Im Sonntagsporträt: Kurt Kern aus Meißenheim
Herausforderungen gilt es für ihn, zu meistern

Auf dem Weg in einem neuen Lebensabschnitt: Kurt Kern gibt im Oktober den Landesvorsitz von ILCO ab und wird 2020 nach Offenburg umziehen.
  • Auf dem Weg in einem neuen Lebensabschnitt: Kurt Kern gibt im Oktober den Landesvorsitz von ILCO ab und wird 2020 nach Offenburg umziehen.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Christina Großheim

Meißenheim. Ob unter der Woche oder am Wochenende, bei Kurt Kern klingelt oft das Telefon. In der Regel suchen Menschen seine Hilfe, die von einer harten Diagnose getroffen sind: Darmkrebs und der Einsatz eines Stomas – also eines künstlichen Darmausgangs. "Wenn es nicht um medizinische Fragen geht, dann versuche ich ihnen zu helfen", sagt der langjährige Landesvorsitzende von ILCO, einer bundesweiten Selbsthilfevereinigung.

Kern weiß, wovon er spricht, schließlich veränderte die Diagnose selbst sein Leben. Mit 28 Jahren wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert und in Folge ein künstlicher Darmausgang eingesetzt. "Am schlimmsten war der Verlust der Körperkontrolle", sagt Kern, der vor kurzem seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Für ihn als begeisterten Sportler bedeutete dies einen tiefen Einschnitt. Doch der gebürtige Meißenheimer meisterte diese Herausforderung mit der selben Energie, mit der er stets agiert.

Ehrenamtliches Engagement prägte sein ganzes Leben: "Ich bin in Meißenheim aufgewachsen und habe Handball gespielt. Ich war aber auch in der kirchlichen Jugend engagiert, das war damals einfach so üblich." So war es ebenfalls selbstverständlich, dass die Kinder in der Landwirtschaft mithalfen. "Ich habe mir mein Studium mit Tabakgeld finanziert", erzählt Kern. Denn dort, wo heute sein Haus steht, lagen in seiner Kindheit noch Felder, auf denen Tabak oder Kartoffeln wuchsen.
"Meine Vorbilder waren die, die sich in den Vereinen engagiert haben", so Kern. "Ich war Spielführer der Jugendmannschaft, da habe ich organisieren und mit Menschen umzugehen gelernt. Ich musste schließlich den ein oder anderen aufgebrachten Spieler wieder zurück in die Mannschaft holen, wenn er nach einem schlechten Spiel alles hinwerfen wollte."

Immer offen für neue Sicht der Dinge

Mit 14 Jahren begann Kurt Kern eine Lehre in einer Offenburger Spedition. Schon bald war ihm klar, dass der gewählte Beruf für ihn nicht das Richtige war. "Ich habe schon während der Ausbildung die Abendschule besucht", erinnert er sich. Er machte einen Abschluss, der reichte, um in Freiburg an der heutigen Fachhochschule für Sozialwesen, Religionspädagogik zu studieren.

In der Abendschule traf er den Menschen, der seinem Leben eine Wendung gab. "Ich lernte dort einen Zivi kennen, der den Wehrdienst verweigert hatte", so Kern. "Er hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich erinnerte mich an das, was mein Großvater, der zwei Söhne im Krieg verloren hatte, erzählt hat und so wurde ich 1968 der erste Kriegsdienstverweigerer in Meißenheim." Im Ort sorgte dies für große Verblüffung: Schließlich dachten alle, dass er zur Bundeswehr geht. Seinen Zivildienst machte er in der Diakonie Kork und im Schwarzacher Hof. Für ihn war dies die endgültige Entscheidung, sich beruflich zu verändern.

"In meiner Studienzeit in Freiburg habe ich eine neue Welt kennengelernt", stellt Kern fest. Er entschied sich, nach seinem Abschluss in sozialen Brennpunkten zu arbeiten, und kam so nach Lörrach, wo er an einem viel beachteten Pilotprojekt beteiligt war. 1977 wurde ihm die neu geschaffene Stelle des Betreuers von Kriegsdienstverweigerern und Zivildienstleistenden von der Evangelischen Landeskirche Baden angeboten. Angesichts seines eigenen Werdegangs nahm er sie natürlich an: "Ich war in ganz Baden unterwegs, habe Podiumsdiskussionen organisiert, mit Friedensgruppen gearbeitet, Kurse für Zivis auf die Beine gestellt, aber auch Deserteure kennengelernt."

Seine Krankheit warf ihn kurz aus der Bahn. "Ich hatte Glück, ich habe in dieser Phase meine Frau kennengelernt", so Kern. Gemeinsam meisterten sie die Krise und adoptierten ein Kind. Kurt Kern konnte in seinen Beruf zurückkehren und arbeitete, bis ihn die Krankheit in den Ruhestand zwang. Das war der Zeitpunkt, als er und seine Frau nach Meißenheim zogen. Vor zwölf Jahren übernahm er den Landesvorsitz von ILCO: "Ich wollte etwas zurückgeben, denn sie haben mir selbst oft geholfen." Aber: "Ich werde den Vorsitz im Oktober aus privaten Gründen abgeben", sagt er. "Außerdem ziehen meine Frau und ich nach Offenburg. Wir haben uns eine altersgerechte Wohnung gekauft." C. Großheim

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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