"Lese-Lenz-Preis der Thumm-Stiftung"
Michael Stavarič ausgezeichnet

Michael Stavarič
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Hausach (ag). Normalerweise wird der "Lese-Lenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur" in der vollbesetzten Hausacher Stadthalle übergeben. Doch was ist in Zeiten von Corona schon normal? Kurator José F. A. Oliver und die stellvertretende Kuratorin Ulrike Wörner dürfen darauf stolz sein, dass sie unter schwierigen Rahmenbedingungen überhaupt den 23. Hausacher Lese-Lenz auf die Beine stellen konnten. So musste der Kreis bei der diesjährigen Preisverleihung an Michael Stavarič im schönen Garten des Gasthauses "Zur Eiche" klein bleiben. Dafür war der Festakt umso stimmungsvoller.
Der Preisträger ist kein Unbekannter in Hausach und den Lese-Lenz-Besuchern bereits aus Veranstaltungen der vergangenen Jahre bestens bekannt. Wie Ralf Schönfelder, Lesezeichen e. V./Thüringer Büro für Literatur und Kunst, in seiner Laudatio berichtete, wurde Michael Stavarič in der damaligen Tschechoslowakei geboren und kam als Siebenjähriger mit seiner Familie nach Österreich, wo er heute noch lebt.  Der 48-jährige Schriftsteller verfasst Lyrik und Prosa, ist Übersetzer und Herausgeber.

Jury-Begründung

Den mit 5.000 Euro dotierten Preis übergaben Doris Sistiaga-Thumm, Stiftungsvorstand der Thumm-Stiftung, und Bürgermeister Wolfgang Hermann. Die Begründung der Jury: "Ich las und wurde älter, die Haare wuchsen und ergrauten, und irgendwann meinte ich sogar, Bartstoppeln zu verspüren, doch dann war ich wieder nur ein Kind, schreibt Michael Stavarič in seinem Roman 'Brenntage'. Dieses Kind ist oft anzutreffen im Ozean seiner Romane. Es ist ein Hin- und Herwogen zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein, zwischen Geborgenheit und Bedrohung, Nähe und Entfremdung.
So wie in den Romanen für Erwachsene Kinder oder die Kindheit eine zentrale Rolle einnehmen, so erwachsen sind die Themen und Sprache in Stavaričs Bilderbüchern. Zwischen kleinen Sensenfrauen,  Menschenscheuchen oder Elsternkönigen, Metzgereien, Zoohandlungen,  Raumschiffen und Brandherden aller Art. Ob für Erwachsene oder Kinder – Michael Stavaričs Bücher sind  zeitlos und gleichzeitig in der Gegenwart verhaftet, sie verknüpfen Archaisches mit Gegenwärtigem, Zukunftspessimistisches mit  Utopischem. Es sind Bücher voller Sprachspiele, aberwitziger Ideen und tragikomischen Plots, die sich wohltuend vom Mainstream abheben. Mit großer Wucht und Weisheit vermag Michael Stavarič  in seinen Romanen und seinen Kinderbüchern das Immerkindsein in all seinen Ausprägungen wieder und wieder von Neuem zu erschaffen.
Einblicke in sein Schaffen bot Michael Stavarič bei einer Lesung aus seinem jüngsten Roman „Fremdes Licht“. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Nnella, die José F. A. Oliver als "die Stimme Österreichs" bezeichnete.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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