Historisches Rathaus ist neues Quartier
Schutz für Fledermäusen

Die Initiatoren des fledermausfreundlichen Rathauses: Bürgermeister Philipp Clever (l.) und Gemeinderat Jürgen Bergmann
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  • Die Initiatoren des fledermausfreundlichen Rathauses: Bürgermeister Philipp Clever (l.) und Gemeinderat Jürgen Bergmann
  • Foto: Gemeinde Berghaupten
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Berghaupten (st). Auf dem Dachboden im Historischen Rathaus in Berghaupten finden Fledermäuse seit April eine ruhige und sichere Zuflucht. Auf Initiative von Gemeinderat Jürgen Bergmann wurden die Bedingungen für die bedrohten Nachttiere optimiert. Bürgermeister Philipp Clever unterstützte den Vorschlag. „Mit geringem Aufwand haben wir hier der Artenvielfalt das Fenster geöffnet,“ freut sich Clever. Der Dachboden bietet jetzt perfekte Bedingungen sowohl für Große Mausohren wie für die kleineren Hufeisennasen und andere, so der Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis in einer Pressemitteilung.

Fachliche Beratung erhielt die Gemeinde vom Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis (LEV). Nach einer Vorort-Begehung vermutet Fledermausexperte Martin Straube (LEV), dass Mausohr-Männchen im Rathaus ihr Sommerquartier beziehen und zur Paarungszeit im Herbst Damenbesuch einer in Gengenbach bekannten Weibchen-Kolonie empfangen. Mausohren bleiben über Generationen ihren Quartieren treu, wenn sie nicht gestört werden.

Straube regte an, den Dachboden zusätzlich für die extrem bedrohte Kleine Hufeisennase zugänglich zu machen. Das bisher zum Taubenschutz vergitterte Fenster auf der unbeleuchteten Gebäudeseite bietet den lichtscheuen Fledermäusen den notwenigen Schutz. Außerdem ist es groß genug, dass die Tiere ohne landen zu müssen zum Dachboden hindurchfliegen können. Entsprechend den konkreten Empfehlungen des LEV konstruierte Hubert Bruder, Mitarbeiter des Bauhofs, aus glatten Siebdruckplatten den taubensicheren Flugtunnel. Da Mausohren nicht ganz so geschickt fliegen wie Kleine Hufeisennasen und außerdem mit 40 Zentimeter Spannweite doppelt so groß sind, ist der Durchflugtunnel für sie kaum passierbar. Für sie wurde deshalb am unteren Rand des Fensters ein bequemer Durchschlupf belassen. Bis Anfang April, noch vor der Rückkehr der Mausohren aus ihren Winterquartieren, waren die Arbeiten abgeschlossen.

Fast ausgestorben

Aktuell gelten Hufeisennasen in Baden-Württemberg als ausgestorben. Aber in den vergangenen Jahren gelangen Fledermausforschern unter anderem an der Kinzig bei Offenburg einige wenige Funde. „Da sich im Elsass aber Bestände gehalten haben, die in den vergangenen Jahren wieder deutlich angewachsen sind, dürfen wir mit der Wiederbesiedlung des Kinzigtals rechnen“, ist sich Straube sicher. „Traditionelle Jagdgebiete gibt es auf ganzer Länge des Kinzigtals nach wie vor: Wald, in dem Kleine Hufeisennasen mit ihrer hervorragenden Echoortungsleistung bald wieder auf Insektenjagd fliegen“, hofft der Fledermausexperte. Neben dem neuen Sommerquartier bieten ein Bunker und mehrere ehemaliger Bergwerkstollen im Umfeld von Berghaupten auch die ebenfalls notwendigen Winterquartiere.

Bis in die 1950er Jahre zählte die Kleine Hufeisennase in ganz Süddeutschland zu den häufigsten, weit verbreiteten Fledermäusen. Danach jedoch brachen ihre Bestände vor allem durch den Einsatz der Insektizide DDT und Lindan katastrophal ein. Sie verschwanden in Deutschland fast überall. Nachdem der Einsatz von DDT seit Anfang der 1970er Jahre in Holzschutzmitteln und der Landwirtschaft verboten ist, verbesserten sich die Bedingungen für Hufeisennasen wieder.
Weitere Informationen zum LEV-Projekt Hufeisennase unterhufeisen.lev-ortenaukreis.de.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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