Wie Erkrankung erkennen und wo Hilfe bekommen
Wenn Freude verschwindet - Volkskrankheit Depression

Traurigkeit kann ein Indiz für Depression sein.

Ortenau (mak). Die Auslöser können vielfältig sein und oft ist die Krankheit ihnen nicht anzusehen. Die Rede ist von Depressionen. Laut der Weltgesundheitsorganisation sollen 300 bis 350 Millionen Menschen unter Depressionen leiden. Jeder kann daran erkranken. Von einer Depression sprechen Fachleute, wenn die Erkrankten "für einen Zeitraum von mindestens ein bis zwei Wochen eine gedrückte, depressive Verstimmung sowie ein Verlust an Interesse und Freude erleben und die Symptome anhalten und nicht nur wenige Stunden andauern", erklärt Dr. Ulrich Frommberger, Chefarzt Erwachsenenpsychiatrie der "MediClin Klinik" an der Lindenhöhe in Offenburg. Hinzu würden Symptome wie Traurigkeit, innere Leere, der Rückzug von anderen Menschen und Suizidgedanken kommen. Die Stimmung sei oft nicht aufhellbar. "Nicht alle Symptome müssen aber vorhanden sein", so Frommberger. 

Auf welche Anzeichen achten?

Auf welche Anzeichen sollten Angehörige achten? Eine Depression lässt sich für sie an Symptomen wie Appetitverlust, Gewichtsabnahme, Schlafstörungen, Unruhe oder Verlangsamung in der Bewegung und im Denken erkennen. "Die Patienten leiden unter Störungen der Konzentration und fühlen sich oft müde und ohne Energie", so Frommberger. Auch Schuldgefühle und Gedanken, weniger wert zu sein, können ein Indiz für eine Erkrankung sein. "Auch Todeswünsche bis hin zu konkreten Suizidhandlungen können auftreten", erklärt Frommberger. 

Kritischer Blick auf Lebensumstände

Um den Betroffenen helfen zu können, sollten Angehörige zunächst einmal feststellen, ob entsprechende Symptome vorhanden sind. Der Experte rät, die Beobachtungen anzusprechen und nachzufragen. Es solle ein kritischer Blick auf die Lebensumstände geworfen werden: Stress, Überlastung, Konflikte am Arbeitsplatz oder in der Familie würden mögliche Ursachen sein können. Es solle aber auch geprüft werden, wie achtsam man miteinander umgehe, rät Frommberger. Wenn Patienten nicht mehr reagieren und sich vollkommen zurückziehen würden, Sorgen und Ängste überhand nehmen würden und nicht mehr real seien sowie immer konkreter werdende Suizidgedanken auftauchen würden, würden Angehörigen nicht mehr helfen können, sondern dann würden nur noch ausgewiesene Fachleute helfen.

Beratung und Gruppenhilfe

Angehörige bekommen beispielsweise beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Lahr oder der Psychologischen Beratungsstelle Lahr sowie in Selbsthilfegruppen in Hausach, Lahr, Oberkirch, Offenburg und Sasbach Hilfe. "Angehörige psychisch Erkrankter erleben es oftmals als sehr entlastend, sich mit anderen Menschen in einer ähnlichen Situation auszutauschen", so Ullrich Böttinger, Leiter des Amtes für Soziale und Psychologische Dienste beim Landratsamt des Ortenaukreises. Denn gerade wenn Elternteile an einer Depression leiden, wirke sich dies immer auch auf das Familiensystem aus.  

Das Risiko an einer Depression zu erkranken liege laut Experten bei 15 bis 20 Prozent. "Depression ist die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung", erklärt Böttinger. Epidemiologisch würden Depressionen nicht zunehmen, "aber das Hilfesuchverhalten ändert sich. Menschen sprechen über depressive Stimmungslagen", bestätigt Frommberger. Das Stigma einer Depression nehme ab. Man werde nicht mehr so schnell ausgegrenzt, so der Mediziner abschließend.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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