Im Gespräch mit José F.A. Oliver
„LeseLenz“: sportlich mit Gedicht in Braille-Schrift

Kurator und Literatur-Festival-Gründer José F.A. Oliver
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Das Programm für den „Hausacher LeseLenz“ vom 22. Juni bis 1. Juli steht. Daniel Hengst befragte Kurator und Literatur-Festival-Gründer José F.A. Oliver.

Welche Idee führte zum Titel „ur:Sprünge. Literatur, Körper und Bewegung“ für den „19. Hausacher LeseLenz“?
„Körper und Bewegung“ wollte ich schon immer einmal zum Motto unserer
Literaturtage machen. Das Leitmotiv spannt sich als roter Faden durch
den gesamten diesjährigen „LeseLenz“. Wenn man an diese beiden Begriffe
denkt, gehört auch der Sport unweigerlich dazu. Deshalb werden wir auch
mit einem Olympia-Buch (Ilija Trojanow „Meine Olympiade“ – erscheint im
Mai – und mit den Texten einer ehemaligen Leistungssportlerin aus der
DDR, Prof. Ines Geipel, eröffnen. 1984 stellte sie, damals unter dem
Namen Ines Schmidt, gemeinsam mit Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und
Marlies Göhr als Staffel des SC Motor Jena in Erfurt mit 42,20 Sekunden
den bis heute bestehenden Vereins-Weltrekord über 4x100 Meter auf, von
der DDR zwangsgedopt. Sie hat diese Geschichte aufgearbeitet und ist
heute die Vorsitzende der „Doping-Opfer-Hilfe“ in Deutschland. Es wird
eine Mischung aus Lesung und Gespräch geben, von Andras Platthaus, dem
Literaturchef der FAZ, moderiert. Auch das freut mich sehr.

Veranstaltungen für Menschen mit Hörbehinderungen und Sehbehinderungen: Wie kommt dieses Angebot an?
Ich hoffe sehr gut. Wir haben ja im vergangenen Jahr damit angefangen,
Teile von Lesungen in die Gebärdensprache übersetzten zu lassen und
stehen seither in einem regen Austausch mit Institutionen, die in diesem
Bereich fachkundig tätig sind und sich auskennen. Ich denke, wir haben
viel dazu gelernt. Dieses Jahr werden wir auch ein Gedicht in die
Braille-Schrift, vielleicht besser verständlich unter dem Begriff
„Blindenschrift“, veröffentlichen.

Ilija Trojanow betreut die Reihe „Vielstimmiges Afrika“ und ist immer wieder mit der
Moderation betraut. Was bringt Trojanow zur Eröffnungsveranstaltung mit?

Er hat sich seit 2012 weltweit 80 olympischen Einzeldisziplinen gestellt, teilweise mit einem persönlichen Trainer. Dabei kam er immer wieder mit Leistungssportlern zusammen, sprach mit
ihnen und setzte sich mit dem Sport und vor allem mit sich selber sehr
intensiv auseinander. Der Amateur, der mindestens halb so gut sein
wollte wie die olympischen Götter, trat an im Diskus-, Hammer- und
Speerwurf, Kajak, Ringen, Boxen, Judo, Langlauf, Zehnkampf, Schwimmen...
Sein Buch „bietet einen einzigartigen, faszinierenden Einblick in die
Welten und Milieus des Sports. Es ist eine ebenso kluge wie
humorvoll-selbstironische Reflexion über Grenzen, über die Beziehung von
Geist und Körper und über das Älterwerden“, so die Ankündigung des
Fischer Verlages. Ich bin sehr gespannt.

Was ist beim „LeseLenz“ neu?
Wir haben eine Kooperation mit 14 europäischen Literaturfestivals
unterzeichnet. Das Projekt heißt Versopolis. Wir sind das einzige
Festival aus Deutschland, das mit von der Partie ist, und erhalten dafür
Gelder von der EU, die von Slowenien verwaltet werden. Insgesamt wird
der „LeseLenz“ also noch internationaler. Wir veranstalten in diesem
Jahr aber auch zum ersten Mal Schreibwerkstätten, die über mehrere
Wochen gehen. Eine davon will versuchen, Flüchtlinge und Einheimische in
ein gemeinsames künstlerisch-literarisches  Werk zu motivieren. Die
Werkstatt heißt „Fingeralphabet“.

Autor: Daniel Hengst

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