Gelände der Heimschule St. Landolin
Größte solarthermische Anlage in Mittelbaden derzeit im Bau

Startschuss für die 112 Hochleistungs-Flachkollektoren

Ettenheim (st). Auf dem Gelände der Heimschule St. Landolin und angrenzend entsteht derzeit eine der größten solarthermischen Anlagen der Region. Im Rahmen eines Vororttermins stellten Bürgermeister Bruno Metz, Eberhard Pfister, Direktor der Heimschule St. Landolin, Ralph Schwörer, stellvertretender Direktor der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, Peter Blaser, Geschäftsführer der ratio energie GmbH, und Martin Oswald für die Fernwärme Ettenheim den aktuellen Stand der Bauarbeiten vor.

Die Fernwärme Ettenheim errichtet östlich des Heimschulareals auf dem Myßberg eine rund 1.800 Quadratmeter große Sonnenkollektorenfläche. Mit der neuen Anlage und der Holzhackschnitzelheizung sollen nahezu 100 Prozent der Wärmeversorgung der Heimschule St. Landolin, des angrenzenden Wohngebiets am Ettenbach und weiterer Gebäude entlang der Otto-Stoelker-Straße CO2-neutral geleistet werden. Wie Schulleiter Eberhard Pfister informiert, können dadurch 225 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr eingespart werden. Angesichts des Leitbildes der Heimschule, die Jugendliche dazu erziehen möchte, Verantwortung für die Zukunft der Gesellschaft zu übernehmen und sich dabei auch für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, ist die umweltfreundliche Energieversorgung der Schule ein wichtiges Element. Unterstützt wird dieses Engagement durch den Schulträger, die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg. Deren Stellvertretender Direktor Ralph Schwörer betont, dass diese Anlage ein weiterer Schritt in Richtung klimaneutrale Diözese 2030 ist.

Bürgermeister Metz sieht in der neuen Solaranlage einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und einen weiteren Mosaikstein im Bemühen der Stadt Ettenheim um eine nachhaltige Energieversorgung. Mit dem Projekt betritt die Fernwärme Ettenheim in dieser Größenordnung komplettes Neuland, erklärt Geschäftsführer Peter Blaser. Im mittelbadischen Raum gibt es kein vergleichbares Projekt in dieser Dimension, so Peter Blaser. Der Erwerb der Aufstellflächen für die Solaranlage war dank der Kooperationsbereitschaft der Grundstückseigentümer kurzfristig möglich, hebt Martin Oswald hervor. Das Zusammenwirken der drei Gesellschafter, Stadt Ettenheim, Schulstiftung und ratio energie ist auch bei diesem Vorhaben vorbildlich, lobt Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz.

Seit über 20 Jahren versorgt die Fernwärme Ettenheim die Heimschule und das Quartier am Ettenbach mit klimafreundlicher Energie. Dank der Kooperation der Stadt Ettenheim und der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg mit der ratio energie als Planungsbüro und geschäftsführender Gesellschafter wird seither die Heimschule St. Landolin mit Internat, Sporthalle und Hallenbad sowie rund 200 Haushalte im benachbarten Wohngebiet über ein Blockheizkraftwerk und eine Heizanlage mit Hackschnitzeln mit klimafreundlicher Energie versorgt.

Zuvor wurden alleine in der Heimschule jährlich etwa 500.000 Liter Heizöl verbrannt – heute wird mit derselben Wärmemenge das gesamte Quartier inkl. der Heimschule mit Wärme versorgt, allerdings mit Holz und damit erheblich umweltfreundlicher. Mit den Jahren wurden weitere Gebäude wie z.B. ein Pflegeheim, zwei betreute Wohnanlagen sowie die Wohngebäude im Stoelkergarten und Gewerbebetriebe an das Netz angeschlossen, das mittlerweile ein Gebiet von 3,6 Kilometer außerhalb des Schulgeländes umfasst.

Die solarthermische Anlage soll künftig das in die Jahre gekommene BHKW ersetzen und die weiterhin bestehende Wärmeerzeugung aus einem Holzhackschnitzelkessel und zwei Öl-Spitzenlastkessel ergänzen. Bisher wurden rund 82 Prozent der benötigten Wärme über Holzenergie und 14 Prozent über das Gas-Blockheizkraftwerk gedeckt. Nur in Notfällen, bei Wartungsarbeiten und sehr niedrigen Außentemperaturen wurden die beiden Öl-Spitzenlastkessel eingesetzt (vier Prozent).

Die Solarthermieanlage soll hauptsächlich den sommerlichen Wärmebedarf decken und die Heizleistung des BKHW in den Sommermonaten ersetzen; der Holzheizkessel ist während der Sommermonate abgeschaltet. So werden durch die Solarthermieanlage Treibhausgasemissionen eingespart.

Als Generalunternehmer für die komplette Solaranlage inklusive der beiden Pufferspeicher wurde im Rahmen eines Bieterverfahren mit internationaler Beteiligung die finnische Firma Savosolar Oyi ausgewählt. Dieses Unternehmen ist seit Jahren darauf eingerichtet, europaweit Großprojekte durchzuführen.

Installiert werden in Ettenheim 112 Hochleistungs-Flachkollektoren, die in 14 Kollektorenreihen aufgeteilt sind. Die Kollektoren wurden in Finnland in einem innovativen Verfahren hergestellt und entsprechen höchsten Industriestandards. Wie Peter Blaser erläutert, erzeugt die Solaranlage bei hoher Sonneneinstrahlung mehr Wärme als im Netz benötigt wird; diese Wärme wird in zwei 100 Kubikmeter großen Pufferspeichern gespeichert und steht dann zur Überbrückung von Betriebszeiten ohne ausreichenden Solarertrag zur Wärmeversorgung zur Verfügung. In umfangreichen Computer-Simulationen wurde ein ausgewogenes und wirtschaftliches Verhältnis von Solaranlagengröße, Pufferspeichervolumen und Wärmebedarf ermittelt.

Mit den Arbeiten wurde Ende August begonnen. Die Kollektoren wurden bereits geliefert; die beiden Pufferspeicher sollen Anfang Dezember aufgestellt werden. Aufgrund des Schulbetriebs werden die Anlieferung und Aufstellung der großen Pufferspeicher eine besondere Herausforderung für die Techniker, da dieser so wenig wie möglich beeinträchtigt werden sollte. Über den Winter wird die Solaranlage dann komplettiert, sodass ab Frühjahr die Kraft der Sonne direkt ins Fernwärmenetz von Ettenheim eingespeist werden kann und die angeschlossenen Schul-, Gewerbe- und Wohngebäude mit regenerativer Energie versorgt werden können.

In die gesamte Maßnahme werden rund 1,3 MillionenEuro investiert. Die Fernwärme Ettenheim erhält hierfür eine Förderung in Höhe von 525.000 Euro von der KfW.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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