Glänzende Feen, hässliche Kobolde und das Grüselhorn

Burgruine Hohengeroldseck beim Burgfest im vergangenen Jahr aus der Vogelperspektive. In diesem Jahr steigt das Fest am kommenden Wochenende, 5. und 6. September.
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  • Burgruine Hohengeroldseck beim Burgfest im vergangenen Jahr aus der Vogelperspektive. In diesem Jahr steigt das Fest am kommenden Wochenende, 5. und 6. September.
  • Foto: Gemeinde Seelbach
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Der Blick von hier oben ist einfach herrlich, die Aussicht ins Kinzigtal, auf der anderen Seite hinüber in die Rheinebene und zu den Vogesen. Herrliches und Sagenhaftes hat sich hier
auch abgespielt auf der Hohengeroldseck auf Gemarkung des Seelbacher
Ortsteils Schönberg. Herrliches erwartet auch den Gast, der für die
Öffentlichkeit etwas darüber schreiben möchte, welche seltsamen Dinge
sich hier oben auf und in der Burg zugetragen haben: über Feen
beispielsweise, Kobolde und das berühmt-berüchtigte Grüselhorn.

Den Gast erwarten – nachdem er auf der Passhöhe zwischen Lahr und Biberach
angekommen ist und dann automobil den stetig steigenden Weg bis kurz vor
der heutigen Burgruine zurückgelegt hat – Burgvogt Josef Ringwald sowie
dessen als Magd fungierende Ehefrau Martina und ihre Magdkollegin
Siegrid Schäfer, Gattin des Seelbacher Bürgermeisters Thomas Schäfer,
der ebenfalls anwesend und dem die Burgruine ein Herzensanliegen ist.
Selbstredend ist er auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft, die
sich mit Erfolg den Erhalt der Ruine auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Großartig, denkt und fühlt der Gast, der – neben der Begrüßung mit „Geroldsecker
Sekt“ und einer handfesten Reise in die kulinarische Vergangenheit unter
anderem mit selbst zubereiterer Butter sowie einem „Geroldsecker Bier“ –
insbesondere vom aus Biberach stammenden Burgvogt, der wie seine beiden
Mägde in authentischer Ausstattung erschienen ist, vieles über die
Geschichte der Geroldsecker und der gleichnamigen Burg erfährt.
Insbesondere er und Sieglinde machen das und sehen die heutige Burgruine
nicht nur sprichwörtlich mit „Herzblut“: Sie sind wirklich mit ganzen
Herzen dabei.

Klar ist: Die Geschichte der Burg ist umrankt von merkwürdigen  Begebenheiten. Wir wollen es hier bei dem Sagenhaften bewenden lassen und fangen am besten mit den Feen an. Thusnelda, Gattin des auf der Geroldseck residierenden Grafen Gerold, war demnach in der
dritten Nacht nach der Geburt ihres gleichnamigen Sohnes Merkwürdiges
widerfahren. Lichtglänzende Wesen erschienen, die sich über die Wiege
beugten. Eine der Feen küsste das Kind und begrüßte den neuen
Erdenbürger als „edlen Herren ersten Sproß auf stolzer Höh‘ geboren“.

Doch nicht nur Feenhaftes ist der Gräfin nach der Geburt ihres Sohnes
widerfahren. Ebenfalls nachts vernahm sie Geräusche als wenn kleine Füße
eilig hin und her tippelten. Groß war ihr Erschrecken, als sie überaus
zahlreiche ebenso kleine wie hässliche Wesen – zweifellos handelte es
sich um Kobolde – an der Wiege ihres Sprösslings entdeckte. Die
hässlichste Kreatur beeindruckte mit einem ebenso hässlichen Gekichere:
„Hi, hi, hi! Was wird jetzt wohl werden? In den Bergen noch mehr gebohrt
und rumort als bisher?“

Das Prinzlein brauche Silber, man werde sich an ihm schadlos halten. Missmut machte sich derweil bei den anderen Kobolden breit, die in der Wiege einen „köstlichen Prinzen“
wahrnahmen und die Tatsache, dass diesen bereits die Feen für sich
auserlesen hatten. Fazit: „Der Kobold muss weichen.“ Ein mächtiges
Durcheinander sah darob die zitternde Gräfin, dann war der Spuk vorbei.

Keine Feen, sondern ein Grüselhorn halfen Walter von der Geroldseck auf die
Sprünge, nachdem er von einer Horde seines ihm in Feindschaft
verbundenen Vetters Diebold von der Lützelhardt auf einer Jagd allein
mit seinem Hund entführt und in ein finsteres Verlies eingesperrt worden
war. Drei Tage lang waren die Schergen mit ihrem Opfer, dem sie die
Augen verbunden hatten, umhergezogen, damit Walter nicht wusste, wo er
sich befand. Das war auch so, bis durch ein Loch ein ihm bekannter
Hornruf an seine Ohren drang: das Grüselhorn. Jetzt wusste er, dass er
auf der Burg Lützelhardt eingesperrt und Diebold sein Peiniger war.

Jetzt offenbarte sich Walter seinem Wärter, der kein Wort mit ihm wechseln
durfte und selbst seinem Herrn zugeneigter Geroldsecker Leibeigener war.
Beide flohen, als das Lützelhardt-Gesinde an einem Pfingstfeiertag in
der Seelbacher Kirche war. Indes: Auf der Geroldseck angekommen, mochten
seine Söhne in der elenden Gestalt zunächst nicht ihren Vater erkennen.
Hedwig, die Gemahlin, schuf jedoch Klarheit. Ein Freudenfest auf der
Geroldseck und in der ganzen Umgebung folgte. Diebold jedoch konnte bei
einem Rachefeldzug der Geroldsecker seine Burg nicht halten und floh.
Seine Gefolgschaft, die er übel behandelte, hatte den Dienst verweigert.

Am Anfang seines Endes stand das Grüselhorn, das für Walter zum Initiator seiner Rettung wurde. Eine von zahlreichen Burggeschichten – Hoch oben auf der Geroldseck weht, wovon sich auch  der Gast bei seinem Besuch überzeugen konnte, noch immer mehr als nur ein Hauch von diesen
Geschichten.

Autor: Norbert Rößler

Burgruine Hohengeroldseck beim Burgfest im vergangenen Jahr aus der Vogelperspektive. In diesem Jahr steigt das Fest am kommenden Wochenende, 5. und 6. September.
Lassen authentisch alte Zeiten wieder aufleben: Burgvogt Josef Ringwald mit den Mägden Martina (links) und Siegrid, die bei Führungen im Wechsel mit dem Vogt mit manchen Anekdoten, Sagenhaftem und auch Amüsantem aufwartet.

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