Stichwort Bildung: Besuch in der Moscherosch-Schule in Willstätt
Die Hürden müssen nicht immer gleich hoch sein

Beim individuellen Lernen im Lernbüro sind die Schüler nicht ohne Lernbegleiter.
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Willstätt (dh). Der Weg durch die Bildungseinrichtungen ist klar strukturiert und bietet gleichzeitig vielfältige Wahlmöglichkeiten. In unserer Serie geht es heute um die Gemeinschaftsschule am Beispiel der Moscherosch-Schule Willstätt.
"Der Startschuss für die Gemeinschaftsschulen fiel im Jahr 2012, die Moscherosch-Schule kam in der dritten Runde, im Jahr 2014 dazu. In zwei Jahren werden die ersten Schüler ihren Hauptschulabschluss machen, ein Jahr später, 2020, die ersten Realschüler", sagt Rektor Bertram Walter. Das Konzept der Gemeinschaftsschule hat für die Moscherosch-Schule gepasst: "Die Werkrealschule hat nicht mehr die Akzeptanz und ist fast am Aussterben. Zudem waren wir bereits auf dem Weg, den Schülern individuelles Lernen zu vermitteln. Insgesamt hat die pädagogische Ausrichtung der Gemeinschaftsschule gut gepasst." Für Schüler gibt es Herausforderungen und Hindernisse in ihrer schulischen Entwicklungsphase. Es stellt sich die Frage: Wie geht die Gemeinschaftsschule damit um? "Es macht nicht immer Sinn, in allen Bereichen über die gleich hohen Hürden zu müssen. In Englisch ist vielleicht das mittlere Niveau richtig, in Mathematik Gymnasialniveau und in Deutsch kann es ganz anders sein", so Walter. Diese Flexibilität bieten die Gemeinschaftsschulen in jedem Jahrgang in jeder Klasse. "Wir gehen darauf ein, was ein Kind mitbringt. Dabei nehmen wir Rücksicht auf die Entwicklungsschritte", so Walter. Vorteile der Gemeinschaftsschule sind, dass keine schulartspezifische Trennung nach Klasse vier erfolgt, das Lernen auf den Bildungsstandards der Hauptschule, Realschule und des Gymnasiums immer möglich sind, sogar in einzelnen Fächern, damit werden Stärken gefördert. Die Schüler sollten zwar gefordert werden, Herausforderungen suchen, aber immer Erfolgserlebnisse in ihren Fächern haben, damit würde sich besser und leichter lernen. Ein Schulwechsel, sei es von Hauptschule auf die Realschule oder vom Gymnasium auf die Realschule, ist nicht notwendig. Die Kinder bleiben in ihrem angestammten Umfeld. "Wir Lehrer streben mit unseren Schülern den höchstmöglichen Schulabschluss an und führen sie dorthin", so Walter. Vorteilhaft ist auch, dass eine späte Entscheidung über den angestrebten Schulabschluss möglich ist. "Erst im Jahr vor dem Schulabschluss fällt die Entscheidung. In Klasse acht, ob in Klasse neun der Hauptschulabschluss abgelegt werden soll, in Klasse neun, ob in Klasse zehnder Realschulabschluss gemacht oder die Versetzung in die Eingangsklasse der gymnasialen Oberstufe angestrebt werden soll. Im Abschlussjahr erfolgt der Unterricht in allen Fächern auf dem Niveau des angestrebten Abschlusses", erklärt Rektor Walter.
Die Klassen werden an der Gemeinschaftsschule Lerngruppen genannt. Der Teiler der Lerngruppen liegt bereits bei 28 Schülern. Die Zuweisung von Lehrern ist ebenfalls höher. Neben Lehrern aller Schularten sind auch pädagogische Assistenten und FSJ-Kräfte an der Schule. Nicht zu vergessen, der Schulsozialarbeiter, der zwar nicht zu den Lehrkräften gehört, aber eine Fülle von Aufgaben an der Schule erledigt.
Das Lernen wird abwechselnd gestaltet: in Phasen des eigenständigen Lernens sowie individualisierten Unterrichts, in Phasen des Lernens miteinander mit kooperativen Unterrichtsformen, ferner traditionelle Unterrichtsformen sowie Projektunterricht. Passende Schlagworte dazu sind Freiarbeit, Lernwerkstatt, Wochenplan, Lernateliers, selbstorganisiertes Lernern, Projekte, Gruppenarbeit, Präsentationen, Vorträge und Referate. Lehrer an Gemeinschaftsschulen verstehen sich daher als Lernbegleiter, die den Lernprozess der Kinder eng begleiten, initiieren und organisieren. Der Lerncoach berät die Schüler in Fragen ihrer individuellen Lernentwicklung und ist Ansprechpartner bei allen Fragen rund ums Thema Lernen. Das Lerntagebuch dokumentiert den Lernprozess, hält die getroffenen Zielvereinbarungen fest, informiert die Eltern über die Lernentwicklung des Kindes und dient der Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule. Drüber hinaus gibt es regelmäßige Gespräche mit den Eltern und die Schullaufbahnberatung in Klasse acht und neun. Zeugnisse gibt es an Gemeinschaftsschulen in anderer Form. Der Leistungsentwicklungsbericht ist eine verbale Beschreibung der Leistungen des Schülers in den Fächern, dabei wird die Niveaustufe in jedem Fall ausgewiesen. "Nur auf Wunsch der Eltern werden ergänzend Noten aufgeführt, Ausnahme ist das Abschlussjahr, da gibt es auf jeden Fall zusätzlich Noten. Noten werden von den Eltern nicht stark nachgefragt", sagt Walter.
Ein Vorteil der Gemeinschaftsschule ist ferner, dass sie eine Ganztagesschule ist. "Wenn die Schüler nach Hause kommen, dann haben sie keine Hausaufgaben mehr. In Gesprächen mit Eltern stellt sich heraus, dass gerade Hausaufgaben zu Hause immer wieder ein Streit- und Konfliktpunkt sind. Einige Dinge werden die Schüler aber auch zu Hause lernen müssen, das ist nicht ausgeschlossen", so Walter. Unterricht ist unter der Woche nachmittags am Montag, Dienstag und Donnerstag. Mittwochs gibt es unterschiedliche Projekte wie Schulband, Modellbau, Schulgarten und das erlebnispädagogische Angebot. Dafür wird mit Vereinen und dem Jugendzentrum zusammengearbeitet. Etwas Besonderes ist das Angebot im Mittagsband, quasi der Mittagspause: "Wir haben zwei Sporthallen, das Jugendzentrum sowie das Freigelände, dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten. Natürlich können die Kinder auch in die Lernzeit gehen", sagt Walter.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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