Melanie Steinigen und Daniel Kast
Fünf Jahre war der Weg das Ziel
- Daniel Kast und Melanie Steinigen mit ihrem Sohn bei einem Besuch in Daniels Heimatstadt Gengenbach
- Foto: gro
- hochgeladen von Christina Großheim
Gengenbach Ganz entspannt auf dem Fahrrad kommen Melanie Steinigen und Daniel Kast zum Treffpunkt vor dem Gengenbacher Rathaus. Mit dabei ist ihr zwei Monate alter Sohn. "Wir sind seit einem Jahr wieder in Deutschland", erzählen die beiden Weltreisenden.
Zur Erinnerung: 2019 brachen Melanie Steinigen und der gebürtige Gengenbacher Daniel Kast zu einer ganz besonderen Tour mit dem Fahrrad auf. Fünf Jahre hatten sie sich vorgenommen, unterwegs zu sein. Und dieses Vorhaben setzten sie in die Tat um – auch wenn sie die Coronapandemie zu einer Pause und zur Rückkehr nach Deutschland zwang. Bis dahin waren sie durch Westeuropa und Marokko gefahren.
"Kaum waren die Grenzen geöffnet, sind wir wieder los", erinnert sich Daniel. Und sie hatten Glück, denn nur wenige Tage nach ihrem Aufbruch begann die zweite Coronawelle. Sie starteten auf dem Balkan: "Wir waren in Kroatien und Bulgarien und landeten schließlich in der Türkei", so Melanie. Eigentlich wollten sie nur drei Monate dort bleiben, doch Corona zwang sie zu einem neunmonatigen Aufenthalt. "Wir hatten uns ein Zimmer genommen und haben gearbeitet", berichtet Melanie. Arbeit bedeutete: Fotos sichten und online stellen, ihr Online-Tagebuch auf fortführen. Außerdem schrieben sie zwei Bücher und verschiedene Artikel für Zeitschriften über ihre Reise.
Keine Grundroute
Als sie endlich weiterkonnten, führte sie ihr Weg nach Georgien. "Wir wussten nichts, außer dass das Land klein und grün ist", verrät Daniel. Es ist ihre Art zu reisen: Sie hatten zwar eine Grundroute festgelegt, aber sie ließen sich stets auf Land und Leute ein. "Wir haben so viele Umwege genommen wie möglich. Unser Ziel war tatsächlich der Weg", stellt Melanie fest. Und beide sind sich einig: So lernt man wundervolle Orte und Menschen kennen.
Wenn sie mit den Rädern unterwegs waren, schliefen sie im Zelt. "Wir hatten ein Solarpanel, wir haben unseren Strom auch mit den Rädern selbst erzeugt", erklärt Daniel. Damit erreichten sie maximale Unabhängigkeit: "Wir haben manchmal tagelang keinen Menschen gesehen."
55.000 Kilometer legten sie in den fünf Jahren zurück. Ihre Reise führte sie durch 27 Länder und alle Klimazonen. "Wir hatten von minus 20 Grad bis plus 45 Grad Celsius alles", so Melanie. Jedes Rad wog mit Gepäck stattliche 70 Kilogramm: "Man fährt langsam und stetig, man findet ganz zu sich selbst. Denn man denkt immer nur bis zur nächsten Kurve."
Eine weitere Station war Armenien. Von den darauffolgenden drei Monaten im Iran schwärmen beide: "Ein sehr schönes Land mit wundervollen Menschen." Kurz bevor die Unruhen im Iran begannen, verließen sie das Land in Richtung Pakistan. "Dort wollten wir eigentlich nicht hin, aber es war die beste Entscheidung", stellen beide fest. Auch wenn sie dort Sandstürme, monsunartige Regenfälle und Fluten erlebten – das Land und seine Natur hat sie tief beeindruckt. Außerdem erzählt Daniel: "Wir wurden wie alle Reisende außer in Islamabad stets von einem Trupp bewaffneter Männer begleitet." Das galt vor allem für ihre Tour entlang der afghanischen Grenze.
Beeindruckt waren beide von Indien. "Es ist ein riesiges Land, aber wir waren keine Minute allein", erzählt Melanie. "Immer standen Menschen um uns und schauten zu, wie wir unser Zelt aufbauten oder kochten", ergänzt Daniel.
Von dort unternahmen sie einen Abstecher nach Nepal. "Dort bin ich an meine Grenze gekommen", stellt Melanie fest. "Ich habe mich gefragt: Warum mache ich den Blödsinn?" Denn die Luft war nicht nur dünn, sondern auch der Permafrost angetaut und der Boden dadurch schwer zu befahren.
Weiterreise mit Hindernissen
Bei der Weiterreise von Indien nach Thailand hatten sie Probleme mit dem Visum. "Die indische Bürokratie ist schrecklich", findet Daniel. Sie mussten länger bleiben und steckten sich in dieser Zeit mit Denguefieber an. Thailand dagegen sei mit Blick auf Sauberkeit und das Einhalten von Regeln fast schon ein Kulturschock gewesen. In Vietnam erlebten sie die Hochzeit eines Freundes. Es folgte noch ein Trip nach Kambodscha und Malaysia. "Und da waren unsere fünf Jahre vorbei", stellt Melanie fest. Die Heimreise hätten sie ohne Reue angetreten. "Es war einfach Zeit. Wir haben unsere Familien und Freunde vermisst."
Im Augenblick planen sie ihren nächsten Trip. "Wir haben unsere Reiselust nicht verloren", versichern beide. Doch bevor es wieder losgeht, soll erst ihr Sohn etwas älter werden: "Wir werden auch nicht mehr mit Rädern losfahren, sonst könnten wir den Kleinen ja nicht mitnehmen." Wohin es gehen soll, wollen beide noch nicht verraten. "Es gibt noch Länder, die auf unserer Wunschliste stehen", macht Daniel neugierig. Bis dahin nutzen sie die Zeit, um ihre Akkus aufzuladen und natürlich ihre Familie und Freunde zu treffen. "Meine Oma hat ihren Urenkel noch nicht gesehen", erzählt Daniel. Das ist die nächste Verabredung, die die Familie in Gengenbach hat.







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