Lahrer Ozukuri
Gärtnerische Meisterleistung im Stadtpark zu bestaunen

Katrin Mertenkötter und Rainer Leppert haben den ersten Ozukuri fertiggestellt. Der zweite wird in Straßburg zu sehen sein. | Foto: Stadt Lahr
  • Katrin Mertenkötter und Rainer Leppert haben den ersten Ozukuri fertiggestellt. Der zweite wird in Straßburg zu sehen sein.
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Lahr (st). Der Ozukuri, auch Tausendblüter genannt, ist voraussichtlich ab Dienstag, 19. Oktober, im Lahrer Stadtpark im roten Pavillon zu bestaunen. Ein zweites Exemplar wird gerade in aufwändiger Art und Weise für die Präsentation in Straßburg vorbereitet.

Rainer Leppert von der Abteilung Öffentliches Grün und Umwelt und seine Kollegin, Katrin Mertenskötte, sehen seit zwei Wochen nur eine Chrysantheme, den Ozukuri im Gewächshaus in der Stadtgärtnerei. Die beiden städtischen Mitarbeiter setzen die hohe Kunst der Chrysanthemen-Eigenanzucht in aufwändigen Arbeitsschritten händisch um. Der zweite Ozukuri wird in diesem Jahr in Straßburg zu sehen sein. Damit wird nicht nur für Lahr geworben, sondern gleichzeitig auf den regen Austausch zwischen den Stadtgärtnern aus Baden und der europäischen Metropole im Rahmen des Eurodistrikts aufmerksam gemacht. Seit vielen Jahren engagieren sich die Straßburger Stadtgärtner bei der Chrysanthema. „Dieses Jahr können wir etwas an unsere französischen Freunde zurückgeben“, sagt Richard Sottru, Leiter der Abteilung Öffentliches Grün und Umwelt.

Zwei Jahre Vorbereitung

Etwa zwei Jahre bevor eine fertige Pflanze gezeigt werden kann, nehmen die Gärtner etwa 100 Stecklinge, aus denen in den ersten Monaten die zwölf Besten ausgewählt werden. Von diesen bleiben wiederum nur sechs Pflanzen, die man weiter kultivieren kann. Zunächst werden die Pflanzen danach selektiert, ob sie sich auf fünf einzelne Hauptäste verzweigen, weil sich diese am besten für die Kultivierung der domartigen Form eines Ozukuri eignen. Danach erfolgt ein regelmäßiger Schnitt, bei dem von Beginn an die künftige Zahl und Anordnung der gewünschten Blüten berücksichtigt werden muss. Jeder der Triebe muss mehrfach gebunden und positioniert werden, damit er optimale Lichtverhältnisse genießt. Die Gärtner passen Wurzelraum und Nährstoffversorgung regelmäßig dem Wachstum der Pflanze an.

Um die üblicherweise nur einjährigen Pflanzen über zwei Jahre hinweg zu ihrer endgültigen Größe zu kultivieren, ist im Winterhalbjahr ein ausgeklügelter Rhythmus von zusätzlicher Belichtung erforderlich. Denn es gilt, einen Übergang in die generative Wachstumsphase, also die Blüte und danach das Absterben der Triebe, zu verhindern. Ist diese gärtnerische Meisterleistung vollbracht, wird jeder einzelne, der bis zu zwei Meter langen Blütenstängel in sensibler Feinarbeit an seine vorgegebene Position gebracht und angebunden. Hier geht es sprichwörtlich „auf Biegen und Brechen“, denn ein falscher Handgriff, eine um wenige Millimeter zu weit geführt Biegung und schon ist die Arbeit von zwei Jahren dahin. Selbst wenn man der Pflanze vor dieser zeitintensiven Arbeit bewusst ein Welkestadium zumutet, um durch geringeren Zelldruck die Triebe weicher werden zu lassen, sind die in zwei Jahren mühsam herangezogenen Triebe äußerst fragil.

Jahrhundertealte Tradition

Die Form der Darstellung als Dom beziehungsweise Viertelkugel entspricht der Jahrhunderte alten Tradition des Shinjuku Gyoen. Statt des ursprünglich als reines Bambuskonstrukt verwendeten Gestells, haben die Lahrer ein wiederverwendbares Metallgestell für die Ozukurizucht hergestellt. Die Gärtner sind zu Recht stolz auf ihre Leistung: „Es ist eine Pflanze, die mit gärtnerischem Know-how und Akkuratesse so in Deutschland und wahrscheinlich in Europa noch nie kultiviert wurde“, sagt Richard Sottru.

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