Grimmelshausen in Renchen
Schriftsteller schrieb unter vielen Pseudonymen

Grimmelshausen-Denkmal zwischen Rathaus und Museum Renchen
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  • Grimmelshausen-Denkmal zwischen Rathaus und Museum Renchen
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Renchen (jtk). Hat jemand schon einmal von dem Dichter German Schleifheim von Sulsfort gehört? Oder kann jemand den Namen Prätor zu Zernheim zuordnen? Geschichtsforscher des 19. Jahrhunderts haben durch einen Hochzeitseintrag in Offenburg herausgefunden, dass Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen (1621 bis 1676) unter diesen Pseudonymen zum Beispiel sein berühmtestes Werk „Der abenteuerliche Simplicissimus“ und eine Fortsetzung geschrieben hat.

Autor konnte anders als viele seiner Mitmenschen Schreiben und Lesen

Da er Jahrzehnte seines Lebens in der Ortenau verbracht hat, gab es daraufhin zum 200. Geburtstag dieses berühmten Erzählers im Jahr 1876 das erste Grimmelshausenfest in Renchen. Gedächtnisfeier und Festessen fanden in der ehemaligen "Graf’schen Halle" – heute: "Courage" – in der Nähe vom Bahnhof statt. 1879 wurde das erste Grimmelshausen-Denkmals neben der katholischen Kirche Heilig Kreuz enthüllt und eingeweiht.

Grimmelshausen wurde im hessischen Gelnhausen geboren und war in den Jahren des Dreißigjährigen Krieges nach Verschleppung durch Soldaten als Kanzleigehilfe, Kopist und Schreiber in militärischen Diensten. Er konnte schließlich schreiben und lesen – in dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit.

Ein kurzes Intermezzo als Schankwirt

Er kam 1639 als Musketier nach Offenburg und war von 1645 bis 1648 in der Regimentskanzlei des Oberst Reinhard von Schauenburg tätig. Nach seiner Heirat 1649 wurde er in Gaisbach wohl wegen seiner Haarfarbe als „rother Schaffner“ bekannt und war bis 1660 Verwalter der Schauenburger Besitzungen.

Seine Tätigkeit als Schankwirt im Gasthaus „Silberner Stern“ hielt er nicht sehr lange durch, denn die lärmenden Gäste unterhalb seines Schreibzimmers störten seine Überlegungen beim Schreiben zu sehr.

Grimmelshausen wurde Schultheiß

1676 wurde in Renchen die Stelle als bischöflich-straßburgischer Schultheiß frei, um die er sich erfolgreich bewarb. Sein Vorgänger Elias Goll konnte nicht gehalten werden, da sich seine Ehefrau mit einem Wandergesellen eingelassen hatte. In dieser Position konnte Grimmelshausen endlich seine Familie mit elf Kindern und Ehefrau unterhalten und bewohnte das 1640 teilweise abgebrannte fürstlich-bischöfliche Sommerschloss.

Seine erste Aufgabe am 13. Oktober 1667 bestand darin, eine neue Mühlenordnung für die Herrschaftsmühle, der heutigen Stadtmühle, zu verfassen. Nebenbei bewirtschaftete er noch die von ihm sogenannten „Finkengärten“, die heute als Schrebergärten genutzt werden.

Nachtwächter lässt die frühere Zeit wieder auferstehen

Heinz Schäfer aus Renchen entdeckte vor Jahren seine Leidenschaft für die geschichtliche Entwicklung der Stadt und lässt heute Grimmelshausen in seinen Rundgängen als Nachtwächter wieder auferstehen: Eine Zeit als auf das Zeichen eines Glockenseils Botschaften verkündet und die Einwohner bei Laternenlicht zur Nachtruhe heimgeführt wurden. Mit Horn, Lampe und heller Barde verkleidet, führt er Interessierte zu den geschichtlichen Stätten wie zum Beispiel Grabstätten, Denkmäler, Brunnen und Mühlen – und weiß dabei, so manche Anekdote zu erzählen.

Grimmelshausen-Denkmal zwischen Rathaus und Museum Renchen
Das Bild zeigt die Bewerbung von Grimmelshausen um die Schultheißenstelle in der Stadt Renchen.

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