Edith Burtenshaw zieht es auch nach 50 Jahren in die Heimat
Von Diersburg über Paris in die weite Welt

Edith Burtenshaw ist erfreut, dass bei den Kindern Diersburgs heute noch die gleichen Bräuche und Spiele im Mittelpunkt stehen wie zu ihrer Jugendzeit.
  • Edith Burtenshaw ist erfreut, dass bei den Kindern Diersburgs heute noch die gleichen Bräuche und Spiele im Mittelpunkt stehen wie zu ihrer Jugendzeit.
  • Foto: Daniel Hengst
  • hochgeladen von Christina Großheim

Hohberg-Diersburg. Vor 50 Jahren hat Edith Burtenshaw ihren Heimatort Diersburg verlassen, die Welt erkundet und in Fotografien sowie bildenden Kunstwerken festgehalten. Ihre Fixpunkte waren während der Jahrzehnte Paris, London und seit einigen Jahren ihr Wohnort Brighton im Süden Englands. Zu den Feiertagen im Winter oder auch während einiger Wochen im Sommer kehrt sie immer wieder nach Diersburg zurück. "Ich wurde nicht nur in Diersburg geboren, sondern sogar in meinem Elternhaus", erzählt Edith Burtenshaw, 1943 als Rieger geboren, auf ihrer Terrasse beim Blick über die Wälder und Weinberge Diersburgs.

Von dort zu sehen ist jenseits der Ortsmitte auch das alte Schulhaus, für Edith Burten-shaw quasi der Startpunkt. Sehr früh hatte sie den drängenden Wunsch, die Welt zu erleben. Weil das Geld für ihre große Leidenschaft, eine Künstlerausbildung, fehlte, entschied sie sich für "Plan B", wie sie erzählt, und absolvierte eine Lehre im Hotelfach. Ihre Vorstellung: Der Berufszweig bietet ihr die Chance, die Kontinente bereisen zu können.

1967 zog die damals 24-Jährige als Au-pair von Diersburg nach Paris. "Vormittags arbeiten im Haushalt und nachmittags Französisch lernen", schildert sie den Start dort. Dass der Studentensprecher Daniel Cohn-Bendit auch in ihrer "Nachbarschaft" aktiv war, erlebte sie hautnah. 1969 zog es sie weiter über den Ärmelkanal nach London. "Als ich die ,Rolling Stones' im Hyde-Park erlebt habe, dachte ich: ,Hier gehe ich nicht mehr weg'", erzählt sie strahlend. Neben ihrer Arbeit in Hotels fing Burtenshaw an, Designs für Stoffe zu entwerfen. Es gelang ihr erfolgreich, sie über Agenturen zu verkaufen. Erst als von ihr verlangt wurde, einen entsprechenden Abschluss vorzuweisen, lief das Projekt wieder aus.

In ihrem Hotel wohnte auch die deutsche Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef, die damals mit dem britischen Schauspieler David Cameron verheiratet war. "Was für ein Mann", schwärmt Burtenshaw, "ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, zuvorkommend, charmant und äußerst sympathisch." Sie wollte so einen Engländer als Mann. Also musste ihr Barry Burtenshaw vor ihrem ersten gemeinsamen Ausgehen zum Tanz in der Disco seinen Pass zeigen und nachweisen, dass er Brite ist. "Ich habe mein Leben lang gearbeitet – an sieben Tagen die Woche", so Burtenshaw, nach der Hochzeit im Hotel ihres Mannes im Londoner Umland. Heute, so Edith Burtenshaw, seien sie und ihr Mann gut befreundet. Jeder von ihnen lebe sein Leben, sie inzwischen ihr Künstlerleben und dabei mit dem Rucksack immer wieder um die Welt ziehend.

Entscheidend für diese Wendung war eine schwere Krankheit. Für eine Reise nach Madagaskar wurde sie mit einem verseuchten Präparat geimpft und rang mit dem Leben. Als zweites Ereignis stellte sich heraus, dass sie eine Freundin zur Universität fuhr, weil sie sich für ein Kunststudium einschreiben wollte. Burtenshaw setzte sich unter die Studenten. Ergebnis nach einem langen Gespräch mit dem Professor: Sie durfte zwischen 1997 und 2002 ebenfalls studieren.

Sie kennt den Amazonas, die Naturvölker Südamerikas, Afrikas und die entlegensten Flecken Neuseelands. Nur im Norden Russlands war sie noch nicht, "aber das werde ich noch nachholen", nennt sie eins ihrer offenen Ziele. Immer standen dabei die Menschen und die Natur für sie im Mittelpunkt ihrer Reisen. Auch, wenn sie wieder nach Diersburg kommt. Tief berührt und beeindruckt haben sie etwa die Feierlichkeiten zu 750 Jahre Diersburg vor zehn Jahren, der Zusammenhalt und die Dorfgemeinschaft. "Jedesmal, wenn ich heimkomme", sagt Burtenshaw heute noch, "mache ich eine ,Bestandsaufnahme': Wald, Reben und die Rundfahrt durchs Dorf."
Sie hat einen Bildband erstellt mit den ihr vertrauten Menschen und der Landschaft Diersburgs. Vorgestellt wird er am 12. August auf dem Gut des Freiherrn Roeder von Diersburg samt Menü, Wein und vorheriger Reservierung beim Heimatverein. Dann kehrt sie vom beschaulichen Diersburg in das pulsierende Brighton zurück.

Ihr Traum? "Wenn jemand mich im VW-Bus auf eine Europa-Rundreise mitnimmt, wäre ich sofort dabei". rek

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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