Post-Covid-Syndrom
Chefarzt erläutert neue medizinische Erkenntnisse

Prof. Dr. Jürgen Wagner ist Chefarzt der Staufenburg Klinik in Durbach.
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  • Foto: Raphael Pietsch
  • hochgeladen von Daniela Santo

Durbach (rek). "Long Covid kann sich bei jedem anders auswirken", sagte Chefarzt Prof. Dr. Jürgen Wagner vor einem Jahr gegenüber der Guller-Redaktion. Die Aussage stimme immer noch, so der medizinische Leiter der Staufenburg Klinik in Durbach, bei einem aktuellen Besuch in der Reha-Klinik. Aufgrund der zahlreichen Behandlungen und fortschreitender medizinischer Forschung sowie neuer Studien wisse man inzwischen mehr.

Impfung schützt

"Eine Impfung schützt", stellt Wagner klar heraus. Sich einer Reha-Behandlung müssten sich derzeit fast ausschließlich Menschen ohne Impfschutz unterziehen. Aufgrund der höheren Impfquoten und damit eines bestehenden Immunschutzes seien viele Menschen besser für die Omikronvariante gewappnet und entwickeln kein Post-Covid-Syndrom. Aber Langzeit-Ergebnisse dazu könne es noch nicht geben.

Etwa zehn Prozent der infizierten Patienten würden die Folgen einer Post-Covid-Erkrankung durchleben. Die Beeinträchtigungen und Beschwerden hätten eine große Bandbreite. Denn: "Das Virus befällt alle Zellen", so Wagner und zählt Gehirn, Nerven, Herz und andere Organe sowie Gefäße und Muskeln auf. Nur ein geringer Anteil der Patienten würde über nur ein Symptom klagen, 90 Prozent dagegen über mehr als zwei Symptome. Weitere Zahlen: Etwa zwei Drittel der Patienten stehe im Berufsleben, macht Wagner deutlich, dass die Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen den Großteil der Betroffenen ausmache.

Folgen der Erkrankung

Aufgrund der Vielzahl von Beschwerden hätten viele Patienten eine Odyssee an Facharzt-Besuchen hinter sich. "Es ist unser Ziel, die Erkrankten fachgerecht zu behandeln", erklärt Wagner, warum sich acht Reha-Kliniken im Mediclin-Verbund, dem auch die Staufenburg Klinik angehört, mit für Post-Covid relevanten Fachabteilungen zusammengeschlossen hätten. Neben einer spezifischen Diagnostik, einem Konsiliarwesen, abgestimmten Therapien erfolge hierbei auch die wissenschaftliche Begleitung. So seien inzwischen über 2.000 Patienten erfasst, davon 500 Fälle wissenschaftlich analysiert worden.

Es gebe auch Fälle von verzögertem Auftreten des Post-Covid-Syndroms. In solchen Fällen könnten "in Zelltaschen schlummernde Viren" die Verursacher sein, die eben erst später den Körper befielen, so Wagner. Innerhalb 32 Wochen einer Infektion nähmen etwa die Hälfte der Erkrankten eine Reha in Anspruch, "bei den anderen 50 Prozent ist die Erkrankung mehr als 32 Wochen her", so Wagner.

Er berichtet von einer jungen Frau, die sich vor einem Jahr mit Covid infizierte. Heute schaffe sie mit Mühe 30 Watt auf einem Ergometer. Normal in dem Alter sei in dieser Generation das etwa Dreifache. Da durch eine Covid-Infektion direkt, aber auch durch die Folgen der Erkrankung eine psychische Beeinträchtigung gegeben sei, fänden diese Menschen oft schwer wieder in den Alltag zurück, erläutert Wagner, dass Patienten Geduld haben müssten.

Die aktuellen Studien hätten darüber hinaus ergeben, dass 25 Prozent der behandelten Berufstätigen an einer Rückkehr in die Arbeitswelt zweifeln würden, erklärt Wagner die manchmal auch subjektive Belastung durch Long Covid. Aber ohne Optimismus möchte der Chefarzt das Gespräch nicht beenden: "Wir sind medizinisch durchaus nicht hilflos."

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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