Raiffeisen Kinzigtal eG
Raiffeisen Kinzigtal zieht bei der Generalversammlung Bilanz
- Ehrung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Dieterle, der altersbedingt aus dem Gremium ausscheidet.
v.l.n.r. : Adrian Steiner (GF), Klaus Doll (ARV), Johanna Dieterle (Frau von Thomas Dieterle), Thomas Dieterle (ausscheidender Vorstandsvorsitzender), Holger Meyer-Boye (Vorstand), Benjamin Seybold (Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband).
- Foto: Raifaisen Kinzigtal
- hochgeladen von Karen Christeleit
Wolfach (st) Die Raiffeisen Kinzigtal eG blickt auf ein zweifellos herausforderndes Geschäftsjahr 2025 zurück, wie im Rahmen der Generalversammlung am 20. Oktober in Wolfach bekannt gegeben wurde. Die Genossenschaft musste im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang verzeichnen, bei dem sich der Gesamtumsatz um rund 193.000 Euro beziehungsweise 1,3 Prozent auf 14,2 Millionen Euro verringerte, was gleichzeitig zu einem kleinen Bilanzverlust führte. Diese Entwicklung spiegelt den aktuellen Trend wider, der derzeit in vielen Bereichen des Handels sowie in der Agrarbranche zu beobachten ist.
Die Hauptursachen liegen vor allem in der anhaltenden Kauf- und Konsumzurückhaltung unserer Kunden sowie im weiterhin hohen Kostendruck. Viele Verbraucher halten sich bei Ausgaben zurück und kaufen deutlich bewusster ein. Dies hat sich insbesondere im Filialgeschäft bemerkbar gemacht. Besonders betroffen waren die Bereiche Bedarfsartikel sowie der gewerbliche Bereich und die Gastronomie, die ebenfalls unter der konjunkturellen Eintrübung leiden.
Gleichzeitig sind die Kosten in nahezu allen Bereichen gestiegen. Personal-, Energie-, Verwaltungs- und Instandhaltungskosten belasten die Ergebnisse deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren.
Die Umsätze der Raiffeisen Kinzigtal eG generieren sich grundsätzlich aus dem Einzelhandel, dem Großhandel, aus Streckengeschäften, dem Diesel- und Heizölverkauf sowie aus Dienstleistungen, wobei das Unternehmen operativ in die zwei Sparten Groß- und Einzelhandel unterscheidet. Innerhalb dieser Struktur entwickelte sich der Großhandel im Geschäftsjahr 2025 mit einem Gesamtumsatz von 4.761.373,82 Euro, was im Vergleich zum Vorjahr einem Umsatzrückgang von 1,17 Prozent beziehungsweise 55.852,39 Euro entspricht.In der Gastronomie betrug der Rückgang –6,89 %, das entspricht -139.623€.
Bei den Vereinsgaststätten Zuwachs bei 2,93 % bzw. 11.551,€. Der Umsatz mit Vereinen hatten wir einen Umsatz Zuwachs 1,50 % dies entspricht 57.017 €. Die Firmen weisen einen Umsatzzuwachs von 70.954 € aus, ein plus von 7,86%. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass insbesondere die Gastronomie auch unter den schwierigen Rahmenbedingungen des Jahres 2025 gelitten haben.
Tankstelle Fischerbach
Das Tankstellengeschäft war ebenfalls von den schwierigen Rahmenbedingungen betroffen. Der Umsatz ging um rund 6,3 % zurück. Neben einem geringeren Kraftstoffabsatz wirkten sich auch niedrigere Durchschnittserlöse pro Liter auf die Umsatzentwicklung aus. Damit setzt sich leider die rückläufige Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Da die Tankstelle der TÜV-Prüfung nicht standgehalten hat, sodass die Tankstelle aus wirtschaftlichen Gründen im August 2026 geschlossen wurde.
Die Entwicklung im Einzelhandel zeigte ein ähnliches Bild wie im Großhandel. Insgesamt erzielte das Unternehmen einen Jahresabverkaufsumsatz von 9.333.843 €, was einem leichten Rückgang von 1,08 Prozent beziehungsweise 101.911 € im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Innerhalb der Standorte waren die Entwicklungen in Schiltach und Oberharmersbach besonders auffällig, wobei sich in Oberharmersbach bereits die ersten Spuren des neuen Penny-Marktes bemerkbar machten. Erfreulicherweise konnte die Raiffeisen Kinzigtal dennoch in allen Märkten in bestimmten Warengruppen Umsatzzuwächse verzeichnen. Dies betrifft insbesondere den Bereich Lebensmittel sowie die weiterhin stark nachgefragte „Grüne Theke“, die ein Plus von 92.000 € verbuchen konnte.
