Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" lässt die Erzeuger um die Existenz bangen
Schutz der Artenvielfalt oder Ende der Landwirtschaft?

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" erhitzt die Gemüter im Land.
  • Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" erhitzt die Gemüter im Land.
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Ortenau (gro). Für die einen geht es darum, die Artenvielfalt zu erhalten, die anderen sehen schlicht ihre berufliche Existenz bedroht: Am Volksbegehren "Rettet die Bienen", das am Dienstag, 24. September, in ganz Baden-Württemberg startet, scheiden sich die Geister.
"Für den Schutz der biologischen Vielfalt von Bienen, Insekten insgesamt und damit auch allen Arten, die sich davon ernähren wie Vögel, brauchen wir spezielle Schutzgebiete, die tatsächlich unbelastet sind", sagt Petra Rumpel, Geschäftsführerin Umweltzentrum Ortenau vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Offenburg, einem der Unterstützer des Volksbegehrens. Sie macht sich stark für unbelastete Flächen und eine Reduktion der ausgebrachten Pestizidmenge. "Dass auf biologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland eine deutlich höhere Artenvielfalt anzutreffen ist, hat etwa das Thünen-Institut 2009 nachgewiesen", so Rumpel. Deshalb sei es wichtig, dass diese Art der Bewirtschaftung einen größeren Flächenanteil einnehme.

"Landwirte massiv betroffen"

"Alle Landwirte sind durch die Forderungen in ihrer Existenz massiv betroffen", macht Franz Benz, Vizepräsident des Badischen Weinbauverbandes und selbst Winzer und Obstbauer, deutlich. Das Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten betreffe auch die Erzeuger, die bereits Ökolandbau betrieben. "Denn darunter fallen auch die dort eingesetzten Biozide", erklärt Benz und ergänzt: "Aber auch die Schnakenbekämpfung hätte sich dann entlang des Rheins erledigt."
Unklar sei ebenfalls, für welche Schutzgebiete dieses strenge Verbot dann gelte. "Auch die Forderung bis 2035 50 Prozent der landwirtschaften Flächen auf Ökolandbau umzustellen, halte ich für unrealistisch. Zum einen fehlt der Absatzmarkt. Durch die Handarbeit, die dann nötig wäre, würden die Produkte für die Verbraucher teurer werden." Benz glaubt, dass diese dann auf billigere Produkte aus dem Ausland zurückgreifen werden. "Zum anderen würde diese Reduktionsstrategie viel zu schnell gehen. Ich finde, dass so etwas wissenschaftlich begleitet werden sollte und das braucht Zeit."

Preisdruck

Der internationale Preisdruck würde schon jetzt die heimische Landwirtschaft in ihrer Existenz bedrohen, argumentiert Petra Rumpel. Sie glaubt, dass die Verbraucher durchaus bereit wären, für ökologisch erzeugte Lebensmittel mehr zu bezahlen: "Der Bioanbau zeigt, dass sich auch mit mechanischen Methoden und Mitteln, die nicht so schädlich in die Natur eingreifen, ein erfolgreicher Anbau betreiben lässt. Leider spielen diese Methoden bisher in der Ausbildung der Landwirte kaum eine Rolle." Der geplante Übergangszeitraum könne dazu genutzt werden, das Wissen und die Erfahrungen aus den verschiedenen Anbaumethoden auszutauschen und weiterzugeben und auch neue Sorten auszuprobieren.
Wie wenig solche Maximalforderungen aus seiner Sicht in der Realität bringen, macht Franz Benz anhand der Streuobstwiesen in Bayern deutlich. Diese Art des Obstbaus sei aus wirtschaftlicher Sicht unrentabel und würde derzeit noch durch Zuschüsse des Landes rentabler gemacht. "Diese Zuschüsse würden wegfallen, wenn der Schutz der Flächen als Gesetz festgeschrieben würde", so Benz. In Bayern, wo genau das passiert sei, seien solche Flächen gerodet worden. "Wir wollen gerne mehr tun", appelliert der Winzer an die Bürger. "Aber man muss uns auch noch leben lassen."

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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