Mehr Artenvielfalt
Auftakt des grenzüberschreitenden Projekts „Rhinaissance"

Der Rhein zwischen dem Naturschutzgebiet Taubergießen und der Ile de Rhinau: Zur Gewinnung von Land und zur Schiffbarmachung wurde der Fluss  begradigt und mit festen Schwellen und Buhnen versehen.  | Foto: Saier/RPF
  • Der Rhein zwischen dem Naturschutzgebiet Taubergießen und der Ile de Rhinau: Zur Gewinnung von Land und zur Schiffbarmachung wurde der Fluss begradigt und mit festen Schwellen und Buhnen versehen.
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Ortenau (st). Können der Rhein und seine Auen auf der französischen Ile de Rhinau und im Naturschutzgebiet Taubergießen naturnäher gestaltet werden? Antworten auf diese Frage soll zum Auftakt des deutsch-französischen Entwicklungsprojekts „Rhinaissance“ eine Machbarkeitsstudie liefern. Die Studie zur ökologischen Aufwertung dieses grenzüberschreitenden Naturraums hat das Naturschutzreferat des Regierungspräsidium Freiburg jetzt in Auftrag gegeben.

„Mit dem Projekt ‚Rhinaissance‘ nehmen wir gemeinsam mit unseren französischen Nachbarn ein weitreichendes grenzübergreifendes Vorhaben in Angriff, das die biologische Vielfalt im Rhein und seinen Auen beleben und aufwerten soll“, erklärte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Sie freue sich, dass die Gemeinden und weitere Partner auf beiden Seiten des Rheins das Vorhaben unterstützen. Ziel sei es, die Zukunft der Grenzregion nicht nur wirtschaftlich und kulturell, sondern auch ökologisch weiterzuentwickeln.

Machbarkeitsstudie

Durch den Ausbau des Rheins und die Ableitung eines Großteils des Wassers in den Kraftwerks- und Schifffahrtskanal ist der Fluss zwischen dem Taubergießen und der Ile de Rhinau ökologisch beeinträchtigt. „Die Fischfauna des Rheins ist verarmt, im Gewässergrund lebende Organismen weisen eine geringe Vielfalt auf und Lebensräume für kiesbrütende Vogelarten wie zum Beispiel dem Flussuferläufer fehlen. Wichtige Ökosystemfunktionen können im aktuellen Zustand nur eingeschränkt erfüllt werden“, beschreibt Bettina Saier, Leiterin der Ökologischen Station Taubergießen, die Situation im Untersuchungsgebiet. Die Machbarkeitsstudie ermittle, unter welchen Voraussetzungen eine naturnähere Gestaltung des Rheins und seiner Auen möglich wäre, um neue Lebensräume für Arten zu schaffen und die fließgewässertypische Vielfalt auch vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung zu stärken.

Die Studie mit einer Laufzeit von 18 Monaten wird im Rahmen des Förderprogramms Interreg V Oberrhein von der EU, der Région Grand Est und dem Regierungspräsidium Freiburg finanziert. In der ersten Phase wird die Studie den aktuellen Zustand des Untersuchungsgebiets beschreiben, und die Rahmenbedingungen und Restriktionen analysieren. In der zweiten Phase werden unterschiedliche Szenarien für eine ökologische Aufwertung untersucht und im Hinblick auf eine mögliche Umsetzung priorisiert. Zur Vertiefung spezieller Themen sind mehrere Workshops geplant.

Gemeinsame Verantwortung

„Die Vereinbarung zwischen den betroffenen Gemeinden und den anderen Partnern, eine Machbarkeitsstudie über die Möglichkeiten einer ökologischen Aufwertung des Rheins und seiner Auen in den Naturschutzgebieten Taubergießen und Ile de Rhinau durchzuführen, ist eine hervorragende Sache“, sagt Vincent Jaegli, Bürgermeisterstellvertreter von Rhinau. „Ich freue mich, dass dies ein weiterer Schritt zur Stärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Gemeinden, der Région Grand Est und dem Land Baden-Württemberg ist. In Zeiten des Klimawandels, der globalen Erwärmung und der massiven Reduzierung der biologischen Vielfalt liegt es in unserer gemeinsamen Verantwortung, zu handeln, um diese Naturräume und den Rhein, diese wunderbare natürliche Klimaanlage, zu schützen.“
„Rhinaissance“ ist eines von mehreren Projekten im so genannten „Plan Rhin vivant“ der Région Grand Est, der Agence de l’eau Rhin Meuse und des Office Français de la Biodiversité. Zudem ist das Projekt in der Frankreichkonzeption des Staatsministeriums Baden-Württemberg verankert.

Beteiligte Partner

Auf deutscher Seite: Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Ortenaukreis, Landkreis Emmendingen, Gemeinde Rust, Gemeinde Kappel-Grafenhausen, Gemeinde Rheinhausen und Regierungspräsidium Freiburg.
Auf französischer Seite: Gemeinde Rhinau, Électricité de France S.A. (EDF), Voies navigables de France (VNF), Direction régionale de l'Environnement de l'Aménagement et du Logement (DREAL), Agence de l'eau Rhin Meuse (AERM), Conservatoire des sites alsaciens (CSA), Syndicat des Eaux et de l'Assainissement Alsace-Moselle (SDEA), Office Français de la Biodiversité (OFB) und die Région Grand Est.

Zur Projektsteuerung gibt es drei deutsch-französische Begleitgremien. Grundsätzliche Entscheidungen werden von einem Lenkungsausschuss mit Vertretern der Kommunen, Fachinstitutionen, Behörden und den Eigentümern getroffen. Eine Projektgruppe unterstützt das Gelingen der Studie fachlich. Schließlich soll im November ein Beirat einberufen werden, um die Nutzer und Verbände über die Studie zu informieren.

Untersuchungsgebiet

Der wirtschaftlich und kulturell so bedeutsame Rhein ist in diesem Abschnitt nicht nur das prägende Landschaftselement und die Lebensader des grenzüberschreitenden Naturraums der Ile de Rhinau und des Naturschutzgebiets Taubergießen, sondern auch Grenzfluss zwischen Deutschland und Frankreich. Dieser Rheinabschnitt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Im 19. Jahrhundert wurde er zur Gewinnung von Land und zur Schiffbarmachung nach den Plänen von Tulla zunächst begradigt und später mit festen Schwellen und Buhnen versehen. Auch die Ufer des Rheins wurden befestigt. Im 20. Jahrhundert wurde parallel zum Rhein ein Kanal gebaut, um Energie aus Wasserkraft zu gewinnen und Güter mit Schiffen zu transportieren.

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