Sonntagsporträt
Am Ende spielt seine Familie die erste Geige

Michael Güttlers ist als Dirigent weltweit bekannt.
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  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Sebastian Thomas

Ohlsbach. Bedächtig wählt Michael Güttler seine Worte, bevor er antwortet. Man merkt: Er möchte sich nicht kurz fassen. Das wäre auch nicht sein Anspruch. Lieber soll das Gesagte richtig sein. Richtig – ein Wort, was er wohl auch öfters von seinem Vater Ludwig – dem bekannten Trompeter – hörte.

Dieser hat sich zwar laut Aussage von Michael Güttler nicht sehr in den Werdegang seiner Kinder eingemischt. Dennoch, sein Vater hatte eine Maxime, nämlich: "Wenn du etwas gefunden hast, was dir gefällt, dann kämpfe." Und das tat er: Michael Güttler wurde zu einem der renommiertesten Dirigenten weltweit.

Der Werdegang des heute 52-Jährigen nimmt seinen Lauf im sächsischen Erzgebirge, in einem Ort mit Namen Steinheidel. In seinen ersten vier Jahren zieht die Familie aufgrund der Reisetätigkeit des Vaters oft um. Schließlich endet die Reise in Dresden. Dort besucht Michael Güttler die sogenannte Kreuzschule – ein Gymnasium mit musischer Ausrichtung.

Er wird Assistent des Chordirektors, leitet Konzerte. An dieser Stelle wird eine wichtige Weiche in seinem Leben gestellt: "Mir wurde quasi suggeriert, ich sollte doch Dirigent werden", sagt Michael Güttler. "Ich wäre selbst nie darauf gekommen." Er erklärt auch warum: Seine Interessen sind vielfältig. "Ich mochte die Mathematik und war auch auf vielen Matheolympiaden." Darüber hinaus interessiert er sich für Geschichte und die Kunst – ein Dasein als Dirigent kommt da – noch – nicht vor.

"Der erste Impuls kam nicht von mir", gibt er zu. "Ich bin Dirigent geworden, ohne das ich es gewollt hätte." Der 52-Jährige bereut die Entscheidung nicht: "Die Leute hatten recht. Es liegt mir am Herzen." In einem Orchester könnte er ohnehin arbeiten: "Mein erstes Instrument war eine Geige", erzählt er. Außerdem spielt er Trompete, kann problemlos Klavier spielen. "Für meinen Beruf sollte man überall mal 'ein wenig Staub gewischt haben'", umschreibt der Dirigent, die nicht alltägliche Fähigkeit, eine Vielzahl an Instrumenten zu spielen.

Der Grundstein seiner Karriere liegt in Italien

Er spricht bei der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden vor. Die lakonische Antwort von dort: "Wenn sie wollen, würden wir sie nehmen." Er besteht die Aufnahmeprüfung, studiert und wird Dirigent. Doch seine Lehrjahre verbringt er nicht in der sächsischen Landeshauptstadt, sondern im fernen Italien: 1995 geht er ans Teatro San Carlo in Neapel. Dort bleibt er volle vier Jahre lang, dirigiert über 70 Vorstellungen. "Die Station in Italien war der Grundstein für meine Karriere", sagt er.

Hier lernt er, was es heißt, Operndirigent zu sein. Italienisch wird seine zweite Muttersprache. Das ist ihm auch wichtig: "Ich denke, um ein italienisches Stück zu inszenieren, muss ich auch die Sprache können." Nach Italien folgt Klagenfurt in Österreich. Als Chefdirigent am Stadttheater vergrößert er das Orchester – zur damaligen Zeit unvorstellbar. 2003 ist er Gastdirigent am Mariinski-Theater in St. Petersburg. Dort springt er für den erkrankten Chefdirigenten Valery Gergiev ein und leitet die Inszenierung von Richard Wagners "Der Ring der Nibelungen".

Die Zusammenarbeit läuft bis heute. Von 2005 bis 2007 ist er Generalmusikdirektor am Opernhaus in Jekaterinburg in Russland. In dieser Zeit und darüber hinaus ist er als Gastdirigent viel unterwegs: Amerika, Japan, Schweden, Spanien. Überall leitet er Konzerte und arbeitet mit Sängern wie Anna Netrebko oder Jonas Kaufmann zusammen.

Schließlich wird er von 2012 bis 2017 Chefdirigent an der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Zu der Zeit lebt Michael Güttler mit seiner Frau und drei Kindern in München. Montag fliegt er nach Helsinki, bleibt über die Woche dort. Einzig Sonntag ist er wieder da. "Meine Familie hat darunter gelitten", sagt er. So entschließt er sich 2014 in der Ortenau ein Haus zu kaufen.

Die Schwester seiner Frau wohnt bereits hier – seine Abwesenheit lässt sich so zumindest ein wenig kompensieren. Doch: "Ich würde mich freuen, wenn ich Opernhäuser in der Nähe finden würde." Mit Zürich steht er schon in Kontakt, führt erste Gespräche. Er selbst bezeichnet das Opernhaus als "bestes in der Schweiz". Am Ende des Gesprächs gibt Michael Güttler zu: "Ich würde mich freuen, wenn ich mal mit meinem Auto zur Arbeit fahren könnte."
Sebastian Thomas

Autor:

Sebastian Thomas aus Achern

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