Eine "merkwürdige Kirche"
Die Lautenbacher Wallfahrtskirche birgt eine einmalige Kostbarkeit

Der Kircheninnenraum mit Flügelaltaren und historischer Innenkapelle (r.).
  • Der Kircheninnenraum mit Flügelaltaren und historischer Innenkapelle (r.).
  • Foto: Jürgen Tille-Koch
  • hochgeladen von Sebastian Thomas

Lautenbach (jtk). Die Wallfahrtskirche Mariä Krönung in Lautenbach wurde vor gut 200 Jahren in einer Broschüre die „merkwürdige Kirche zu Lautenbach“ genannt. Sie ist sowohl außergewöhnlich als auch würdig zu merken – und das trifft für das bedeutendste kulturelle Denkmal heute mehr denn je zu.

Pilgerstätte für Kunstprofessoren mitsamt Studierenden

Die einzigartigen Glasbilder, die Empore über dem Hochaltar, die Flügelaltäre und das Wallfahrtskapellchen im Innenraum haben die von vielen Kriegen heimgesuchten Jahrhunderte unbeschadet überstanden. Der dreißigjährige Krieg des 17. Jahrhunderts, dem das Renchtal vollständig zum Opfer fiel, und auch das Jahr des großen Brennens 1694 haben hier nicht die geringste Spur und lediglich den Eindruck hinterlassen, dass dieser Ort unter besonderem Schutz steht.

Die Erstausstattung der Fenster und Altäre ist bis heute ebenso erhalten geblieben wie die Kanzel mit Elementen des Barock und der Renaissance. Auch eine Renovierung der Kanzel, die vor gut 50 Jahren mit der Begründung geplant war, dass sie vom Stil her überhaupt nicht ins Bild passt, wurde erfolgreich verhindert. Heute kommen Kunstprofessoren aus Europa mit Studenten vorbei, da sie einmalig ist.

Armut als besondere Art der Denkmalpflege

Rudolf Huber, Rektor der ehemaligen Volksschule Lautenbach, wird als Experte für diese historische Kirche regelmäßig für Führungen durch Kirche und Kirchengeschichte gebucht und sagt mit Augenzwinkern: „Da nie Geld für Renovierungen vorhanden war, hat sich Armut als besondere Art der Denkmalpflege erwiesen.“

Die Kirche wird um 1190 zum ersten Mal aktenkundig und entwickelt sich von einer kleinen Kapelle zur Wallfahrtskirche. Im Jahr 1303 verpflichtet der Bischof von Straßburg das Kloster Allerheiligen, ihre Pilger in Lautenbach zu versorgen. Als eine Art Hospiz für die Pilger entsteht daraufhin das „alte Haus“ neben der Wallfahrtskirche.

Kleine Kirche in der Kirche

1471 wird im Auftrag von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten um die kleine Kapelle ein viereckiges Gebäude erstellt. Der vordere Altarbereich wird vom Kloster Allerheiligen finanziert und 1483 fertig gestellt. Zwei Jahre später wird die „kleine Kirche“ in der Kirche mit elsässischem Sandstein erneuert und wird seitdem als Vorlage für viele andere Kapellen genommen.

Die Empore der Verkündigung über dem Altar dient gleichzeitig als Trennwand zwischen den Altären und dem hinteren Teil der Kirche. Die Flügel der Altaraufsätze haben eine besondere Bedeutung. Die aus Holz geschnitzten Darstellungen dürfen nach einer Vorschrift zur Fasten- und Adventszeit nicht angesehen werden. Daher werden in dieser Zeit die Flügel umgelegt und auf der Rückseite erscheinen die Schnitzereien im Bild – von Bildern war in der Vorschrift schließlich keine Rede.

Vor dem Krieg gerettete Raritäten

„Die Fenster sind zwischen 1480 und 1489 entstanden, wobei unsere Scheiben für die Fachwelt eine Sensation darstellen“, sagt Rudolf Huber. Der berühmte Peter Hemmel aus Straßburg hat die Stifterscheiben aus durchgefärbten Mosaikgläsern nicht mit Blei, sondern mit flüssigem Glas aneinandergeschoben.

Eine Bildscheibe besteht aus 60 bis 80 Einzelteilen, die Feinarbeiten haben sich durch eine bestimmte Radiertechnik ergeben. Die vor dem letzten Krieg geretteten Raritäten wurden anschließend wieder eingesetzt und stellen einzigartige Kostbarkeiten dar.

Autor:

Sebastian Thomas aus Achern

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