Wenige Tage nach OP mit Kunstherz in der Cafeteria

Glücklich nach gelungener OP: Chefarzt Ralf Sodian mit Patient Bosidar Bulic und dessen Frau Tomislava.
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Lahr. Im Mediclin Herzzentrum wurde zum ersten Mal einem Patienten ein sogenanntes
künstliches Herz eingesetzt. Der Eingriff war der erste seiner Art in
der Region. Prof. Dr. Ralf Sodian, Chefarzt der Klinik für Herz-,
Thorax- und Gefäßchirurgie, setzte das Kunstherz in einer sechsstündigen
Operation erfolgreich dem 55-jährigen Kroaten Bosidar Bulic ein. In
einem Pressegespräch berichtete er über diese außergewöhnliche
Operation. 

Diese sei sei im Vorfeld gar nicht geplant gewesen. Eigentlich sollte bei dem Patienten eine OP an der Trikuspidalklappe, die die rechte Herzkammer vom rechten Vorhof trennt, durchgeführt
werden. Untersuchungen hätten jedoch ergeben, dass das Herz des
Patienten äußerst schwach und sein Gesamtzustand sehr schlecht
war. „Deshalb haben wir uns entschlossen, notfallmäßig die Klappe zu
reparieren und parallel dazu ein Kunstherz zu implantieren“, erklärte
Sodian. Dieses Gerät sei das modernste und fortschrittlichste weltweit.
Sodian: „Die alleinige Herzklappenoperation hätte der Patient in seinem
Zustand nicht überlebt.“

Bei einem solchen Eingriff wird nicht das Herz ersetzt, sondern ein Kunstherz wird als zusätzliche mechanische Pumpe in die linke Herzkammer an der Herzspitze implantiert. Dieses 160
Gramm schwere Gerät ist mit dem Herz verbunden und unterstützt das
schwache Organ dabei, das Blut durch den Körper zu befördern. Bis zu
zehn Liter Blut in der Minute werden durch das System von der linken
Herzkammer in die Aorta gepumpt. Angetrieben wird das Kunstherz durch
eine Turbine mit einer Leistung von 4000 Umdrehungen in der Minute.
Somit  ist ein kontinuierlicher Blutfluss gewährleistet. Zum System
gehören weiterhin eine Steuerelektronik und Batterien, die der Patient
an einem Gürtel trägt und über ein durch die Bauchdecke verlegtes Kabel
mit dem Kunstherz verbunden sind. 

Mit diesem Kunstherz kann nicht nur die lange Wartezeit auf ein Spenderherz überbrückt
werden, sondern diese moderne Technik ermöglicht es mittlerweile vielen
Menschen, jahrelang mit einem solchen Gerät zu leben. „Der Patient hat
sich nach dem Eingriff sehr gut erholt und konnte sich bereits wenige
Tage nach der OP selbstständig auf der Station bewegen, ja sogar die
Cafeteria besuchen,“ berichtete Sodian.

„Die Operation ist eigentlich der schönste Teil, bei dieser ganzen Geschichte“, gab der
Chirurg den erstaunten Journalisten zu verstehen. Vorher sei eine
sichere Diagnostik allerdings absolut notwendig. Auch der Zeitpunkt der
Implantation sei von entscheidender Bedeutung. Er habe, so der Chefarzt,
ein paar Tage in der Klinik geschlafen, damit er den Patienten
beobachten konnte. Diese Patientengruppe sei für ihn nicht neu. Solche
Operationen habe er schon mehrere Male an seiner früheren Stelle in
München durchgeführt. 

Im Anschluss an die Behandlung in Lahr tritt Bulic eine Rehabilitation in der MediClin Albert-Schweitzer-Klinik in Königsfeld an. Danach wird er wieder in seine Heimat Kroatien in die
Nähe von Split reisen, wo man ihn für eine Herztransplantation
evaluieren wird. „Wir haben hier unser Möglichstes getan, und ich bin
sicher, die Kollegen in Kroatien tun dies auch,“ betonte Sodian, der
sich für die tolle Unterstützung durch die Klinikleitung, das Personal
und auch der Krankenkasse bedankte. Denn mit rund 100.000 Euro in
Vorleistung zu treten, sei für die Klinik kein Pappenstiel gewesen.

Ein glückliches Ehepaar Bulic bedankte sich dann auch noch einmal
ausdrücklich.„Ich hatte schon vor der Operation ein gutes Gefühl und war
mir sicher, dass alles gut geht,“ so Bulic. Auch seine Frau Tomislava
ist zuversichtlich, dass ihr Mann, wenn alles normal verläuft,
irgendwann wieder in seinen geliebten Weinberg gehen kann. Die Frage, ob
man nun beabsichtige, diese Art von Operationen wie an den Unikliniken
in Freiburg und Heidelberg regelmäßig durchzuführen, ließ Sodian offen.

Autor: krö

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