25. Stadtschreiberin in Hausach
Stipendium für Berlinerin Lea Streisand

Lea Streisand mit dem Fahrrad unterwegs in Hausach
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Hausach (cao). Für Lea Streisand ist es hier so "total anders". Die waschechte Berlinerin ist die 25. Stadtschreiberin in Hausach. Anlässlich ihrer 750-Jahr-Feier hatte die Stadt Hausach in Kooperation mit der Neumayer Stiftung im Jahr 2009 erstmals zwei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien im Molerhiisle in Hausach ausgeschrieben. Zur Sparte "Lyrik oder Prosa" und "Literatur für Kinder und Jugendliche" kam im Jahr 2012 das Gisela-Scherer-Stipendium hinzu, das vom "Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes" getragen wird.

Lea Streisand erste Stadtschreiberin für das Stipendiumsjahr 2018/19

Lea Streisand ist neben Julia Willmann aus Berlin und Timo Brandt aus Wien die erste der drei Stadtschreiber für das Jahr 2018/19, die bereits ihr dreimonatiges Stipendiat angetreten hat. Einen herzlichen Empfang gab es schon bei der Begrüßung der neuen Stadtschreiber Ende Juni im Rahmen des Hausacher "LeseLenzes". "Das war superschön und ein großes Privileg, dabei zu sein", blickt Lea Streisand gerne auf das Literaturfestival zurück.
"Es ist hier alles so ziemlich das Gegenteil von Berlin. Es ist langsamer, ruhiger, die Leute sind freundlicher. Dafür ist hier aber auch weniger los als Zuhause", vergleicht sie. Und sie findet, dass es weniger Schatten gibt, als in ihrer Großstadt. Weiterhin fiel ihr auf, dass die Leute ganz anders ticken. "Der allgemeine Wohlstand ist hier höher, das macht die Menschen im Allgemeinen gelassener, als seien sie auch weniger neidisch aufeinander". Und eins wird ihr während dieses dreimonatigen Aufenthalts ganz bewusst: "Man bekommt einen anderen Blick auf sein Zuhause, sich selbst und das eigene Leben. Ich weiß aber auch, was an Berlin total toll ist, freu mich einerseits wieder nach Hause zu kommen, andererseits, dass wir hier noch bis Ende September sein dürfen."

Im neuen Roman geht es um Kindheit in Ostberlin

Mit "wir" meint sie ihren Mann, der in Hausach die Elternzeit nutzt, um sich um das Baby zu kümmern und sie nicht drei Monate von beiden weg sein muss. Während die 39-Jährige an ihrem zweiten Roman arbeitet, hält er ihr, was das Kleine angeht, den Rücken frei.
"Wenn ich nicht in Berlin bin, kann ich konzentrierter arbeiten", erklärt die Autorin, deshalb kommt sie im Moment mit ihrem Roman auch gut voran. Der Schwarzwald selbst wird darin keine Rolle spielen, dafür Hausach in ihren Berlin-Kolumnen.
Im neuen Roman geht es um die Kindheit in Ostberlin. "Wie die Kinder das miterlebt haben, die nichts mitgestalteten und sich wunderten warum die Erwachsenen durchdrehen." Da kann sie aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Im Ostteil Berlins ist Lea Streisand geboren und verbrachte bis zum Mauerfall die ersten zehn Jahre ihres Lebens in der DDR. "Natürlich hat mich das geprägt, es sind ja nicht nur die zehn Jahre, die ich dort verbracht habe. Meine ganze Familiengeschichte ist eine ostdeutsche", sagte sie schon bei der "LeseLenz"-Vorstellung.

Berliner Schnauze und komische Literatur

Nach ihrem Studium der neueren deutschen Literatur und Skandinavistik an der Humboldt-Universität Berlin tritt sie seit 2003 auf Lesebühnen und Poetry Slams im deutschsprachigen Raum auf. Seit 2005 schreibt Lea Streisand außerdem Artikel und Kolumnen für die "taz". Seit 2014 spricht sie bei Radio Eins ihre wöchentliche Kolumne "War schön jewesen". Mit diesen Geschichten aus der großen Stadt und ihrer jüngsten Publikation "Im Sommer wieder Fahrrad" ließ sie schon mehrfach aufhorchen. Mit ihrer Berliner Schnauze und "der komischen Literatur", wie sie selbst über ihr Schreiben sagt, bringt Lea Streisand die Dinge oft augenzwinkernd auf den Punkt. Nun bleibt abzuwarten, was sie Herzhaftes während ihrer Stipendiatszeit zu Papier bringt.

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