Nach Liebesbetrug im Internet
50-Jähriger um 100.000 Euro geprellt

Ortenau (st). Ein 50 Jahre alter Mann aus der südlichen Ortenau erstattete am Mittwoch Anzeige bei der Polizei, da er in der Vergangenheit Opfer einer dreisten Betrugsmasche, dem sogenannten Love Scamming, geworden war.

Frau über Twitter kennengelernt

Ende August hat eine Frau mit dem Geschädigten über das Onlineportal Twitter Kontakt aufgenommen. Anschließend entwickelte sich über einen Messenger eine vermeintliche Beziehung zwischen dem 50-Jährigen und der noch unbekannten Frau. Diese erschlich sich durch die Romanze sowohl das Vertrauen des Geschädigten als auch insgesamt knapp über 100.000 Euro, die der Mann per Banküberweisung der Frau zukommen ließ.

Hintergrund

Die Anzeigen bezüglich der als Scamming bekannten Betrugsmasche kommen immer wieder vor. Oft führt der Weg zur großen Liebe, dem schnellen Geld oder dem Traumjob über Vorauszahlungen der Opfer. Beim Love Scamming wird, wie im vorliegenden Fall, über Online-Partnerbörsen oder auch über soziale Netzwerke der Kontakt hergestellt und Beziehungen aufgebaut. Die Profile der Scammer wirken meist sehr authentisch, sie haben ungewöhnliche Lebensgeschichten und hinterlassen unter anderem mit geklauten, echt wirkenden Bildern einen seriösen Eindruck.

Nach der Kontaktaufnahme wollen die Betrüger möglichst viele Informationen über Ihre Opfer in Erfahrung bringen. Die ahnungslosen Opfer werden überhäuft von Liebesbekundungen und Aufmerksamkeiten, um eine emotionale Abhängigkeit aufzubauen und den Opfern aus vermeintlichen Notsituationen heraus das Geld aus der Tasche zu ziehen. Häufig werden Gründe wie kurzfristige Geldnot, ausstehende Operationskosten oder gestohlene Koffer und Bankkarten angegeben, um das Mitgefühl und die Empathie des Opfers auszunutzen und an Geld zu kommen.

Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, einen achtsamen Umgang mit Online-Bekanntschaften zu pflegen, insbesondere, wenn man die Person nicht persönlich kennt. Wer den Verdacht hat, Opfer eines Scammers geworden sein, sollte sich schnellstmöglich bei der Polizei melden.

Über Netzwerke oder Dating-Seiten kommen Scammer an Mailadressen. Eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat dient als Lockmittel. Da die Betrüger oft mit deutschen Mailadressen arbeiten, ist selten ersichtlich, dass sich hinter den netten Zeilen ein Scammer verbirgt. Finger weg von Chatnamen mit ungewöhnlichen Zeichen wie Prozentzeichen. Diese schicken mit ihren Nachrichten Software mit, die dem Computer schaden kann.

Woran erkenne ich einen entsprechenden Betrüger?

An der Sprache: Die Betrüger kommunizieren meistens in gutem Englisch. Insider gehen davon aus, dass rund 95 Prozent der englisch sprechenden Kontakte auf deutschen Dating-Seiten Romance- oder Love-Scammer sind. Allerdings gibt es auch viele, die perfekt Deutsch sprechen.
An den Bildern: Die Bilder sind unscharf und nur in sehr kleiner Auflösung im Internet eingestellt, da sie gestohlen wurden. Ausnahmen sind Scamm-Frauen. Sie locken ihre Opfer bevorzugt mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind.
Am Mail-Inhalt: Scammer überhäufen ihre Opfer schon nach dem ersten Kontakt mit ellenlangen Briefen voller schwülstiger Liebesschwüre. An den überbordenden Liebeserklärungen und Liebesbekundungen sind sie leicht zu erkennen. Aber es geht auch anders: Seriös wirkende Mails sollen das Interesse wecken.
Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen:Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle.
Wichtig: Die Scammer bezeichnen ihre neuen Partner schon bald als Ehemann oder Ehefrau und schmieden Heiratspläne. Deswegen scheint die Bitte um ein Visum oder ein gemeinsames Konto gerechtfertigt.
An Verbindungen nach Westafrika/Russland/Südostasien: Ob Geschäftsreise oder familiäre Probleme, es gibt vielfältige Gründe für eine Verbindung in diese Länder. Frauen hingegen leben oft in osteuropäischen/südostasiatischen/südamerikanischen Ländern.
An Bitten um Geld/Visum/Päckchen- oder Briefversand/gemeinsames Konto: Es gibt viele Gründe, das Opfer um Geld zu bitten. Weigert es sich, Geld zu schicken, finden Betrüger andere Wege. Gefälschte Schecks, die in Deutschland eingezahlt werden sollen, gehören dazu. Momentan sehr stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Einladung nach Deutschland. Hier wollen die Betrüger nicht nur auf Kosten ihrer Opfer leben, sondern auch weiterhin im Auftrag ihrer betrügerischen Kontakte tätig sein. Die Betrüger schaffen es auch, geschickt die Opfer für ihre Zwecke zu missbrauchen, beispielsweise sollen diese Briefe oder Päckchen an dritte Personen verschicken. Scam-Frauen erbetteln sich häufig Einladungen nach Deutschland. Oft geben die Betrüger vor, ein gemeinsames Konto mit dem Opfer eröffnen zu wollen und bitten um Kopien von Ausweisen. Die Daten werden für Fälschungen von Pässen genutzt.

Tipp: Geben Sie den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz "Scammer" beispielsweise bei Google ein.
Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen.
Was tun, wenn ich gescammt wurde? Sofort jeglichen Kontakt abbrechen. Keine Mails, keine Anrufe des Scammers mehr entgegennehmen. Am besten ist es, sich eine neue Mailadresse und Telefonnummer zuzulegen. Gefahr besteht auch für Freunde im sozialen Netzwerk und für alle Kontakte im eigenen Mailadressbuch. Denn die Täter schicken mit ihren Mails meistens auch einen Computervirus mit. Dieser scannt die Daten im Mailadressbuch und erlaubt auch sonst eine Kontrolle über den Rechner ihrer Opfer. Ignorieren Nicht auf Forderungen des Scammers eingehen. Auf keinen Fall Geld überweisen, Schecks einlösen oder Briefe und Päckchen weiterleiten - und auch nicht aufbewahren. Geleistete Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig machen.

Speichern Sie alle Mails und Chat-Texte als Beweis auf einer CD-ROM ab.Heben Sie Belege jeder Art auf. Wenn Sie es nicht selbst können, dann lassen Sie sich von computererfahrenen Bekannten und Freunden den so genannten E-Mail-Header auslesen. Daran erkennen Sie, woher die Mail geschickt wurde.

Selbsthilfeseiten im Internet erklären ebenfalls, wie man sich vor größerem Schaden schützen kann.
Nach dem Sichern löschen Sie alle Beweisdaten von der Festplatte. Vergessen Sie nicht, auch den E-Mail-Account zu löschen.

Die Strafverfolgung solcher Täter ist zwar enorm schwierig, weil sie aus dem Ausland agieren. Dennoch sollten solche Fälle auf jeden Fall gemeldet werden. Das ist besonders wichtig, wenn beispielsweise Banken strafrechtliche Schritte gegen Opfer unternehmen wollen, die unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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