Leerstände und Parken
IHK kritisiert Lahrer Gemeinderatsentscheidung
Lahr/Freiburg (st) Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein bewertet die Entscheidung des Lahrer Gemeinderats vom 22. Juni 2026, die Einrichtung eines Flächenmanagements nicht weiterzuverfolgen, kritisch. Gleichzeitig beschlossene Parkgebührenerhöhungen senden aus Sicht der IHK ein widersprüchliches Signal für die Zukunft der Innenstadt. „Mit der Ablehnung des Flächenmanagements wurde eine zentrale Chance vertan, die strukturellen Herausforderungen der Innenstadt aktiv anzugehen“, erklärt IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser.
Aus Sicht der IHK wäre die Einrichtung eines umfänglichen Flächenmanagements ein entscheidender Baustein für die nachhaltige Entwicklung der Lahrer Innenstadt gewesen. Ziel eines solchen Ansatzes ist es, Leerstände gezielt zu reduzieren, Nutzungen besser zu steuern und Immobilieneigentümer aktiv einzubinden. Die IHK hatte im Rahmen ihrer Innenstadtberatung ausdrücklich empfohlen, eine entsprechende Stelle zu schaffen und das vorhandene Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg zu nutzen. Dabei hätte ein Großteil der Kosten über Fördermittel gedeckt werden können, während der kommunale Eigenanteil bei rund 96.000 Euro über drei Jahre gelegen hätte. „Die Aufgabe bleibt bestehen und es bleibt nun abzuwarten, inwiefern diese im vorhandenen städtischen Personalbestand angegangen werden kann“, so Kaiser. Für den Innenstadtberater ist klar, „dass strategisches Management der über 450 gewerblichen Flächen in der Innenstadt nicht so nebenbei und schon gar nicht durch vermeintlich einfache Gespräche mit Eigentümern oder Mietern zu lösen sind“.
Herausforderungen sind bekannt
Die Analyse der IHK zeigt klar, dass in Lahr Handlungsbedarf besteht:
- Der Einzelhandel verliert weiter an Bedeutung
- Leerstände müssen proaktiv gemanagt werden
- Ein angemessenes proaktives Flächenmanagement fehlt bislang, obwohl laut IHK-Analyse bereits jetzt 30 Prozent der betroffenen Betriebe skeptisch auf die nächsten zehn Jahre schauen
Gerade vor diesem Hintergrund wäre es notwendig, personelle Strukturen aufzubauen, um den nötigen Transformationsprozess aktiv zu gestalten.
Widerspruch bei Parkgebühren
Kritisch sieht Kaiser insbesondere die gleichzeitige Entscheidung zur Erhöhung der Parkgebühren. Die Zusatzeinnahmen - sofern diese tatsächlich entstehen - sollten laut Beschlussvorlage unter anderem zur Finanzierung innenstadtrelevanter Maßnahmen beitragen. „Nach dem Verursacherprinzip ist der Gedanke grundsätzlich nicht falsch, hat aber nur eine positive Wirkung, wenn im Gegenzug die Gesamtattraktivität der Innenstadt das über Parkgebühren erworbene Eintrittsticket wert ist. Das ist derzeit nicht der Fall“, so Kaiser. „Wenn zusätzliche Einnahmen generiert werden, diese aber nicht in gezielte strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt fließen, entsteht ein Ungleichgewicht zu Lasten von Innenstadtgewerbe und Besuchern.“
Genauso wenig hält man von dem Vorschlag, zugunsten eines Stadtfestes auf eine zusätzliche Stelle im Rathaus zu verzichten. „Der Eindruck könnte entstehen: Nun feiert die Stadtpolitik lieber eine Stadt-Party statt in nachhaltige Entwicklung zu investieren“, so Kaiser.
Appell: Strategische Innenstadtentwicklung konsequent verfolgen
Die IHK appelliert an Politik und Verwaltung, die Entwicklung der Innenstadt weiterhin strategisch zu verfolgen und notwendige Instrumente nicht aus kurzfristigen haushaltspolitischen Erwägungen heraus auszuschließen. „Attraktive Innenstädte sind mittlerweile kritische Infrastruktur, die aktiv gelenkt und gesteuert werden muss. Dies verkennt derzeit mehrheitlich die Stadtpolitik, aber auch die Landes- und Bundespolitik“, bedauert Kaiser.
„Aus haushaltspolitischen Erwägungen heraus kann man die Entscheidung des Gemeinderats sogar nachvollziehen“, sagt Kaiser. Angesichts der angespannten Finanzlage vieler Kommunen sieht er den Eigenanteil von 40 Prozent bei Landesförderungen als deutlich zu hoch an. „Hier muss das Land nachbessern!“








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