Toller Luftsport in den Seealpen
Am Matterhorn und am Mont Blanc vorbei

- Südfranzösischer Aèrodrome de Château-Arnox- St. Auban
von links Joachim Treier, Marven Gründler , Michael Buchthal und Jakob Schick - hochgeladen von Martin Kiefer
Freudenstadt / Oberkirch. Nach einer völlig verregneten Junioren-DM in Musbach, hatten Marven Gründler und Jakob Schick von der Fliegergruppe Freudenstadt (FF) nur noch einen Wunsch: „endlich wieder richtig toll fliegen“.
In Begleitung der erfahrenen Gebirgsflieger Michael Buchthal (FF) und Joachim Treier (FG Renchtal) machten sie sich auf den Weg, um das Aèrodrome de Château-Arnox- St. Auban in der Provence anzusteuern. In den Pkw-Anhängern hatten die vier Piloten gleich zwei doppelsitzige Hochleistungssegler Duo Discus, die mit ihren 20 Metern Spannweite über gute Gleitleistungen verfügen. Joachim Treier war 1999 selbst Deutscher Juniorenmeister und hat schon unzählige Flugstunden in den Seealpen absolviert.
Mit den beiden modernen Seglern in Formation zu fliegen, erhöht die Chance günstige Aufwinde zu finden und verdoppelt auch noch den Spaß am Fliegen.
Anspruchsvolles Segelfliegen in den Hochalpen
Die Region der französischen Alpen, einschließlich der Seealpen, ist ein gefragtes Segelflugparadies. Unterschiedliche Geländeformationen verlangen sehr viel Erfahrung und auch Respekt von den Piloten. Dazu gehört auch eine absolut gute Wetterkenntnis, wenn zum Beispiel der starke Mistral bläst, oder im Hochsommer mächtige Gewitter den Heimweg plötzlich versperren. Im morgendlichen Briefing müssen in der gründlichen Flugvorbereitung weitere Ausweich-Flugplätze oder Landewiesen mit einbezogen werden. Denn eines ist sicher: Das Hochgebirge verzeiht keine Pilotenfehler.
Talwindsysteme und mächtige Auf- und Abwinde haben ihre Tücken. Michael Buchthal und Joachim Treier kennen das Fluggebiet mittlerweile aus der Westentasche. Als langjährige Fluglehrer brachten sie nun den jungen Freudenstädter Nachwuchsfliegern die hohe Kunst des Alpenfliegens bei. Dabei mussten auch komplexe Lufträume und Naturparks beachtet werden. Schließlich ist man in Höhen bis zu 4.500 Meter unterwegs. In ausgewiesenen Wellenfluggebieten geht es noch deutlich höher. Somit ist es ein Muss genügend Sauerstoff mitsamt passenden Nasenbrillen mitzuführen.
Flüge zum Matterhorn hin und am massiven Mont Blanc vorbei
Insgesamt verbrachten beide Teams je rund 40 Stunden im luftigen Element innerhalb einer starken Woche. Absoluter Höhepunkt waren zwei Flüge, die zum 4.478 Meter hohen markanten Matterhorn führten. Dabei entdeckte man mehrere Seilschaften am Wahrzeichen der schweizer Alpen.
Während in der Südfranzösischen Ebene 43 Grad Celsius herrschten, war man im in der Höhe im Null Grad Bereich unterwegs. Mehrmals flog man am 4.805 Meter hohen Mount Blanc vorbei. Der höchste Berg der europäischen Alpen liegt an der Grenze zwischen Frankreich und Italien. An manchen Tagen erblickte man am Rande der Seealpen, sogar die italienische Poebene.
Bei ihren Flügen waren die Segelflieger bis zu 650 km unterwegs. Sie erlebten starke Steigwerte bis zu sechs Meter pro Sekunde. Der schnelle Flug am Gebirgsgrat entlang des berühmten Parcour war eindrücklich, wie auch der Flug über eine faszinierende Gletscherwelt. Hier erlebten die Piloten einen Wehrmutstropfen. Denn so mancher Gletscher präsentierte sich eher im schmutzigen grau, als ihm strahlenden weiß. Auch hier lässt der Klimawandel grüßen.
Volle Konzentration erforderte das bodennahe Hangfliegen, bevor wieder die enge Bergthermik zupackte. Es war atemberaubend, aber auch anstrengend, so die Aussage beider Jugendlichen, die ihre professionellen Fluglehrer lobten. So folgte nach dem Fliegen zur Nachbereitung im Debriefing ab und an auch ein Theorieteil.
Am Campingplatz des Flugplatzes pflegten die Segelflieger zünftig die deutsch-französische Kameradschaft und es gab noch was ganz anders zu erleben: An mehreren Tagen lebten sich dort zum Staunen der Piloten ein Rudel Wildschweine aus.






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