Stoffvermittlung in der Coronakrise
Unterricht im digitalen Klassenraum

Das Schiller-Gymnasium bereitet wie alle anderen Schulen auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vor.
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Ortenau (mak). Seit einer Woche genießen wir die ersten Lockerungen, da einige Geschäfte jetzt wieder geöffnet haben. Ein Stück Normalität ist wieder eingekehrt. Ab dem 4. Mai dürfen dann auch wieder die Schüler der Abschlussklassen zur Schule gehen. Doch wie sieht ihr Schulalltag momentan aus, wenn es noch keinen Präsenzunterricht gibt?

"Die Schüler bekommen Aufgaben über einen Messenger-Dienst und schicken diese nach der Erledigung auf demselben Weg wieder zurück", erklärt Manfred Keller, Schulleiter des Schiller-Gymnasiums in Offenburg. An der Realschule und Werkrealschule in Friesenheim werden zudem "Unterrichtsinhalte über Lernvideos und Cloud-Anwendungen vertieft", sagt Schulleitern Angelika Philipzen. In Willstätt würden an der Moscherosch Gemeinschaftsschule neben der Arbeit mit digitalen Medien auch Videokonferenzen zu festen Zeitpunkten und vorgegebenen Themen angeboten, erklärt Schulleiter Bertram Walter.

Nicht jeder hat die nötige Hardware

"Wir arbeiten mit einem System, mit dem sich sehr gut kommunizieren lässt und bei dem Videoanrufe und Mitteilungen möglich sind. Die Lehrer können dort Aufgaben einstellen und die Schüler können diese innerhalb des Systems lösen und bekommen Feedback der Lehrer", erklärt Stefan Weih, Schulleiter des Gymnasiums Achern. Weih macht aber in diesem Zusammenhang auch auf ein Problem aufmerksam. "Einigen Schülern fehlt die nötige Hardware zu Hause. Das ist zwar eine Minderheit, aber auch hierbei zeigt sich die soziale Ungleichheit, die durch den Fernunterricht nicht verringert wird." Das Gymnasium Achern stellte den betroffenen Schülern insgesamt 70 gebrauchte Laptops der Schule für den Heimunterricht zur Verfügung. „Die gingen weg wie warme Semmeln“, erzählt Weih.

Unterrichtet werden die Schüler der Abschlussjahrgänge vor allem in den Prüfungsfächern. "Es gibt aber auch kleinere Aufgaben in den Fächern, die nicht schriftlich geprüft werden. In den kommenden Wochen liegt der Schwerpunkt nur noch auf den Prüfungsfächern", erläutert Walter. Schüler, die in diesem Jahr nicht vor ihrem Abschluss stehen, würden teilweise auch mit Material aus den sogenannten Nebenfächern versorgt. "Für die Klassenstufen, die auf noch unbestimmte Zeit keinen Präsenzunterricht haben werden, wird es zunehmend wichtig, den persönlichen Face-to-Face-Kontakt zur Lehrkraft noch mehr zu intensivieren. Die Kinder brauchen den Direktkontakt, den keine digitale Lernform ersetzen kann", sagt Philipzen. Ähnlich sieht das ihr Kollege Walter: „Je älter die Schüler sind, desto höher ist der Anteil des digitalen Lernens und des multimedialen Kommunizierens." Ein Altersgefälle beobachtete auch Stefan Weih in Achern. "Jüngere Schüler haben größere Schwierigkeiten den Tag zu strukturieren."

Zusätzliche Hilfsangebote für Abschlussjahrgänge

Für die Schüler der Abschlussjahrgänge gibt es verschiedene zusätzliche Hilfsangebote. "Die Lehrer bieten für Abiturienten einmal in der Woche einen Videochat an", so Weih. Zudem habe die Schule zwei Hotlines eingerichtet, sollten die Schüler einmal Schwierigkeiten haben – einmal zum Schulsozialarbeiter und Vertrauenslehrer sowie zu einem Softwareexperten bei technischen Problemen.

An der Moscherosch Gemeinschaftsschule in Willstätt sind "als zusätzliche Hilfestellung Einzeltelefonate und -videokonferenzen möglich. Ebenfalls wurde den Schülern das Angebot der 'coronaschool' vermittelt, ein Onlineangebot von Studenten", so Walter. Über ein Videotool ist man auch am Schiller-Gymnasium mit den Abschlussjahrgängen verbunden. "Zudem haben die Schüler die Möglichkeit, auf Wunsch am Nachtermin an Stelle des eigentlichen Haupttermins an der Prüfung teilzunehmen", erklärt Schulleiter Keller.

Wie wird der Schulbetrieb laufen?

Einig ist man sich an den Schulen, dass die teilweise Wiederaufnahme des Schulbetriebes grundsätzlich richtig sei, aber die Schulleiter machen sich auch Gedanken, wie dies umgesetzt werden kann. "Die Lockerung macht Sinn, aber die Frage, welche Schüler zuerst wiederkommen sollen, ist schwierig. Einerseits fällt es den größeren Schülern leichter, sich an die Abstandsregeln zu halten, andererseits bräuchten gerade die Jüngeren die reguläre Beschulung am dringendsten, auch um die Eltern zu entlasten, aber bei ihnen ist die Einhaltung der Abstandsregeln am schwierigsten möglich", so Stefan Weih. Er könne die Entscheidung aber gut nachvollziehen: "Eine Ideallösung für alle kann es in dieser Situation nicht geben."
In Friesenheim sieht man vor allem die Anforderungen, die auf die Schule zukommen. Zwar sei die Entscheidung sinnvoll, mit den Abschlussklassen zu starten, damit diese ihre Prüfungen schreiben könnten. "Allein die Klassenstufen 9 und 10 bedeutet bei uns in der Schule einen Wiedereinstieg von elf Klassen oder 240 Schülern. Es ist eine große Herausforderung, die Hygienebestimmungen für diese Schülerzahl umzusetzen", so Schulleiterin Philipzen.

Für Bertram Walter aus Willstätt ist der Wiedereinstieg wichtig und bietet zumindest in Ansätzen eine Perspektive. "Auf Grund der strengen Abstands- und Hygienevorgaben und der Tatsache, dass viele Lehrer gar nicht einsetzbar sind, ist alles andere als ein vorsichtiger, stufenweiser Einstieg nicht umsetzbar." Bis zum 29. April, wenn die Vorgaben der Landesregierung zum schrittweisen Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht vorliegen sollen, wollen die Schulleiter aber nicht warten. Sie treffen bereits Vorbereitungen. Am Schiller-Gymnasium werden alle Räume mit Seife und Desinfektionsmittel ausgestattet. "Darüber hinaus wird der Zeitplan so entzerrt, dass die beiden Jahrgangsstufen nicht gleichzeitig Pause haben", erklärt Manfred Keller.

In Friesenheim und Willstätt werden neue Stunden- und Raumpläne erstellt. In Achern denkt man über ein Einbahnstraßensystem im Schulgebäude nach. "Wie überlegen, ob Schüler und Lehrer einen Mundschutz mitbringen sollen oder ob der ausgegeben wird. Der Gesundheitsschutz steht ganz oben. Wir sind gerade mittendrin", so Weih abschließend.

Das Schiller-Gymnasium bereitet wie alle anderen Schulen auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vor.
In einigen Klassenräumen in der Ortenau kehrt ab dem 4. Mai wieder Leben ein.
Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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