Der Kehler Mirko Sansa ist mit Leib und Seele Gastronom
Von der Lust, etwas Eigenes zu gestalten

Mirko Sansa liebt es, Menschen zu treffen. Als Gastronom schafft er seit vielen Jahren die passenden Räume dazu in Kehl.
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  • Foto: Foto: Michael Bode
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Kehl. Mirko Sansa ist ein fester Bestandteil der Kehler Gastronomieszene. Mit 47 Jahren ist er ein
alter Hase in seinem Metier. Schon mit zarten 14 Jahren hatte er seinen
ersten Job in einer Kneipe. „Das war die ‚Motte‘“, erinnert er sich mit
einem Grinsen. „Damals war das noch ein Treffpunkt für Jugendliche.“

„Ich wollte immer in die Gastronomie“, erzählt Mirko Sansa. Dabei gibt es
gar keine familiären Vorbelastungen: „Ich liebe es einfach, Menschen zu
treffen, etwas zu gestalten und am Puls zu sein.“ Da war es
folgerichtig, nach der Schule eine Ausbildung zum Restaurantfachmann zu
machen. „Danach wusste ich, dass ich niemandem gehören wollte. Ich
wollte mich direkt selbstständig machen.“ Er übernahm die Gastwirtschaft
des Tennisclubs in Kehl. Doch nach einem Jahr zog es ihn weg aus der
Heimat. „Ich habe die erste Runde außerhalb von Kehl gedreht“, erinnert
er sich. „Nicht sehr lange, nur drei Monate, aber ich wollte einfach in
die Welt hinaus.“ Per Anhalter ging es durch einige europäische
Metropolen.

Nach Hause zurück brachte ihn – irgendwie folgerichtig – eine Kneipe. „Meine Mutter erzählte mir, dass der
‚Rohraff‘ zu vermieten sei“, sagt Mirko Sansa. „Ich bin total blauäugig
an die Geschichte gegangen. Ich hatte mit 19,5 Jahren weder das Wesen
noch die geschäftliche Praxis, um so was zu stemmen. Ich wollte nur
etwas bewegen.“ Und das ist ihm trotz der mangelnden Erfahrung mit der
kleinsten Kneipe Kehls gelungen. Schnell war der „Rohraff“ ein beliebter
Treffpunkt – nicht nur für Kehler. Die Besucher kamen aus der ganzen
Ortenau. „Wir haben schon tolle Hoffeste und -konzerte dort
veranstaltet“, wirft Sansa einen Blick zurück. „Das ginge heute nicht
mehr.“ Nach neun Jahren war Schluss, der Pachtvertrag wurde nicht mehr
verlängert:  „Ich glaube, der Vermieter hatte keine Lust mehr auf mich.“

Mit deutlich mehr Erfahrung startete er im „Löwen“ in der Oberländerstraße.
„Ich wusste sofort, was ich daraus machen wollte, als ich die Gasträume
zum ersten Mal sah“, so Sansa. „Das alte Gebäude hatte einen ganz
besonderen Charme und die Ökonomiegebäude sorgten für Beschaulichkeit,
das war eine Sensation.“ Hier entwickelte sich das, was alle
gastronomischen Betriebe von ihm auszeichnet: die Verknüpfung von
Ausgehszene mit Kultur. Im „Löwen“ bot sich Künstlern die Chance, ihre
Bilder auszustellen, Bands konnten dort auftreten. „Ich bin ein
Lokalpatriot“, sagt Sansa von sich selbst. „Ich habe immer für die Stadt
gebrannt. Ich wollte einen Raum schaffen für Leute, die gut drauf
sind.“ Und das zog die unterschiedlichsten Menschen an: „Weil es
authentisch war.“ Dazu passt auch, dass er 2013 eines der
Gründungsmitglieder des Kulturvereins „Vergnügungssalong Kehl“ war.

Was Mirko Sansa auszeichnet, ist sein Gespür für Szenetreffs: Zweieinhalb
Jahre betrieb er zusätzlich über der Traditionsgaststätte „Kronenhof“
den Club „Polloxx“. 2005 übernahm er das „Lamm“ in der Kehler
Fußgängerzone – hier bereicherten Lesungen das Kulturprogramm und die
„Lammbühne“ war fester Bestandteil des Messdi.

Dann der Schock für die Szene – Mirko Sansa hörte auf. 2012 übergab er das „Lamm“ an
Melanie und Eric Bouchere – „in gute Hände“ wie er sagt. „Ich war
ausgebrannt“, gibt er ehrlich zu. „Ich habe immer alles 150-prozentig
gemacht, ich war mit Leib und Seele Gastronom.“ Der Prozess war
schleichend. „Es war ja auch mein Hobby, ich habe meinen Job nie als
Arbeit empfunden.“

Er kaufte einen alten Bus und reiste ein Dreivierteljahr mit seiner Frau und zwei seiner Kinder, wann immer es
deren Terminplan zuließ, herum, um sich „neu zu sortieren“. „Meine Frau
hat immer alle Entscheidungen mitgetragen, sonst wäre das gar nicht
gegangen.“ So auch die, in Böblingen eine Stelle anzunehmen. Er leitete
mehrere Gastronomiebetriebe und den Eventbereich eines Freizeitparks:
„Da habe ich viel gelernt, was ich heute umsetzen kann.“ Und er lernte
seine Partner und Freunde, mit denen er das „Alonso“ in Kehl betreibt,
kennen. Fiel die Rückkehr schwer? „Eine Weile war ich unschlüssig“, gibt
er zu. Doch die Familie und der Wunsch, wieder etwas Eigenes zu
gestalten, gaben den Ausschlag. Zumal eine weitere Neueröffnung ansteht:
Ende August startet mit „Oh Julia“ in Kehl das nächste Gastro-Projekt
von Mirko Sansa.

Autor: Christina Großheim

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