Bilanzzahlen und Investitionen
Die Bilanzsumme hat sich weiter auf 6.335.039,78 € erhöht. Trotzdem musste für das Geschäftsjahr 2025 ein kleiner Bilanzverlust in Höhe von 1.526,13 € ausgewiesen werden, weshalb für diesen Zeitraum keine Dividende an die Mitglieder ausgezahlt werden kann. Das Anlagevermögen der Gesellschaft verzeichnete im Berichtszeitraum einen leichten Zuwachs und beläuft sich nun auf 2.640.710,08 €. Die wesentlichen Investitionen haben eine Gesamthöhe von 354.588,31 €, mit denen die Raiffeisen Kinzigtal gezielt in ihre Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit investiert hat. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten dabei der Umbau des Weinkellers beziehungsweise des Weinzeit Genusskellers, weitreichende Investitionen in die EDV-Sicherheit und eine moderne Firewall sowie die Anschaffung neuer Kühltheken für die Märkte und praktischer Edelstahl-Klapptheken für die Unterstützung von Vereinsfesten. Zudem wurde mit dem Um- und Neubauprojekt in Schapbach begonnen und kontinuierlich in die sonstige Betriebs- und Geschäftsausstattung investiert. Ein Blick auf die weiteren wichtigen Bilanzkennzahlen zeigt, dass das Eigenkapital der Genossenschaft nach einer geringfügigen Veränderung von minus 7,4 Tausend € nun bei 3.445.878,84 € liegt. Das Geschäftsguthaben ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen, trotz einiger Kündigungen und Todesfälle. Es weist ein Guthaben von 532.104,97 € auf. Der Mitgliederstand beträgt aktuell 595 Mitglieder.
An den Firmenbeteiligungen hat sich im letzten Jahr nichts verändert.
Die Rückstellungen belaufen sich auf 707.709,31 €, wobei sich insbesondere die Personalrückstellungen um 90T€ verringert hat.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erhöhten sich auf 862.202,07 €. Die Bankverbindlichkeiten hingegen stiegen von 1.088.313,25 € auf 1.176.196,11 € an.
Aufwendungen und Personal
Im Bereich der Aufwendungen und des Personals der Raiffeisen Kinzigtal für das Jahr 2026 sanken die Personalaufwendungen der Genossenschaft auf 2.396.961,28 Euro, was im Wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dass die Leistungsprämie an die Beschäftigten nicht komplett ausbezahlt wurde. Ebenfalls rückläufig waren die Abschreibungen, die sich um 16.360,27 Euro verringerten. Demgegenüber stand jedoch ein Anstieg bei den sonstigen betrieblichen Kosten, welche um 42.358,76 Euro auf insgesamt 1.111.661,08 Euro kletterten. Zu diesem Zuwachs trugen insbesondere die gestiegenen Kraftfahrzeugkosten sowie die Aufwendungen für Energie bei, die den größten Anteil an dieser Position ausmachen.
In Bezug auf die Belegschaft beschäftigte das Unternehmen im Berichtszeitraum insgesamt zwei hauptamtliche Vorstände sowie 73 Mitarbeiter. Von diesen Angestellten waren 42 in Vollzeit und 21 in Teilzeit tätig, während acht Personen als Auszubildende im Betrieb ausgebildet wurden. In diesen Zahlen sind die eingesetzten Aushilfskräfte noch nicht eingerechnet; zusätzlich wurden elf kaufmännische sowie 15 gewerbliche Aushilfen beschäftigt. Das Geschäftsjahr schloss letztlich mit einem leichten Bilanzverlust in Höhe von 1.526,13 Euro ab.
