IHK-Angebote
Latte für Ausbildungsplätze aus Vorjahren hängt hoch

Simon Kaiser zu Ausbildung und dualen Studuengängen

Ortenau. Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein ist die Interessenvertretung der Betriebe in diesen Branchen und damit ebenfalls ein zentraler Akteur in Ausbildungsfragen. Rembert Graf Kerssenbrock sprach mit Simon Kaiser, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung.

Werden die Betriebe und Unternehmen der IHK für den kommenden Ausbildungsstart Lehrstellen im gewohnten Umfang zur Verfügung stellen? Wie waren die Zahlen im Vorjahr und mit welcher Zahl an Lehrstellen rechnen Sie im Herbst?
Bisher ist das Angebot an Ausbildungsplätzen noch sehr gut. Eine Prognose für den Herbst abzugeben, ist in diesem Jahr besonders schwierig, da die Branchen sehr ungleich von Corona betroffen sind. Faktoren wie der Fachkräftemangel können einen Teil des Dämpfers durch Corona sicherlich abpuffern. Allerdings hängt auch ohne Corona die Latte sehr hoch, denn wir hatten die vergangenen drei Jahre in der Ortenau jeweils satte Zuwächse bei den neuen Ausbildungsverhältnissen, gerade im Bereich der technischen Berufe.

In welchen Branchen erwarten Sie starke Veränderungen zu den Vorjahren?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Alles hängt davon ab, ob besonders von den Corona-Auswirkungen betroffene Branchen wie die Tourismuswirtschaft, der Handel oder die Gastronomie bald eine konkrete Perspektive bekommen, wann es Schritte in Richtung Normalbetrieb geben wird und wie diese aussehen.

Unternehmer wurden in den vergangenen Jahren verstärkt darauf hingewiesen, dass durch Ausbildungen dem Mangel an Fachkräften entgegengewirkt werden kann. Wie sehr wird dies durch die Corona-Pandemie in Frage gestellt?
Diese Regel gilt unverändert. Allein ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt klar, dass selbst ein wirtschaftlicher Einbruch und eine dadurch vorübergehend steigende Arbeitslosigkeit nichts daran ändern werden, dass wir in vielen Bereichen einen Fachkräftemangel haben. Extern zu rekrutieren, wird also auf mittlere Sicht in vielen Bereichen schwierig bleiben.

Die IHK wirbt auch sehr stark um die Studienabbrecher für eine duale Ausbildung. Welche Möglichkeiten gibt es für diese Zielgruppe?
Wer ein Studium aufgenommen hat und dieses nicht fortsetzen möchte oder kann, sollte eine duale Berufsausbildung in Betracht ziehen, weil sie viele Vorteile bietet. Einerseits haben Bewerber mit Hochschulzugangsberechtigung die Möglichkeit, ihre Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen. Wenn die Ausbildung gut verläuft und auch die Noten an der Berufsschule stimmen, kommt zusätzlich eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung in Betracht. In vielen Fällen kann man also in anderthalb bis zwei Jahren zum Abschluss kommen. Und nach dem Abschluss stehen Absolventen viele Wege der Aufstiegsweiterbildung offen, beispielsweise zum Fachwirt, zum Industriemeister oder zum Betriebswirt (IHK). In der Beratung kommt es vor allem darauf an, Betroffenen diese Perspektiven und Entscheidungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dann erkennen sie auch, dass es sich nicht um einen Rückschritt handelt, sondern um einen anderen Weg zum gleichen Ziel.

Welchen Anteil hat das Duale Studium inzwischen für IHK-Unternehmen?
Quantitativ kann ich dazu keine Aussage treffen, weil duale Studienverträge nicht bei den Kammern registriert werden. Aus den Gesprächen mit Betrieben weiß ich allerdings, dass das Duale Studium von vielen Unternehmen als wichtiger Rekrutierungskanal geschätzt wird, gerade für die Zielgruppe der Abiturienten. Viele Betriebe nutzen das Instrument allerdings auch zur Personalentwicklung und bieten es beispielsweise besonders guten Ausbildungsabsolventen als Entwicklungsmöglichkeit an.

Welche wichtigen Änderungen beinhaltet das neue Berufsausbildungsgesetz?
Das neue Berufsbildungsgesetz beinhaltet eine Vielzahl von Änderungen. Viele davon sind eher technischer Art und betreffen eher die Prüfungsabwicklung. Für angehende Auszubildende ist wichtig, dass es ab sofort eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung gibt, die jährlich steigen soll. In den IHK-Berufen ist diese aktuell nicht relevant, weil die Ausbildungsvergütungen fast überall deutlich über diesem Mindeststandard liegen. Schön ist, dass die Möglichkeiten, eine Ausbildung in Teilzeit durchzuführen, verbessert wurden. Dies kann beispielsweise für Alleinerziehende eine Hilfe sein. Erfreulich ist außerdem, dass die Stufen der beruflichen Aufstiegsfortbildung, etwa zum Meister, künftig den Zusatz Bachelor Professional und Master Professional führen dürfen. Damit wird auch nach außen besser sichtbar, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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