Wilfried Holzmann: Gründer der „kleinen bühne ettenheim“
Nicht nur auf der Bühne ein Hang zur Dramatik

Bald muss Wilfried Holzmann anbauen, um weitere Plakate der Aufführungen der „kleinen bühne ettenheim“ unterbringen zu können. | Foto: Foto: Michael Bode
  • Bald muss Wilfried Holzmann anbauen, um weitere Plakate der Aufführungen der „kleinen bühne ettenheim“ unterbringen zu können.
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Max Frischs „Don Juan oder die Liebe zur Geometrie" steht morgen Abend auf dem Spielplan der „kleinen bühne ettenheim". Wie in den vergangenen 30 Jahren zuvor werden die
dramatischen Fäden im Kulturkeller bei Wilfried Holzmann zusammenlaufen.
Dass in 30 Jahren über 200 Schauspieler zum Einsatz und 28 Stücke zur
Aufführung kamen, verdankt das Barockstädtchen einmal dem Gründer
Wilfried Holzmann aber zum anderen ein ganz wenig auch Franz Josef
Strauß. Doch dazu später.

Schon im Geburtsjahr Holzmanns, 1944, spielten sich in seiner Geburtsstadt Freiburg dramatische Szenen ab.
Nach dem Angriff auf die Stadt zog die Familie nach Weinheim an der Bergstraße.

„Meine erste ‚echte‘ Erinnerung ist meine Ungeduld in der Schlangestehen mit meiner Mutter beim Einlösen der
Lebensmittelkarten. Sogar an den Geruch des gebohnerten Bodens dort
erinnere ich mich", sagt der pensionierte Lehrer. Nach der Grundschule
besuchte Holzmann das katholische Albertus-Magnus-Gymnasium in
Viernheim. Waren die Geschlechter anfangs sogar durch unterschiedliche
Treppenhäuser voneinander getrennt, so kam in der 9. Klasse – in der
Obertertia, wie der eingefleischte Pädagoge Holzmann sagen würde – der
Schritt zum gemeinsamen Unterricht. „Wir blieben aber brav in Reihen
eingeteilt. Zwei Bankreihen Jungs, eine Bankreihe Mädels."

Mit 14 zwang ihn eine Asthma-Erkrankung zu einem Jahr Zwangspause. Im
Caritasheim auf dem Feldberg war nach zwei sechswöchigen Kuren Besserung
in Sicht. Dennoch waren die Ärzte der Ansicht, dass ein weiterer
Aufenthalt wichtig wäre, da aber die Krankenkasse nicht gewillt war
weiter zu bezahlen, entschloss man sich zu einem Sonderweg.

Holzmann erhielt freie Kost, Logis und medizinische Betreuung, kümmerte sich
dafür um die 20-köpfige Viehherde. Einen Sommer lang führte er die Herde
täglich hinab zum Feldsee und wieder hinauf. „Das war Einsamkeit und
eine gute Geduldsübung." Ab und an gab es auch zwei Flaschen Bier von
den Nonnen als Wegzehrung.

Der Weg zurück in die Schule war ebenso beschwerlich. In seinen Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrern
fand er Vorbilder, die ihn an ihrem Erfahrungen als Politiker teilhaben
ließen. Dies hat wohl auch den Ausschlag gegeben, dass dies seine
Studienfächer, nach dem Abitur im Jahr 1965, beim Lehramtsstudium in
Freiburg wurden.

Auch politisch engagierte er sich damals schon beim Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Ein 68-er sei auch
er, aber auf einem anderen politischen Flügel als die damals
mehrheitlich linke Studentenschar. Schon Ende der 60-er Jahre hat er im
Internat der Ettenheimer Heimschule St. Landolin gearbeitet und gewohnt.
Dort fand er 1972 dann auch seine erste Stelle nach dem zusätzlichen
Germanistik-Studium und einem Referendariat am Lahrer
Max-Planck-Gymnasium. Als er 1980 ans Städtische Gymnasium wechselte
hatte er schon Erfahrung als Leiter der Schultheater-AG gesammelt. Sein
neun Jahre älterer Bruder war Berufssschauspieler und auch er selbst
spielte von Jugend an leidenschaftlich Theater – „das hilft auch im
Lehreralltag, denn manchmal muss man grimmiger schauen, als man gestimmt
ist". Bald wurde er gefragt, ob er für das Bärenbrunnenfest 1981 eine
Freilichtaufführung organisieren könne. Carlo Goldonis „Diener zweier
Herren" machte den Auftakt. Und hier kommt wieder Franz Josef Strauß ins
Spiel. Ob dessen Kanzlerkandidatur schieden sich die CDU-Geister im
Jahr 1979. Als Mitglied des Bezirksvorstands stritt Holzmann mit
Geissler, Schäuble und Co.um den richtigen Kandidaten. Die CDU-Fraktion
ging über das Votum der Delegierten hinweg und entschied in
Basta-Manier. Es folgte der Austritt aus der Partei und damit Zeit für
das Laienschauspiel. Die Geburt der „kleinen Bühne" aus dem Geist der Politik.

Zum 30-Jährigen bastelt er nun an seiner Nachfolge: Drei Studentinnen erhalten von ihm eine Regieausbildung.

Autor: Matthias Stenzel

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