Fußnote, die Glosse im Guller
Bollenhut statt Ballermann

Schüler demonstrieren für ihn, Politiker reden viel darüber und haben sogar schon Ideen, was sie konkret für mehr Klimaschutz tun könnten. Die meisten Vorschläge beinhalten Steuern oder Sonderabgaben. So zog dieser Tage ein Nachrichtenmoderator im Radio das düstere Fazit: "Der Klimaschutz wird die Bürger Geld kosten." Als Beispiel zitierte er die konkrete Forderung der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die das Fliegen verteuern möchte.

Höhere Flugpreise

Der Gedanke scheint plausibel: Wenn die Flugpreise steigen, heben weniger Menschen ab. Einfach weil sie es sich nicht mehr leisten wollen oder können. Mit diesem Argument wurden beispielsweise auch die Zigarettenpreise in die Höhe getrieben. Über die Tatsache, dass trotzdem viele rauchen, ist die Regierung zwar offiziell traurig, kann sich aber gleichzeitig freuen. Immerhin verdient der Staat ordentlich an dem Laster. Das Schöne an diesen Zusatzeinnahmen: Sie müssen nicht zweckgebunden für Entwöhnungsprogramme oder Suchtprophylaxe ausgegeben werden. Vater Staat kann sie beispielsweise auch beim Bau des Flughafens Berlin Brandenburg verjubeln.

Mitfahrbänkle

Oder ist dieser in Wahrheit gar kein Pleiten-, Pech- und Pannenprojekt, sondern ein preisverdächtiges Klimaschutzprogramm? Nichts schont die Umwelt schließlich mehr als ein Flughafen, der einfach nicht fertig wird. Das gilt natürlich genauso in Bezug auf die Verbraucher. Wer einfach auf dem Boden bleibt, betreibt aktiven Klimaschutz, ohne einen Cent auszugeben. Warum in die Ferne schweifen? Immerhin liegt der Schwarzwald nicht nur direkt vor der Haustür, sondern auch voll im Trend. Bollenhut statt Ballermann lautet das neue Urlaubsmotto. Sportliche strampeln mit dem Mountainbike über die sieben Berge. Bequeme setzen sich in den Bus und Sparsame auf das Mitfahrbänkle. Letzteres ist eine moderne Form des Trampens, die in einigen Orten im Mittleren Schwarzwald gefördert wird und durchaus dem Klimaschutz dient.

Thermomix-Diät

Mit diesem ist es wie mit dem Abnehmen. Man kann eine Spezialdiät mit hochpreisigen Produkten machen, die nach Rezepten aus einem kostspieligen Kochbuch in einem teuren Thermomix zubereitet werden. Die preiswertere Alternative ist: Ich esse einfach so lange von allem nur noch die Hälfte, bis der Hosenknopf wieder zu geht. 

Luxusgut Umweltverschmutzung

Ernsthaft: Ja, Klimaschutz ist wichtig. Genau das muss aber in die Köpfe rein. Dann handeln Menschen auch entsprechend. Es kann doch nicht sein, dass klimaschädliches Verhalten eine Frage des Geldbeutels ist. Frei nach dem Motto: Heute leiste ich mir mal den Luxus Champagner, Kaviar und ein bisschen Umweltverschmutzung. Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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