Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof
Interview mit Geschäftsführerin Margit Langer

Margit Langer
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  • Foto: Schwarzwälder Freilichtmuseums Vogtsbauernhof
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Gutach. Das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof beschäftigt sich mit der Vergangenheit. Wie es sich für die Zukunft aufstellt, das wollte Anne-Marie Glaser im Gespräch mit der Geschäftsführerin Margit Langer wissen.

Warum wurde das Freilichtmuseum gegründet?
Das Freilichtmuseum wurde 1964 von Hermann Schilli, Leiter der Zimmermannsschule in Freiburg, gegründet. Die Idee war es am Anfang, eine Rettungsinsel für bedrohte alte Schwarzwaldhäuser zu schaffen. Schilli wollte die typischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Schwarzwälder Kulturlandschaft erhalten. Gründungshof und Keimzelle ist der Vogtsbauernhof, der als einziger Hof am Originalstandort steht.

Was sind die Ziele?
Freilichtmuseen verstehen sich als kulturelle Zentren des ländlichen Raums. In diesem Sinne sieht sich der Vogtsbauernhof als Kulturforum für den ganzen Schwarzwald. Unsere originäre Aufgabe ist es neben dem Erhalt der Baudenkmäler, die bäuerliche ländliche Kulturgeschichte des Schwarzwalds zu vermitteln. Wir bewahren somit wichtige Kulturgüter und machen sie dauerhaft erlebbar. So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Identität der Region.

Wie haben sich die Ansprüche der Besucher geändert?

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Bedürfnisse der Museumsbesucher grundlegend verändert. Wir haben es natürlich mit einer immer jüngeren Besuchergeneration zu tun, die einen ganz anderen Erfahrungshorizont mitbringt und über vervielfältigte Interessen und veränderte Wahrnehmungsgewohnheiten verfügt. In erster Linie sind die Anforderungen an unsere Serviceleistungen enorm gestiegen. Auch die Ansprüche an unsere Inhalte und vor allem an die Art und Weise, wie wir diese Inhalte vermitteln, sind ganz andere wie noch vor 30 Jahren. Wir versuchen heute, die Besucher vor allem emotional zu erreichen. So transportieren wir unsere Inhalte, in dem wir Geschichten erzählen – wie etwa Geschichten über die Hausbewohner. Oder wir greifen neuzeitliche Themen wie die 70er- oder 80er-Jahre auf. Teilweise setzen wir auch multimediale Inszenierungen ein.
Was halten Sie von den digitalen Möglichkeiten?
Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema Digitalisierung. Das Thema “Augmented Reality” ist auch bei uns angekommen. Wir sind gerade dabei, unser immaterielles Kulturgut, wie die Vorführungen des traditionellen Handwerks, zu digitalisieren. Diese sollen unsere Besucher ab 2020 beim Museumsrundgang digital abrufen können. Wir können uns auch vorstellen, dreidimensionale Elemente in diesen Rundgang einzubauen, wie etwa unser Museumsmaskottchen Menne, ein kleiner Hütejunge, der den jungen Besuchern die Welt des Vogtsbauernhofs zeigt.

Was halten Sie von Virtual-Reality-Brillen, die Besucher in andere Welten versetzen?
Nein, eine VR-Brille ist für uns zurzeit nicht vorstellbar. Der Vogtsbauernhof verkörpert bereits eine andere Welt, die man außerhalb des Museumsgeländes vergeblich sucht. Unsere Stärke ist das Original und nicht die Fiktion. Unsere Häuser sind begehbare Exponate und unser Museum ist ein authentischer Raum, den die Besucher mit allen Sinnen erfahren können.

Was glauben Sie persönlich, wird im Vogtsbauernhof in zehn Jahren konkret anders sein und was würden Sie sich wünschen?
Meine Vision ist sehr klar. Ich wünsche mir, dass wir unsere Position als Kulturzentrum ausbauen konnten und wir weiterhin in einer guten Balance zwischen modernem Dienstleistungsunternehmen und traditioneller Kultureinrichtung sind. In zehn Jahren haben wir unsere zwei Hektar große Erweiterungsfläche mit Themengärten, Festwiese und zwei weiteren neu versetzten Gebäuden aus dem Nordschwarzwald weitestgehend fertiggestellt. In diesen zwei Häusern werden ganz neue Geschichten erzählt. Ich wünsche mir, dass bis dahin auch die Schwarzwaldbahn fahrplanmäßig am Vogtsbauernhof hält und zahlreiche Besucher zu uns bringt. Und ich wünsche mir viele begeisterte Besucher, die wir nachhaltig berühren können.

Margit Langer
Das Freilichtmuseum punktet mit Originalität und Details.
Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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