischer Direktor des Ortenau Klinikums
  • Freuen sich über den Start der Lebensretter-App "FirstAED" im Ortenaukreis (v. l.): Jürgen Mohrbacher, Mitinitiator der App vom Gesundheitsamt im Landratsamt, Joachim Hurst, DRK-Geschäftsführer Kreisverband Lahr, Manfred Lenz, DRK-Geschäftsführer Kreisverband Kehl, Urs Kramer, Amtsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt, Landrat Frank Scherer, Chefarzt Professor Dr. Philipp Diehl, Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller und Dr. Peter Kraemer, Medizinischer Direktor des Ortenau Klinikums
  • Foto: Ortenau Klinikum
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Ortenau (st). Rund 50.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzstillstand und müssen wiederbelebt werden. Rund 100 Notrufe gehen allein in der Ortenau jährlich bei der Integrierten Leitstelle (ILS) nach einem Verdacht auf Herzstillstand ein und führen zu einer Alarmierung des Rettungsdienstes. Bleibt das Herz stehen, werden der Körper und vor allem das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Schnelle Hilfe ist dann extrem wichtig. Wird nicht innerhalb von drei bis fünf Minuten mit der Wiederbelebung begonnen, sind die Chancen auf ein Überleben der Betroffenen ausgesprochen gering, wissen Notfallmediziner aus Erfahrung.

Ziel: Netz an freiwilligen Helfern

Um die medizinische Versorgung von Menschen mit Herzkreislaufstillstand in der Ortenau weiter zu verbessern und die schnellstmögliche Hilfe sicherzustellen, wollen der Ortenaukreis und das Ortenau Klinikum ein Netz an freiwilligen Ersthelfern aufbauen. Dabei setzt der Ortenaukreis, zusammen mit den DRK-Kreisverbänden Offenburg, Lahr, Kehl und Wolfach, auf die bereits bundesweit eingesetzte Lebensretter-App von "FirstAED/Region der Lebensretter e.V." Diese wurde bereits in der ILS Ortenau in Betrieb genommen. Dadurch ist es den dortigen Leitstellendisponenten möglich, freiwillige, qualifizierte Ersthelfer in der Nähe eines Notfallortes über das private Smartphone zu lokalisieren und gezielt dorthin zu navigieren. Die Ersthelfer werden nur bei einem möglichen Kreislaufstillstand zusätzlich zum Regelrettungsdienst durch die ILS Ortenau alarmiert. So kann bei Betroffenen möglichst schnell eine Wiederbelebung beginnen, ihre Überlebenschancen steigen dadurch erheblich.

Das Smartphone-App basierte System "FirstAED" aus Dänemark wurde von 2018 bis 2020 im Rahmen eines Pilotprojektes in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald etabliert, an die rettungsdienstliche Struktur in Baden-Württemberg angepasst und weiterentwickelt. Im Freiburger System sind mittlerweile 1.100 Ersthelfer registriert, damit treffen die Ersthelfer im Mittel nach weniger als fünf Minuten am Notfallort ein. Das vom Verein Region der Lebensretter mit Sitz in Freiburg etablierte System wurde bereits in fünf Landkreisen im schwäbischen Raum übernommen, weitere Landkreise möchten sich dem System anschließen. Die im März veröffentlichten internationalen Leitlinien für die Wiederbelebung empfehlen den flächendeckenden Ausbau von App-Systemen für Ersthelferalarmierung. Der Verein möchte nun das Ersthelfernetzwerk zu einem landesweiten System ausbauen.

App hilft, Bedürftige schneller zu erreichen

"Ich freue mich, dass wir mit diesem zukunftsweisenden Projekt die Versorgung von Patienten mit Herzkreislaufstillstand in der Ortenau deutlich werden verbessern können", betont Landrat Frank Scherer, der das Projekt Region der Lebensretter auch schon in der Vergangenheit nachhaltig unterstützt hat. Das Projekt lebe ganz wesentlich von der Beteiligung freiwilliger Ersthelfer. „Ich hoffe, dass sich viele ehrenamtliche Retter beteiligen und danke schon jetzt für ihr Engagement. Im Notfall zählt jede Sekunde. Die Smartphone-App kann im Ortenaukreis einen wichtigen Beitrag leisten, hilfsbedürftige Personen noch schneller zu erreichen“, so der Landrat.

Auch Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller begrüßt das Projekt: „Was sich bereits in städtischen Strukturen bewährt hat, kann gerade auch im ländlichen Bereich der Ortenau nachhaltig die Patientenversorgung verbessern und die Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und unseren Kliniken optimieren." Er sei zuversichtlich, dass aus dem Ortenau Klinikum als größter Arbeitgeber der Gesundheitsbranche der Region zahlreiche Beschäftigte an dem Projekt teilnehmen werden.

Voraussetzungen für Ersthelfer

Gesucht werden freiwillige Ersthelfer, die als Mitarbeiter von Kliniken, medizinischen Einrichtungen und von Hilfsorganisationen Erfahrung und Kenntnisse in der Reanimation besitzen und regelmäßig an Reanimationsfortbildungen teilnehmen.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und weiteren medizinischen Einrichtungen in der Ortenau können sich über das Deutsche Rote Kreuz per Mail als freiwillige Ersthelfer melden. Beschäftigte des Ortenau Klinikums werden gebeten, sich an Professor Dr. Philipp Diehl, Chefarzt des Departments Kardiologie, Pneumologie, Angiologie, Akutgeriatrie (OG) & Intensivmedizin, Mail, zu wenden.

2020 musste das System kurzfristig aufgrund der Pandemie pausieren. Der Verein Region der Lebensretter e.V. hat ein Corona-Konzept entwickelt, das in Freiburg sehr erfolgreich evaluiert wurde: Jeder Ersthelfer soll eine Tasche mit Schutzausrüstung erhalten, die einen sicheren Einsatz der ehrenamtlichen Helfer gewährleistet. Für die Beschaffung der Ersthelferausrüstung benötigt der Verein noch finanzielle Unterstützung.

Ablauf der Alarmierung über "FirstAED":

  1. Eingehender Notruf über die Notrufnummer 112 auf der Integrierten Leitstelle. Der eingehende Notruf verstärkt den Verdacht auf einen Kreislaufstillstand.
  2. Alarmierung von Rettungskräften - parallel zur regulären Alarmierung von Rettungswagen und Notarzt: Lokalisierung und Alarmierung der nächstgelegenen registrierten Ersthelfer über ihr Smartphone.
  3. Einsatzbestätigung der Ersthelfer. Einsatz-Bestätigung der alarmierten Ersthelfer über ihr Smartphone. Auswahl der vier am schnellsten verfügbaren Ersthelfer, die per App zum Notfallort bzw. zum nächstgelegenen Defibrillator navigiert werden.
  4. Rollenzuteilung der Ersthelfer. Helfer 1 führt am Patienten die Herzdruckmassage durch, Helfer 2 löst Helfer 1 bei der Herzdruckmassage ab, Helfer 3 bringt den nächstgelegenen Defibrillator zum Patienten, Helfer 4 macht den Einsatzort für den Rettungsdienst zugänglich.
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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