Auswirkungen auf die Mitglieder der Genossenschaft
Die wirtschaftliche Situation zwingt die Verantwortlichen der Raiffeisen Kinzigtal eG zu tiefgreifenden Entscheidungen, die sich die Führungsebene anders gewünscht hätte. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Generalversammlung deshalb vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszuschütten. Diese Entscheidung ist den Gremien nicht leichtgefallen, da sich die Genossenschaft ihren Mitgliedern besonders verpflichtet sieht. Gleichzeitig gilt es jedoch, die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens langfristig zu sichern und verantwortungsvoll mit dem Eigenkapital umzugehen. Aufgrund des vorliegenden Ergebnisses schlägt der Vorstand daher vor, die Dividendenzahlung in diesem Jahr auszusetzen. Trotz der Tatsache, dass das Jahr 2025 das Unternehmen wirtschaftlich stark gefordert hat, bleibt die Raiffeisen Kinzigtal eG weiterhin solide aufgestellt, wurde betont. Das Unternehmen verfügt über engagierte Mitarbeiter, treue Kunden sowie eine starke genossenschaftliche Basis. Die aktuellen Herausforderungen betreffen derzeit nahezu den gesamten Handel und die Landwirtschaft. Vor diesem Hintergrund bleibt es das erklärte Ziel der Genossenschaft, sich zukunftsfähig aufzustellen, die eigenen Kostenstrukturen kritisch zu hinterfragen, neue Chancen konsequent zu nutzen und den Mitgliedern auch künftig als verlässlicher Partner in der Region zur Seite zu stehen. Die Verantwortlichen zeigen sich fest davon überzeugt, dass man die aktuellen Herausforderungen gemeinsam meistern und so die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft schaffen wird.
Ausblick
Die Raiffeisen Kinzigtal blickt für das laufende Jahr auf eine stabile bis positive Umsatzentwicklung im ersten Dreivierteljahr zurück. Bis zum Stichtag am 30. September konnte der Gesamtumsatz auf 10.818.253,38 Euro gesteigert werden, was einem Zuwachs von 1,96 Prozent beziehungsweise rund 207.558 Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Während der Einzelhandel und Barverkauf mit einem minimalen Plus von 0,39 Prozent (ein Plus von etwa 27.196 Euro) weitgehend stabil blieben, zeigte sich im Großhandel mit einem Zuwachs von 4,84 Prozent beziehungsweise 180.361,96 Euro eine deutlich dynamischere Entwicklung. Da konnte die Raiffeisen Kinzigtal mit Ausnahme der Firmenumsätze in fast allen Sparten zulegen konnte. Sogar die Gastronomie erholte sich spürbar und setzte positive Signale, obgleich der Absatz bei Wein weiterhin rückläufig blieb. Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen wird es wieder sehr schwierig sein, ein positives Ergebnis für das Jahr 2026 zu erreichen, doch wir sind positiv gestimmt dies zu erreichen. Die endgültigen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- bzw. Ertragslage können noch nicht abgeschätzt werden.
Die Raiffeisen Kinzigtal sieht sich auch im Geschäftsjahr 2026 mit einem spürbar herausfordernden Marktumfeld konfrontiert. Das Unternehmen sieht sich weiterhin mit anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten, steigenden Betriebskosten und volatilen Märkten konfrontiert. Trotz dieses schwierigen Fahrwassers arbeitet die Genossenschaft intensiv daran, diese Hürden zu meistern und den Betrieb bestmöglich auf Kurs zu halten. Allerdings gestaltet sich das Gegensteuern in der Praxis oft komplexer als gedacht, da wesentliche Kostenfaktoren außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen. Insbesondere die Preise für Strom, Benzin und Diesel werden von externen Faktoren bestimmt und lassen sich durch das Unternehmen nicht direkt beeinflussen. Die Raiffeisen Kinzigtal hofft daher auf eine spürbare Entlastung und eine Stabilisierung der Situation in den kommenden Wochen und Monaten.
Vor diesem Hintergrund genießt eine hohe Anpassungsfähigkeit weiterhin oberste Priorität für das Management. Sollte sich in naher Zukunft jedoch keine Besserung der Rahmenbedingungen abzeichnen, sieht sich die Führung des Unternehmens gezwungen, tiefergreifende Veränderungen und strategische Anpassungen vorzunehmen, deren Tragweite und Konsequenzen allen Beteiligten bewusst sind.
Bei den Aufsichtsratwahlen wurden Heinrich Hoch und Franz Schöner bestätigt, sowie Silke Stößer neu hinzugewählt. Thomas Dieterle wurde verabschiedet. Er scheidet aus Altersgründen nach 25 Jahren - zunächst 1 Jahr im Aufsichtsrat und später im Vorstand sowie als Vorstandsvorsitzender - aus.






Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.