Steigende Transportkosten
Rhein-Niedrigwasser bremst Kehler Hafen aus

Das Niedrigwasser des Rheins ist auch für den Hafen Kehl spürbar: Der Schiffsgüterumschlag ist deutlich zurückgegangen, die Schiffe sind nur noch zu einem Drittel beladen.  | Foto: Archivfoto: gro
  • Das Niedrigwasser des Rheins ist auch für den Hafen Kehl spürbar: Der Schiffsgüterumschlag ist deutlich zurückgegangen, die Schiffe sind nur noch zu einem Drittel beladen.
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Kehl Als historisch niedrig werden die Pegelstände am Rhein derzeit bezeichnet. Am Mittelrhein an der Messstelle Kaub wurden am vergangenen Mittwoch lediglich 23 Zentimeter gemessen, in Köln waren es 70 Zentimeter – weit unter dem Mittel.
Am Oberrhein scheint die Welt noch in Ordnung: "Kehl liegt im Staubereich des Rheins. Wir haben stets genügend Wasser", stellt Jürgen Preiß von der Hafenverwaltung Kehl auf Guller-Anfrage fest. Unterhalb der letzten nördlichen Staustaufe bei Iffezheim beginne aber der natürliche Flussverlauf. Der für den Oberrhein beachtenswerte Pegel sei der von Maxau. "Er lag am Dienstag bei 309 Zentimetern. Der langfristige Durchschnittswert liegt bei knapp fünf Metern", so Preiß.
"Die Warenströme ab und nach Kehl sind zum größten Teil zu Tal, also Richtung Holland. Und daher leidet Kehl auch unter dem Niedrigwasser", erklärt Jürgen Preiß die Situation.

Tonnage verloren

Dabei habe das Jahr für den Kehler Schiffsgüterumschlag gut begonnen. Von Januar bis April habe der Rheinhafen Kehl mit einer Gesamttonnage von 1,7 Millionen Tonnen rund zehn Prozent im Plus gegenüber dem Vorjahr und damit auf Rekordkurs gelegen. "Durch das anhaltende Niedrigwasser haben wir seither jeden Monat Tonnage verloren: im Mai 100.000 Tonnen, im Juni und Juli jeweils 40.000 Tonnen", schildert Preiß.
Grund sei, dass die Güterschiffe aktuell deutlich weniger Fracht transportieren könnten. Als Beispiel nennt er die MS Rena: Das Motorschiff sei vergangene Woche mit 620 Tonnen Schrott von Ludwigshafen zu den Badischen Stahlwerken in den Heimathafen Kehl gekommen. Dies sei nicht einmal ein Drittel der Frachtkapazität: Bei normalen Wasserverhältnissen könne das Schiff 2.200 Tonnen anliefern. "Für größere Schiffe wie die Rena kommt möglicherweise in den nächsten Tagen der Zeitpunkt, wo eine Reise im nicht gestauten Bereich des Rheins nicht mehr möglich ist", blickt Jürgen Preiß in die Zukunft. Denn den Vorhersagen zufolge sei kein Regen in Sicht. Das bedeutet, dass die Pegel am Rhein weiter sinken würden. Die Schifffahrt auf dem Rhein werde aber generell nicht gesperrt.

Kostensteigerungen

Die Transportkosten für Güter, die mit dem Schiff angeliefert werden, würden steigen. Wenn ein Güterschiff nur noch ein Drittel seiner Tragfähigkeit transportiere, würden sich die Kosten der Reise pro Tonne verdreifachen. Eine Ausweichmöglichkeit für die Transporte per Schiff für die im Rheinhafen Kehl angesiedelten Unternehmen gibt es: "Wir verfügen über ein 43 Kilometer langes Schienennetz", erläutert Jürgen Preiß von der Hafenverwaltung. Nahezu alle Grundstücke hätten Bahnanschluss, so dass sich die Hafenfirmen auch über die Schiene bedienen lassen könnten. Allerdings seien die Transportkapazitäten auf den Gleisen begrenzt, sodass es zu einer Verlagerung auf die Straße kommen könnte. "Um eine Schiffsladung von 2.000 Tonnen auf der Straße zu transportieren, braucht es 80 LKW oder 40 Güterwaggons", zeigt Preiß die Grenzen auf.

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