Fußnote, die Glosse im Guller
Donald, der dumm-dreiste Dampfhammer

Deutsche Staatsbürger dürfen logischerweise nicht mitentscheiden, wer in den USA Präsident wird. Trotzdem interessiert es viele Leute hier, wer dort das Sagen hat. Immerhin geht es um einen der mächtigsten Menschen der Welt. Wenn dieser einen schrägen Ton von sich gibt, dann reagieren die Weltmärkte und stauben Militärs ihre Atomwaffen ab. Ornithologen wollen sogar schon Auswirkungen im Paarungsverhalten der Teichrohrsänger im Taubergießen beobachtet haben. Und der amtierende US-Präsident Donald Trump gab schon sehr viele schräge Töne von sich.

TV-Duell

Echt schräg war auch aktuell sein Auftritt im ersten TV-Duell mit Herausforderer Joe Biden im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfs. Dass sich die Kontrahenten bei so etwas nicht nur mit verbalen Wattebäuschchen bewerfen, ist klar. Immerhin würde man von einem amtierenden Präsidenten aber doch das Einhalten der elementarsten Anstandsregeln erwarten. Doch Trump präsentierte sich lieber als Trampeltier. Sollen ruhig andere Politiker mit geschliffener Rhetorik und durchdachten Argumenten versuchen, zu punkten. In der selbstgewählten Rolle als Donald, dem dumm-dreisten Dampfhammer, setzte er lieber auf provozierendes Pöbeln. Was der Kontrahent zu sagen hat, spielt nämlich dann keine Rolle mehr, wenn er ständig unterbrochen wird und deshalb gar nicht richtig zu Wort kommt. Chaos als Chance für den Proleten im Maßanzug, als Sieger aus einem TV-Duell mit einem klugen Gegner hervorzugehen.

Trump tut, was ihm gefällt

Er war gar nicht Sieger? Sagen wir mal so: Es gab heftige Kritik an Trumps Verhalten, selbst aus dem eigenen republikanischen Lager. Man darf aber nicht vergessen, dass viele seiner Wähler ihn gerade deshalb bewundern, weil er einfach tut und sagt, was er mag. Sie feiern Trump sozusagen als eine Art Pipi Langstrumpf unter sonst lauter vermeintlich verkopften, elitären und aalglatten Politikern. Okay, Astrid Lindgren wird sich wegen dieses Satzes jetzt im Grab umdrehen. Zwischen Wahrnehmung und Wahrheit liegen halt manchmal Welten und der inzwischen an Corona erkrankte Trump macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

Wahlen in Deutschland

Deutsche Staatsbürger dürfen nicht mitentscheiden, wer in den USA Präsident wird. Aber sie können nächstes Jahr hierzulande wählen. Bleibt zu hoffen, dass die Wähler klug genug sind, nicht ebenfalls auf Leute reinzufallen, die alternative Wahrheiten verbreiten und Argumente durch Polemik ersetzen.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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