Schülergottesdienst in Lauf
Ehrenamt ist nah bei den Menschen

Uschi Knoll-Schneider (rechts) und Agnes Fartaczek gestalten schon viele Jahre den Schülergottesdienst in Lauf.  | Foto: Christina Nickweiler
  • Uschi Knoll-Schneider (rechts) und Agnes Fartaczek gestalten schon viele Jahre den Schülergottesdienst in Lauf.
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Lauf (st) An einem Mittwochmorgen, morgens kurz nach acht, sind in der katholischen Laufer Pfarrkirche St. Leonhard Gitarrenklänge und melodische Gesänge zu hören. Bei näherer Betrachtung offenbart sich, was dort passiert, es findet der wöchentliche Schülergottesdienst statt: Rund 30 Kinder singen aus Liederbüchern der Kirche, ihre Schultaschen haben sie neben den Kirchenbänken oder auf den Kniebänken platziert. Vor den Reihen steht Agnes Fartaczek, ihres Zeichens Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Lauf-Sasbachtal, Mitglied im Aufsichtsrat der Caritas und engagiert sich in vielen Belangen. Sie begleitet an der Gitarre und singt mit. Daneben unterstützt Ursula Knoll-Schneider mit ihrer Stimme den Gesang der Kinder.

Abseits von den Phasen, in denen gemeinsam gesungen wird, erzählt Ursula Knoll-Schneider den Kindern von der Heiligen Elisabeth, deren Namenstag in diesen Tagen von der katholischen Kirche gedacht wird. „Warum wurde Elisabeth von den anderen Herrschern bekämpft?“, fragt sie die Kinder. In Sekundenschnelle recken etliche Finger in die Höhe. Jedes Kind, das sich meldet, darf etwas sagen. Diese Aufmerksamkeit, die den Dritt- und Viertklässlern dort zuteil wird, kommt an. Denn die Kinder sind konzentriert, sie lauschen den Erzählungen über die Heilige Elisabeth, wie sie für die Armen einst ein Krankenhaus gebaut hatte.

Ursula Knoll-Schneider bringt sich schon viele Jahre ehrenamtlich in die Kirchenarbeit ein. Mittlerweile arbeitet sie in diversen Gremien auf Diözesan- und Dekanatsebene mit, aber der direkte Austausch mit den Menschen vor Ort ist für sie elementar. „Nachher gehe ich noch ins Pflegeheim und bringe den älteren Menschen die Krankenkommunion“, verrät sie im Gespräch. Dieser Bezug zu den Menschen vor Ort, stärke sie bei ihrer Gremienarbeit, fährt sie fort. „Schülergottesdienste, Altenbesuche, für mich gehört das zusammen. Ich könnte in den Gremien, kaum von den Bedürfnissen der Menschen reden, wäre ich nicht direkt vor Ort mit ihnen zusammen“, berichtet die Ehrenamtliche von ihrer Arbeit.

Ehrenamtliche Arbeit sät Samen

Ihre Mitstreiterin, Agnes Faraczek, sieht das genauso. „Wir sind beide im Gemeindeteam. Das ist das Basisgremium. Hier sammeln wir Erfahrungen vor Ort, und das nehmen wir in die anderen Arbeitsfelder mit“, sagt sie. Dann erzählt sie von einer Episode, die sich vor einiger Zeit zugetragen hat. Beim Einkaufen sei sie von einer jüngeren Verkäuferin angesprochen worden. „Kennst Du mich nicht mehr? Ich war doch bei dir im Schülergottesdienst?“, habe die Verkäuferin hinter der Bedientheke ihr gesagt. Solche Begegnungen erfüllen Agnes Fartaczek mit Freude. „Das ist schon viele Jahre her, aber da muss ein Samen gesät worden sein. Das kommt auf uns zurück“, weiß sie.

Uschi Knoll-Schneider hat in den vergangenen Jahren schon ähnliche Erfahrungen gesammelt. Es sei einfach schön, wenn die Kinder einen im Dorf treffen, winken, ihren Mamas erzählen „das ist die Uschi vom Schülergottesdienst“ oder zurufen würden, „wir sehen uns nächsten Mittwoch wieder“.

„In der neuen größeren Pfarrei wird es darum gehen, jegliche ehrenamtliche Tätigkeit zu schätzen und einander zu gönnen, was gut läuft“, meint die Dekanatsratsvorsitzende. Sie erläutert das so: Wenn es etwa in Obersasbach eine gute Caritasgruppe gibt oder anderswo gelungene Ministrantenarbeit, „dann müssen wir uns freuen, dass sich Menschen an verschiedenen Orten füreinander einsetzen“, sagt Uschi Knoll-Schneider. Sie nennt diese Konstellation, dass an verschiedenen Orten ehrenamtliche Arbeit unterschiedlich stark stattfindet, eine „Ungleichzeitigkeit“.

„Wenn es anderswo auch einen Schülergottesdienst geben soll, dann müssen sich Ehrenamtliche zusammentun“, lautet ihre Erkenntnis. Sie ist sich sicher, dass diese Ungleichzeitigkeit bei dem Kirchenentwicklungsprozess 2030 künftig stärker zu spüren ist. „Mit viel Kreativität schauen, was die Gemeinde braucht. Jeder macht das, was vor Ort für ihn möglich ist, dann gibt es einen bunten Teppich voller Ideen, der heißt neue Pfarrei, und dann kann es gut werden“, blickt Uschi Knoll-Schneider optimistisch in die Zukunft. Ihre Mitstreiterin Agnes Fartaczek pflichtet ihr bei.

Inzwischen ist der Schülergottesdienst zu Ende und die beiden ehrenamtlichen Damen begleiten die Dritt- und Viertklässler von der Pfarrkirche über die Straße in die Schule. Derweil räumt Mesmerin Veronika Stöcklin die Tafel, mit den vielen Händen der Kinder, die derzeit auf die Heilige Kommunion vorbereitet werden, zur Seite. Anschließend saugt sie den roten Teppich vor dem Chor. Sie ist, wenn auch im Hintergrund, die dritte im Bunde des Teams des Schülergottesdienstes.

Hintergrund

Mehr als 300.000 Personen leisten in der Erzdiözese Freiburg ehrenamtliche Arbeit. Die Felder, auf denen Ehrenamtliche arbeiten sind vielfältig. Sie arbeiten unter anderem in den Gemeinden vor Ort, in der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge, in der caritativen Sparte und in den kirchlichen Verbänden. Die Erzdiözese Freiburg stellt inzwischen die Weichen und arbeitet aktiv an einer Erneuerung und Professionalisierung der diözesanen Engagementkultur. Sichtbares Zeichen dieser Anstrengungen, ist die Besetzung einer Ehrenamtsbeauftragten im Dekanat Acher-Renchtal. Andrea Jöst ist Referentin für Engagementförderung. Zum internationalen Tag des Ehrenamtes, ist es ihr ein wichtiges Anliegen, engagierte Menschen im Dekanat Acher-Renchtal ins Gespräch zu bringen und ihren Einsatz zu würdigen. „Stellvertretend für rund 3.000 Ehrenamtliche wird so punktuell sichtbar, wie wichtig diese Menschen mit ihren vielfältigen Gaben für eine lebendige Kirche vor Ort sind und was sie bewirken“, sagt Andrea Jöst.

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