Der Weiße Ring hilft von Kriminalität Geschädigten
Wo ausschließlich Opfer ihre Stimmen erheben können

Die Polizei sichert nach einem Einbruch Spuren, um den Täter zu fangen und damit auch den Opfern zu helfen. 
  • Die Polizei sichert nach einem Einbruch Spuren, um den Täter zu fangen und damit auch den Opfern zu helfen. 
  • Foto: Polizeiliche Kriminalprävention
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Offenburg (gr). „Danach ist nichts mehr wie zuvor,“ sagt Familie S. „das mussten wir akzeptieren". Geholfen hat dabei der Weiße Ring, genau gesagt, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter vom Weißen Ring Ortenaukreis. Jürgen Henninger, der ehemalige Leiter der Außenstelle, erinnert sich gut: Während die Familie nachmittags unterwegs war, hatten Einbrecher das Haus nach Wertsachen durchsucht und alles durchwühlt. Ein Polizeibeamter stellte den Kontakt zu der Hilfsorganisation her, am nächsten Tag war Henninger vor Ort: „Die Frau und die Kinder waren traumatisiert, ich habe sie zu einem Therapeuten vermittelt", erzählt er. Außerdem stand er beratend zur Seite, als es um das Thema Versicherung ging. „Das Ziel unserer Arbeit ist es, den Opfern zu helfen, sich selbst zu helfen“, erläutert Gunter Harder-Knoop, der jetzige Leiter vom Weißen Ring Ortenaukreis.

Dazu gehört neben finanzieller Hilfe und der Unterstützung bei bürokratischen oder organisatorischen Hürden auch die Aufklärung über Rechte. „Hier kommt ein Opferanwalt ins Spiel, und das muss schnell geschehen“, erklärt Ingrid Strehlow, Harder-Knoops Stellvertreterin. Der schnelle direkte Zugang zu entsprechenden Experten ist neben der persönlichen Betreuung ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Vereins. Wer das alles bezahlt? Der Weiße Ring. 2018 hat er allein in Baden-Württemberg rund 400.313 Euro für materielle Hilfe ausgegeben, hier im Ortenaukreis waren es etwa 40.000 Euro.

Lebenslanges Leiden an Folgen der Kriminalität

Klar ist: Opfer von Kriminalität leiden oft lebenslang physisch, psychisch wie auch finanziell an den Folgen einer Straftat. Genau deshalb initierte Eduard Zimmermann, legendärer „Aktenzeichen XY… ungelöst“-Moderator, 1976 den Weißen Ring – „Wenn alle den Täter jagen, wer kümmert sich dann um die Opfer?“. Inzwischen ist der Verein mit etwa 50.000 Mitgliedern in 18 Landesverbände gegliedert, unterhält bundesweit 420 Außenstellen, mit 3.200 ehrenamtlichen und rund 100 hauptamtlichen Helfern. Er habe enorm viel dazu beigetragen, die Situation von Kriminalitätsopfern zu verbessern, sagt Henninger. So sei zum Beispiel die staatliche Unterstützung erheblich ausgebaut worden.

Finanziert wird der Weiße Ring aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Nachlässen sowie durch Geldbußen, die von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängt und an den Verein weitergegeben werden. Öffentliche Mittel gibt es keine. „Das bedeutet Unabhängigkeit“, sagt Harder-Knoop und betont: „Wir sind keine Moralinstanz, helfen auch dann, wenn das Opfer keine Anzeige erstatten will." Es muss lediglich eine Straftat vorliegen – hier belegen Gewaltdelikte Platz eins, dicht gefolgt von Sexualdelikten.

184 Opferberatungen im Jahr 2018

184 Opferberatungen (Opfer-Telefon: 116006) hat das elfköpfige Ortenauer Team 2018 geleistet. Die meisten Opfer waren Frauen, die Kooperation mit dem Frauenhaus ist deshalb sehr wichtig. Wie auch der Verein Aufschrei und psychologische Beratungsstellen gehört es zu einem notwendigen  Hilfsnetzwerk. Denn Gewalttaten traumatiseren immer, die psychischen Folgen einer Straftat wiegen oft schwerer als der materielle Schaden, weiß Henninger.

So wie bei Familie S.: Sechs Monate nach dem Einbruch verkauften sie ihr Haus. In das alte Leben gab es kein Zurück, ein neuer Anfang am Ort des Geschehens war nicht möglich. Also zogen sie weg – die finanzielle Unterstützung als „tatbedingter Umzug" durch den Weißen Ring war nur ein kleiner Trost.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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