• 30. Januar 2018, 17:47 Uhr
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Traumberuf: Christina Obergföll
Die Weltmeisterin konnte ihr Hobby zum Beruf machen

Christina Obergföll kann auf eine erfolgreiche Sportkarriere zurückblicken. 
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Christina Obergföll kann auf eine erfolgreiche Sportkarriere zurückblicken.  (Foto: privat)

Offenburg. Wenn sie ihren Beruf nennen, bekommen andere leuchtende Augen. Schon kleine Kinder erklären, später einmal in einem solchen Job arbeiten zu wollen. Doch sind diese Traumberufe tatsächlich nur mit Freude verbunden oder gibt es auch Schattenseiten? In unserer Serie haben wir diejenigen gefragt, die es wissen müssen. Dagmar Jäger sprach mit Christina Obergföll, die sich dem Leistungssport verschrieben hat.

Einmal ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen oder mit der Mannschaft einen Pokal holen – davon träumen viele junge Sportler. Ein paar von ihnen schaffen es zu Deutschland-, Europa- oder Weltmeisterschaften und gar zu Olympia. Wann weiß man eigentlich, dass man Speerwurfweltmeisterin werden will? "Ich war schon als kleines Mädchen eine begeisterte Leichtathletin. Mit neun Jahren saß ich vor dem Fernseher und habe Olympia geschaut. Da wusste ich es: Ich will auch dahin", erinnert sich Christina Obergföll. Ihr Traum von einer Medaille war geboren.

Wer Leistungssportler werden will, muss über die körperlichen Voraussetzungen hinaus über enorme Disziplin, Zielstrebigkeit und Ausdauer verfügen. "Sportler ist kein normaler Beruf. Wer sich dafür entscheidet weiß, dass er das nicht bis zur Rente auf höchstem Niveau durchziehen kann. Dazu kommt, dass jederzeit ein verletzungsbedingtes Aus möglich ist", sagt Obergföll. Deshalb war ihr wichtig, neben der sportlichen Karriere das Abitur zu machen und ein Studium aufzunehmen. Als Berufssportler ist es auch wichtig, Sponsoren zu finden. Christina Obergföll hatte das Glück, schon zu Beginn ihrer Karriere finanzielle Unterstützung vom Inhaber einer großen hiesigen Firma zu bekommen. Die meisten Sponsoren fördern nur Sportler, die bereits Erfolge erzielt haben. Das macht es für junge Nachwuchstalente oft schwer, ihre sportliche Tätigkeit gerade in der Aufbauphase finanzieren zu können.

Für Christina Obergföll war die Bundeswehr mit ihrer Förderung von Leistungssportlern keine Option. Sie wollte unabhängig bleiben und ihren Weg selber planen. Sie arbeitete sich mit ihren Erfolgen hoch, wurde ab dem Jahr 2000 mehrmals deutsche Juniorenmeisterin. 2004 wurde ihr Traum aus der Kinderzeit wahr: In Athen war sie bei Olympia mit dabei. Ein Jahr später wurde sie in Helsinki Vizeweltmeisterin im Speerwurf. Um solche Leistungen zu erbringen, muss man sich auf den Sport fokussieren. Von 2005 bis 2016 war sie deshalb Berufssportlerin. Training und Wettkämpfe bestimmten ihren Alltag. "Ich konnte von dieser Tätigkeit leben, dank der Unterstützung meiner Sponsoren und den Preisgeldern, die ich durch meine Erfolge erzielt habe", erinnert sie sich.

Zu dieser Zeit konzentrierte sie sich voll auf den Sport. "Wer ganz oben dabei sein will, muss Prioritäten setzen. Das Studium habe ich runtergefahren, um meine Sportzeit voll auszunutzen und meinen großen Traum wahr werden zu lassen." Ihr größter Erfolg: die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Moskau im Jahr 2013.

Hat sie den Eindruck, etwas verpasst zu haben? "Nein. Ich hatte zwar nicht die Möglichkeit, beispielsweise ein Jahr im Ausland zu verbringen, um mich dort länger umzusehen. Aber ich bin trotzdem in der Welt herumgekommen. Mein Umfeld war international und mein Sport meine Erfüllung", sagt sie. Ihr Zeitmanagement war dabei so optimal, dass sie während ihrer Sportlerzeit den "Master in Gesundheitsmanagement" und den "Bachelor in bewegungsbezogener Gesundheitsförderung" erreichte. Auch für die Hochzeit mit Mann Boris und die Gründung einer Familie schuf sie sich Freiraum. Der zweimalige WM-Dritte im Speerwurf ist seit 2012 ihr Techniktrainer. 2016 beendete Christina Obergföll ihre Karriere als Berufssportlerin. Heute ist sie für eine Krankenkasse unterwegs und gibt ihre Erfahrungen in Vorträgen und Kursen über Gesundheitsmanagement weiter. Und sie engagiert sich sozial wie im "Förderverein für krebskranke Kinder e. V. Freiburg".

"Ich würde alles wieder genauso machen. Ich bin so dankbar dafür, dass mir die Möglichkeiten geboten wurden, mein Hobby zum Beruf zu machen!"

Christina Obergföll kann auf eine erfolgreiche Sportkarriere zurückblicken. 
Fokussiert und selbstbewusst: Damit hat Obergföll viel erreicht.

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