Geschichtstour zum Westwall
Vergangenheit und Gegenwart verbinden

Ein Teil der Gruppe vor dem Eingang des Museumsbunker Emilie in Altenheim | Foto: privat
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  • Ein Teil der Gruppe vor dem Eingang des Museumsbunker Emilie in Altenheim
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  • hochgeladen von Christina Großheim

Meißenheim/Neuried (st) Rund 25 Bürger aus Schwanau, Meißenheim und Neuried – im Alter zwischen 15 und 75 Jahren – nahmen am Samstag, 1. August, im Rahmen der Riedwoche an einer besonderen Geschichtsexkursion teil, organisiert vom Heimat- und Kulturverein Meißenheim und der Reservistenkameradschaft Neuried. Beide Vereine werden von Alexander Schröder als 1. Vorsitzendem geführt, der die Tour begleitete und mit einem eindrucksvollen Vortrag die historischen Hintergründe des Westwalls, der regionalen Ereignisse der 1930er sowie 1940er-Jahre und den Jahren nach dem Krieg erläuterte.

Dunkles Kapitel

Startpunkt war um 15.30 Uhr an der Kirche in Meißenheim, von wo aus die Gruppe zunächst das Grab von Friederike Brion besuchte. Von dort führte die Route über die Meißenheimer Gemarkung – vorbei an im Wesentlichen überschütteten Bunkerruinen – weiter zu historischen Punkten wie dem sogenannten „Sani-“ beziehungsweise „Adolf-Hitler-Bunker“. Die Strecke machte sichtbar, wie nah die Spuren der NS-Zeit auch heute noch im Ried liegen, heißt es in einer Pressemitteilung.
Schröder nutzte die Stationen, um die Teilnehmenden in die Geschichte des Westwalls einzuführen: ein gigantisches Verteidigungssystem, das im Wesentlichen zwischen 1938 und 1940 entlang der Westgrenze entstand und dessen Bau maßgeblich durch die Organisation Todt geprägt war. Er erklärte die politischen Hintergründe der Rheinlandbesetzung 1936, die propagandistische Bedeutung des Westwalls und die Rolle der Region während Sitzkrieg, Westfeldzug und den damit verbundenen Evakuierungsmaßnahmen im Ried. Dabei betonte er, dass er kein Historiker sei, sondern einen verständlichen Überblick geben wolle – und ein Gespür für die „dunkle und schreckliche Vor- und Kriegszeit“ wecken möchte. Der Vortrag wurde angereichert durch Fragen und vor allem persönliche Berichte der Teilnehmer.

Geschichte zum Anfassen

Um 17.45 Uhr erreichte die Gruppe das Bunkermuseum Emilie in Altenheim. Dort wurden die Teilnehmer von Michael Truttenbach, Ideengeber und Initiator der Museumsanlage, empfangen und fachkundig durch die Anlage geführt. Der Bunker Emilie ist einer der wenigen erhaltenen Westwall-Bunker der Region und vermittelt eindrucksvoll, wie Soldaten in solchen Anlagen lebten, arbeiteten und überlebten. Michael Truttenbach wusste detailreich und gekonnt aus der Zeit zu berichten und konnte die Anlage und das Leben in einem Bunker in den historischen Kontext bestens einfügen.
Ein besonderer Moment entstand zum Abschluss der Führung: Die Gruppe sah die Stiefel eines Meißenheimer Bürgers, der nach dem Krieg mit genau diesen Schuhen den langen Weg zurück in die Heimat antrat – mit der Auflage, das Grab von Friederike Brion zu pflegen. Die Stiefel sind heute als Dauerleihgabe im Bunker Emilie ausgestellt. Damit schloss sich für die Teil-nehmenden der Kreis der Geschichtstour: vom Grab, das gepflegt werden sollte, über die historischen Orte der NS-Zeit bis hin zu den persönlichen Spuren eines Heimkehrers.

Gemeinsamer Ausklang

Gegen 20.30 Uhr endete die Tour mit einem geselligen Abschluss auf dem Außengelände der Reservistenkameradschaft Neuried. Dort bot sich Gelegenheit, das Erlebte nachwirken zu lassen, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Kooperation zwischen Heimat- und Kulturverein Meißenheim und der RK Neuried zeigt, wie lokale Geschichtsarbeit heute aussehen kann: offen, generationsübergreifend, verständlich und nah an den Menschen. Die Tour verband historische Fakten, regionale Besonderheiten und persönliche Lebensgeschichten – und machte deutlich, dass Erinnerungskultur nicht nur aus Büchern entsteht, sondern vor Ort, im direkten Erleben und im gemeinsamen Austausch.

Ein Teil der Gruppe vor dem Eingang des Museumsbunker Emilie in Altenheim | Foto: privat
Blick in den Bunker | Foto: privat
Blick in den Bunker | Foto: privat

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