Rinder und Pferde fühlen sich im Taubergießen wohl
Wilde Weiden: ein Gewinn für Flora, Fauna und Mensch

Ohne Zaun und Stall: Sales-Rinder und Pferde leben im Taubergießen in freier Wildbahn. | Foto: krö
  • Ohne Zaun und Stall: Sales-Rinder und Pferde leben im Taubergießen in freier Wildbahn.
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Kappel-Grafenhausen (krö). Seit April 2015 grasen Salers-Rinder im Auftrag des Naturschutzes und der Landwirtschaft in den Elzwiesen. Das Projekt „Wilde Weiden Taubergießen“ in Kappel-Grafenhausen ist mittlerweile zu einem regelrechten Publikumsmagnet geworden. Als Anerkennung für die geleistete Arbeit wurden die Projektpartner für ihre herausragenden Leistungen zur Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft mit dem zweiten Preis beim Deutschen Landschaftspflegetag ausgezeichnet.

Schon 2013 begann man mit der Projektplanung. Beteiligt sind die Gemeinde, der Landschaftserhaltungsverband Ortenau, das Regierungspräsidium Freiburg, das Landratsamt und Landwirt Tilman Windecker, der auch die Wahl der Rasse getroffen hat, und täglich nach seinen Tieren schaut. Er versteht die Bewirtschaftung als Landschaftspflege und Naturschutz und gewährleistet die Unterhaltung der Flächen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von Prof. Peter Luik, einem Experten für extensive Beweidung aus dem Forschungsbereich, sowie von Dr. Matthias Rupp von der Forstlichen Versuchsanstalt zum Thema Waldweide. Ein kleiner Teil der Nordweide gehört zu den Ausgleichsflächen des Rückhalteraums Elzmündung. Daher sind die Maßnahmen für diese Weidebereiche mit Vertretern des Integrierten Rheinprogramms (IRP) abzustimmen.

Ziel ist es, geschützte Pflanzen und Tiere auf den wilden Weiden zu erhalten und wenn möglich ihre Anzahl und ihre Vielfalt zu erhöhen. Durch die Beweidung soll eine Weiterentwicklung der vorgefundenen Kulturlandschaft zu einer naturnahen Weidelandschaft erfolgen.
Eine komplette Herde der Sales-Rinder bestehend aus zwölf Mutterkühen und einem jungen Bullen sowie Konik-Pferde fressen sich durch die weitläufigen Auewiesen und -wälder. Mittlerweile umfasst der Tierbestand 40 Rinder, vier Kälber und sechs Pferde.

Die großen Pflanzenfresser haben für Veränderungen in diesem Teil des Naturschutzgebiets gesorgt. So entstanden zusätzliche ökologische Nischen für Vögel, Amphibien und Insekten, wobei die bestehenden nicht verschwunden sind. Um den Tieren den Übergang über einen Gewässerseitenarm zu ermöglichen hat man eine Holzbrücke errichtet.

Für Förster Bernhard Ihle ein überaus gelungenes Projekt bei dem die Rinder Mittel zum Zweck sind. Diese und auch die Pferde halten den Wald licht und ermöglichen somit den Aufwuchs niederer Pflanzen.

An einem einprägsamen Beispiel erläutert Rupp, wie Artenvielfalt erzeugt werden kann. Eine Kuh produziert monatlich rund 1.000 Kilo Dung. Dieser Dung kann bis zu 100 Kilo Insekten und Maden hervorbringen, die kleineren Tieren wie Vögeln und Mäusen als Nahrung diesen.

Nächstes Ziel der Projektpartner ist die lokale und regionale Vermarktung der hochwertigen Fleischprodukte, die möglichst regional vermarktet werden sollen. „Wenn wir das Artensterben stoppen wollen, müssen wir die naturnahe Beweidung auf großen Flächen gezielt fördern“, betont Alois Kapfer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung naturnaher Weidelandschaften.

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